Stemmern l Als die Sülzetaler am 25. Mai aufgerufen waren, die Leute zu wählen, die in ihren Ortschaften künftig die Politik bestimmen, blieb Stemmern außen vor. Denn hier hatte sich niemand gefunden, der für den Ortschaftsrat kandidierte.

Doch eine Ortschaft braucht einen Ortschaftsrat, wenn sie eigenständig bleiben möchte. Das unterstrich auch der Bürgermeister der Gemeinde Sülzetal, Jörg Methner, am Dienstagabend auf einer Einwohnerversammlung im Feuerwehrgerätehaus. Eine entsprechende Verfügung durch die Kommunalaufsicht des Landkreises Börde vom 12. Mai legt fest, dass am 21. September eine einzelne Neuwahl des Ortschaftsrates in Stemmern stattzufinden hat.

Die Resonanz auf die Einladung zur Einwohnerversammlung war mit knapp einem Zehntel der Bevölkerung zwar dürftig, aber die Gedanken der Abwesenden gingen in die gleiche Richtung: Die Eigenständigkeit ihres kleinen Örtchens aufzugeben, ist keine Option.

"Wir haben zwei Möglichkeiten, entweder wir haben einen dreiköpfigen Ortschaftsrat oder es findet sich nur einer, der die Funktion des Ortsvorstehers übernimmt", erklärte Methner und sicherte Unterstützung bei der Ausführung der Aufgaben zu. Denn aus dem derzeit 211 Einwohner zählenden Ort kommen erste positive Signale, dass zum Wahltermin im September einige Namen von Stemmeranern auf dem Wahlzettel stehen könnten.

Ortsbürgermeister soll ein Bindeglied darstellen

Mit dabei sind auch die ehemaligen Ortschaftsräte Dirk Schünemann und Ralf Schiller, die allerdings noch einen Mitstreiter suchen, der zukünftig das Amt des Ortsbürgermeisters übernimmt. Auch dafür ist man in Stemmern stark am Rotieren, um eine Lösung zu finden. "Ich sehe den Ortsbürgermeister oder Ortsvorsteher als Bindeglied zwischen dem Bürgermeister der Gemeinde und dem Dorf", unterstrich Jörg Methner auch die Wichtigkeit, die er in dem Amt sieht. Er selbst war, bevor er Bürgermeister in der Gemeinde Sülzetal wurde, lange Zeit selbst Ortsbürgermeister in Altenweddingen.

Im Gespräch mit den anwesenden Einwohnern erkannte er aber auch, dass sich der neue Ortsbürgermeister oder die neue Ortsbürgermeisterin der Unterstützung einer Reihe von Stemmeranern sicher sein könnte. "Es wäre eine schöne Sache, wenn wir mit vielen Kräften etwas für den Ort tun könnten", so Methner.

Fehlt es auch im September noch an einer personellen Spitze für Stemmern, so müsste, wie Jörg Methner es bezeichnete, die Ortschaft aufgegeben werden und sich einer benachbarten Ortschaft angliedern. Ein Blick ein paar Jahre zurück zeigt, dass sich die Stemmeraner erst vor elf Jahren vehement für die Abspaltung von Bahrendorf und für die Eigenständigkeit ihres Ortes eingesetzt haben. Seit 2004 ist Stemmern wieder eigenständig.

Sollte nun aber Stemmern wegen eines fehlenden Ortsoberhauptes zum Beispiel wieder Bahrendorf zugeordnet werden, würde hier eine Ergänzungswahl für den Ortschaftsrat stattfinden müssen. Bei 800 Einwohnern würde der Ortschaftsrat dort aus fünf Personen bestehen. "Ob da dann aber Stemmeraner dabei sind, ist nicht gesagt", gab Marzella Fensky, Sachgebietsleiterin Allgemeine Verwaltung in der Gemeinde Sülzetal, zu bedenken.

Doch daran möchte insbesondere Bürgermeister Jörg Methner erst einmal noch gar nicht denken. "Ich lege Wert darauf, dass Stemmern Stemmern bleibt", erklärte er. Für mögliche Kandidaten, die sich mit ihren Ideen in die Kommunalpolitik in Stemmern einbringen möchte, ist am 28. Juli Bewerbungsschluss. Einzelbewerber, die nicht für eine Partei kandidieren, müssen lediglich zwei Unterstützerunterschriften vorlegen.