Klein Oschersleben/Groß Germersleben/Hadmersleben. Neugierig stehen die Jungen und Mädchen der Kindertagesstätte "Bodespatzen" samt ihrer Erzieherinnen am Zaun. Sie beobachten die Feuerwehrleute, die seit Montagmittag unermüdlich das Wasser von einer Wiese pumpen, die hinten an das Gelände der Kita grenzt. Noch ist kein Wasser auf das Gelände und auch nicht in das Gebäude gedrungen. Die Klein Oschersleber Kindereinrichtung liegt an einem tiefen Punkt des Ortes und das stetig steigende Wasser trieb nicht nur den Erzieherinnen die Sorgenfalten auf die Stirn. Bürgermeister Dieter Klenke machte sich gemeinsam mit Stadtwehrleiter Bernd Dedecke so seine Gedanken, und so wurde am Montagmittag entschieden: "Wir pumpen!". Zu diesem Zeitpunkt stand das Wasser an der rückwärtigen Außenwand der Kita 54 Zentimeter hoch.

Das Wasser wird hinter den Bahndamm geleitet, da im angrenzenden Park bereits etliche Flächen unter Wasser stehen. Begonnen wurde mit einer Feuerwehr-Pumpe, eine zweite kam später hinzu. Die ganze Nacht wurde gepumpt, stets waren zwei Kameraden vor Ort.

Man versuchte zwischenzeitlich wieder mit nur einer Pumpe auszukommen, doch das reichte nicht, sofort stieg der Wasserspiegel wieder. Dienstagnachmittag sollte sogar ein dritte Pumpe der Feuerwehr hinzukommen. "Die Kindereinrichtung hat für uns oberste Priorität. Es wäre fatal, müsste sie evakuiert werden. Im Gemeindesaal hätten die Kinder keine guten Bedingungen. Wir haben auch durchgerechnet, die Jungen und Mädchen auf andere Einrichtungen zu verteilen, doch die weiteren Wege wollen wir den Eltern nicht zumuten", meinte gestern gegen 11 Uhr Klenke, als er sich noch einmal ein Bild vor Ort machte. Zu diesem Zeitpunkt hatte Dedecke erneut den Wasserstand gemessen. 52 Zentimeter zeigte der Pegel am Zollstock an.

Die Männer sind sich einig: Da der Pegel an der Bode sinkt, wird es sogenanntes Drängwasser sein, was nun die Wiesen rund um den Ort und auch in Groß Germersleben überfluten lässt und in den vergangenen Tagen noch mehr in die Breite gegangen ist. Wie sich das weiter entwickelt, müsse man abwarten, sagten die Experten.

Klenke stellte mit Erleichterung an der Sarre und auch an der Bode in Groß Germersleben fest, dass vor allem die Bode noch eine hohe Fließgeschwindigkeit hat, das Wasser also abläuft. "Auch hier müssen wir mit Blick auf die Saale und Elbe sehen, wie es in den nächsten Tagen weitergeht", sagte Klenke. Er bedankte sich ausdrücklich bei den Kameraden der Feuerwehren auch für die Treibgutkontrollen an den Gewässern und im Namen von Brigitte Bode insbesondere beim Groß Germersleber Sven Borchert, der mit einigen Paletten dafür sorgte, dass die vom Wasser eingeschlossene Hühnerschar von Brigitte Bode trockene Füße behält.

Um 12 Uhr las ein Anwohner den Pegel an der Bodebrücke am Bahnhof Hadmersleben ab. Den Stand von 2,99 Meter gab er sofort an Ort und Stelle per Telefon an das Landesamt für Hochwasserschutz weiter. Alle zwei Stunden komme er ablesen. Bürgermeister Klenke hatte berichtet, dass der Pegelstand von Montagabend bei 3,05 Meter und Dienstagfrüh, 6 Uhr, bei 2,98 gelegen hat.

Froh wird man heute darüber sein, dass der Radweg vom Bahnhof Hadmersleben nach Hadmersleben auf einem Wall liegt, er wäre ansonsten zurzeit nicht nutzbar.

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