Klein Oschersleben l Einmal mehr lockten die Hadmersleber Eisenbahnfreunde am ersten Öffnungswochenende des regionalen Eisenbahnmuseums "Feldmann" mit einem Programm, bei dem die ganze Familie auf ihre Kosten kam.

Große Beachtung fand in jedem Fall die am vergangenen Sonnabend eröffnete Sonderaustellung zum Thema "100 Jahre 1. Weltkrieg". Vereinsmitglied Marion Römmer hatte sich umfassend mit dem Thema beschäftigt.

Auch der Aufruf an die Bevölkerung der Region mit Urkunden, Fotos, Feldpostkarten und dergleichen die Ausstellung zu bereichern, stieß auf offene Ohren. Alte Soldatentornister, Transportkisten, Stiefel, Stahlhelme, Uniformknöpfe und eine -hose konnten zusammengetragen werden. Viele Seiten des Kreisanzeigers aus dieser Zeit hat Marion Römmer durchforstet und ist so auf viele Berichte gestoßen, mit deren Hilfe nachvollzogen werden kann, was die Kriegsjahre für die Soldaten und die Familien in der Heimat bedeuteten. Öffentlich wurden Bestrafungen bekanntgegeben, weil das Mehl für Brot nicht entsprechend der Vorschrift gestreckt wurde. Es wurde zu Spenden aufgerufen. In den Schulen gab es den Aufruf, Obstkerne zu sammeln. Allein vier Millionen Kilogramm waren so in einem Jahr zusammengekommen.

"Liebe Frau, hast du denn die Kartoffeln aufgerodet? Was machen die beiden Kinder?" schrieb der Groß Germersleber Gustav Tiedge am 5. Oktober 1916 an seine Frau. Und weiter ist zu lesen: "Heute als Abendbrot jeder ein Sperling in Butter..." Viele Feldpostkarten sind in den Jahren hin und her gewandert und zeigen, dass die immensen Sorgen und Nöte eher nicht niedergeschrieben wurden sind.

Was die Ausstellung im "Feldmann" so interessant macht, ist die Tatsache, dass hier Geschichten erzählt und Fakten mitgeteilt werden, die sich zwischen 1914 und 1918 vor unserer Haustür abgespielt haben. Viele Bürger aus Klein Oschersleben, Groß Germersleben, Hadmersleben, ja selbst aus Oschersleben und Langenweddingen haben mit ihren Materialien zum Gelingen dieser Ausstellung beigetragen. Eigens für die Schau hatte Marion Römmer auch einen "Kriegskuchen" nach einem Rezept von 1916 gebacken.

Natürlich sind am vergangenen Wochenende auch die Modellbahn-Fans im "Feldmann" voll auf ihre Kosten gekommen. Die Eisenbahnfreunde aus Hadmersleben waren gemeinsam mit ihren "Kollegen" aus Holzminden über die Wintermonate nicht untätig. So gab es auf der großen LGB-Anlage wieder viel Neues zu entdecken. Horst Zürner wies auf die große Windmühle inmitten der Anlage hin. Das Bauwerk wird natürlich von einer Modellbahn umrundet.

Umgestaltet wird der Festplatz regelmäßig. Dieses Mal wurde hier eine Lanz Bulldog-Ausstellung gestaltet. Auf dem "Platz" gibt es auch eine Kino-Vorstellung samt Zuschauer zu entdecken. Wer genauer hingeschaut hat, der wird entdeckt haben, dass schon die "Baustelle" für die Herbstausstellung eingerichtet ist. Wer dann wieder in den "Feldmann" kommt, der kann dann eine Güterabfertigungsanlage in Augenschein nehmen.

Besondere Hingucker waren in jedem Fall die Magdeburger Buddelbahnen von Torsten Gutsche. Große und Kleine kamen aus dem Staunen nicht wieder heraus, wie die Modellbahnanlagen in die unterschiedlich großen Glasbehälter hineinkamen und dann auch noch funktionieren. Seit mehr als einem Jahrzehnt baut der 52-jährige Torsten Gutsche jedes Jahr eine Buddelbahn. "Meine erste Anlage entstand in einem 15-Liter Behälter aus einem Chemielabor. Mit jedem neuen Behälter - der größte fasst 54 Liter und der kleinste ein Liter - werden neue Ideen umgesetzt", meinte der gelernte Lokschlosser.

 

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