Der Klein Germersleber Heimatverein und die Kirchengemeinde haben ihr Rötger-Projekt vollendet. Mit der Eröffnung der Rötger-Stube gibt es zudem einen neuen "verborgenen Schatz" an der Straße der Romanik.

KleinGermersleben l Wohl nur die Mitglieder des Klein Germersleber Heimatvereins und der örtlichen Kirchengemeinde können ermessen, mit welcher Intensität der alte "Vater Rötger" in den vergangenen Monaten ihr Leben bestimmt hat. Doch im Herbst des vergangenen Jahres haben sie sich ein ehrgeiziges Ziel gesteckt: Sie wollen würdevoll daran erinnern, dass Gotthilf Sebastian Rötger, der im 18. Jahrhundert als Pädagoge und Propst unter anderem auch die Schule reformiert und das Zensurensystem eingeführt hat, das Licht der Welt in Klein Germersleben erblickt hat. Am Ostersonnabend 1749 war es, seine Eltern waren das Pfarrersehepaar.

Später verließ er Klein Germersleben, um unter anderem 50 Jahre lang das Amt des Propstes am Kloster Unser Lieben Frau(en) in Magdeburg auszufüllen. Nach Klein Germersleben kam er nur manchmal zurück, um seine Theorien von der gleichen Bildung für alle Gesellschaftsschichten zu verbreiten und um zu betteln. Er wollte Unterstützung, damit auch die Armen eine vernünftige Bildung erhalten.

Petra Hort als Bürgermeisterin der Stadt Wanzleben - Börde und Vorsitzende der Leader-Aktionsgruppe (LAG) "Bördeland" fand in ihm sogar Parallelen zur heutigen Schulentwicklungsplanung. So wie damals wird heute für die Bildung gekämpft. "Die Krux ist, Vater Rötger musste für den Zugang zur Bildung und die Einrichtung von Naturkabinetten kämpfen und wir stehen heute den Kürzungen an Bildung und Kultur gegenüber", fasste sie zusammen.

Doch die Klein Germersleber setzen sich für ihre Kultur ein und erinnern sich an einen großen Sohn des Ortes. Ein Zimmer haben sie ihm in seinem Geburtshaus, dem Pfarrhaus, eingerichtet. Hatte er hier zu Lebzeiten, weil es die Speisekammer war, eher weniger Zutritt, so darf er heute hier, wie Pfarrer Peter Telschow sagte, "mietfrei" wohnen. Und jeder, der hier zu Besuch kommt, wird anhand der zusammengetragenen Dokumente einen umfassenden Einblick in sein Leben bekommen. "Er ist zurückgekehrt, tun wir alles dafür, dass er gern bleibt", fügte Peter Telschow hinzu und hoffte auf den Erfolg des Rötger-Projektes. "Er soll nicht nur zu Besuch sein, sondern auch ein Stück zu Hause, schließlich ist der Ort, an dem man geboren wird, immer irgendwie der Heimatort."

Das wünschen sich auch Martin und Andreas Rötger, in fünfter Generation direkte Nachfahren des Gotthilf Sebastian Rötger. "Wir sind sehr stolz auf Gotthilf Sebastian und freuen uns, dass an seiner Geburtsstätte so umfassend an ihn erinnert wird", sagte Andreas Rötger, bevor er gemeinsam mit seinem Bruder Martin das symbolische Band zur Ausstellung zerschnitt. Beide steuerten sowohl ein Rezept für den Propstkuchen, den Gotthilf Sebastian Rötger liebte, sowie eine Ahnentafel für die Ausstellung bei. "Es weiß kaum einer, dass sich Gotthilf Sebastian intensiv mit der Ahnenforschung befasst hat", unterstrich Andreas Rötger. Nachfolgende Generationen hätten das fortgesetzt.

Doch wenige von denen, die in der Ahnentafel der Rötgers vermerkt sind, haben wohl solche Ehrung wie Gotthilf Sebastian Rötger erfahren. Neben der Rötger-Stube erinnert seit Sonnabend auch ein riesiger Findling mit einer Gedenktafel an das Wirken des einstigen Klein Germerslebers.

Für die heutigen Dorfbewohner bedeuten diese Mosaik-steine um den Sohn des Ortes aber auch, dass sie einen Schatz gehoben haben: Einen "verborgenen Schatz an der Straße der Romanik". Klein Germersleben ist einer von acht "verborgenen Schätzen" oder auch Erlebnispunkten, den die LAG "Bördeland" in das gleichnamige Projekt mit eingebracht hat, das insgesamt fünf Leader-Aktionsgruppen aus der Börde und dem Harzkreis gemeinsam vorangetrieben haben.

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