Oschersleben l Mit ihrer großen Drehleiter sind Oschersleber Feuerwehrleute auf das ehemalige Eltma-Gelände gekommen. Sie hatten ein großes Metallgitter dabei, mit dem sie einen der beiden Schornsteine abgedeckt haben. Damit sich das nicht wiederholt, was ein paar Tage zuvor passiert war. Denn am Sonntag waren zwei Störche in den besagten Schornstein gefallen, als sie miteinander um das große Storchennest gekämpft haben, das sich gleich nebenan auf einem zweiten Schornstein befindet.

"Jeden Tag blicke ich von meinem Küchenfenster aus auf das Storchennest. Als am Sonntag alles sehr ruhig war, beunruhigte mich das ein wenig", sagt der Anwohner Hans-Dieter Hein, der bereits die Tage davor schon mehrmals Auseinandersetzungen zwischen den beiden Störchen um den Horst beobachtet hatte.

Schließlich nahm Hein eine Leiter, um in eine etwa 2,5 Meter hoch gelegene Schornstein- Öffnung zu schauen. Zunächst entdeckte er nichts, schaute aber gleich noch einmal ganz genau hin. "Plötzlich sah ich zwei völlig verrußte Störche vor mir sitzen", berichtet Hans-Dieter Hein weiter.

Anruf im Storchenhof hat den Rettern geholfen

Zu diesem Zeitpunkt war noch nicht klar, ob sich die beiden Tiere bei ihrem Absturz verletzt hatten. Hinzu stellte sich die Frage, wie die beiden Streithähne aus ihrer misslichen Lage gerettet werden können. Einige Telefonate waren notwendig, um zu erfahren, wie den Tieren geholfen werden kann. Unter anderem hat Hein beim Storchenhof Loburg angerufen. Hier gab es den Tipp, die Weißstörche einzeln mit einer übergeworfenen Decke aus dem Schacht zu befreien. "Aber auch das machte die Sache nicht viel leichter. Erstmal musste jemand gefunden werden, der die Leiter hochsteigt und bei zwei verängstigten Tieren in den Schornstein greift", berichtet Hein.

Schließlich hatte sich Thomas Schweitzer, Mitarbeiter eines auf dem Gelände ansässigen Unternehmens, ein Herz gefasst. "Da hieß es einfach Augen zu und durch. Mit der Decke über dem Kopf waren die Tiere auch erstaunlich ruhig", berichtet Schweitzer. Einzeln hat er die Störche durch die etwa 40 mal 40 Zentimeter große Luke befreit. Was auch deshalb nicht so einfach war, weil die Vögel etwa 60 Zentimeter unterhalb der Öffnung auf Schutt saßen und damit sehr schwer erreichbar waren. Doch am Ende konnten beide Tiere befreit werden und erhoben sich auch sogleich wieder in die Lüfte.

Horst sitzt schon beängstigend schief

Und damit sich ein solches Unglück nicht noch einmal wiederholt, wurde nun die Oschersleber Feuerwehr gerufen. Die Feuerwehrleute haben die Esse mit Hilfe eines Gitters geschlossen.

Für die Zukunft ist zudem geplant, dass der bestehende Horst der Störche auf den Unglücksschornstein versetzt wird. "Der momentan von den Tieren genutzte Schornstein soll abgerissen werden, nachdem die Tiere wieder ins Warme abgeflogen sind. Mittlerweile sitzt das Nest auch schon beängstigend schräg auf", sagt Anwohner Hans-Dieter Hein. Aber auch die Verlagerung des Nestes sei kein leichtes Unterfangen, da Störche ihrem Horst über Jahrzehnte treu bleiben und der Nestbau nie abgeschlossen ist. Aus diesem Grund kann ein Nest auch eine Höhe von mehreren Metern erreichen. "Es bleibt also weiterhin spannend mit unserem brütenden Storchenpaar und dem streitlustigen Nachbarstorch", so Hein.

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