Die sanierte Compenius-Reubke-Orgel der Kroppenstedter Martinikirche wird am 13.Juli mit einem Fest wieder eingeweiht. Etwa 200000 Euro hat die Instandsetzung gekostet. Das Instrument ist jetzt unter anderem mit zwei Spieltischen ausgestattet und nicht nur deshalb weltweit einzigartig.

Kroppenstedt l Der Halberstädter Orgelbauer Reinhard Hüfken setzt alles daran, nicht genauso wie sein Vorgänger Esaias Compenius im Gefängnis des Kroppenstedter Rathauses zu landen. Denn dort hatten vor gut 400 Jahren die damaligen Kroppenstedter Ratsherren besagten Esaias Compenius vorübergehend eingesperrt, weil der ihrer Meinung nach viel zu langsam an der Orgel gearbeitet hatte, die sie bei ihm für die Martinikirche in Auftrag gegeben hatten. Ungeachtet dessen, dass Compenius ein berühmter Orgelbauer war.

Dieses Schicksal vor Augen, arbeitet nun Reinhard Hüfken mit seinen Leuten Tag und Nacht in der Martinikirche, um bis zum 13. Juli mit dem Einbau der von ihm sanierten Kirchenorgel fertig zu werden. Denn für den 13. Juli ist ein großes Fest geplant, mit dem das Instrument wieder eingeweiht werden soll.

Was dieser Tage in der Martinikirche passiert, ist so etwas wie der Endspurt eines Projektes, mit dem vor zwölf Jahren begonnen worden ist. Denn als Kroppenstedt im September 2002 mit einer Festveranstaltung an den damals 385. Todestag von Esaias Compenius erinnert hatte, wurde der Wunsch sehr laut, das von Compenius vor 400 Jahren gebaute und Mitte des 19. Jahrhunderts von dem nicht minder berühmten Orgelbauer Adolf Reubke modernisierte Kircheninstrument auf Vordermann zu bringen. Was nicht nur aufgrund des Alters der Orgel erforderlich geworden war. Unter anderem sollten endlich auch die 90 Orgelpfeifen wieder ersetzt werden, die im Jahr 1917 beschlagnahmt und für die Waffenproduktion des Ersten Weltkriegs eingeschmolzen worden waren.

Orgelkommission hat ein Konzept entwickelt

Nach der 2002er Festveranstaltung, die im Übrigen unter Schirmherrschaft des dänischen Königshauses stand, weil Esaias Compenius auch dessen Schlosskirchen-Orgel gebaut hatte, ist eine Orgelkommission gebildet worden, die ein Sanierungskonzept entwickelt hat, "bei dem der Erhalt des historischen Bestandes Compenius-Reubke im Vordergrund stand. Gleich- zeitig sollte jedoch das Einmalige - zwei Orgeln in einer vorzufinden - auch klanglich deutlich werden", wie Gemeindepädagoge Jürgen Vogel damals sagte.

2006 schließlich wurde an einem Orgelwerkstatt-Tag, an dem sich acht Orgelbauer beteiligten, die Realisierbarkeit dieser Idee geprüft. Ein Jahr später hat sich eine Arbeitsgruppe unter Leitung von Jürgen Vogel und der Kulturvereinsvorsitzenden Monika Schmidt formiert. Und diese Arbeitsgruppe hatte sich nicht lange bei der Vorrede aufgehalten, sondern sich sofort das Ziel gesetzt, mit der Rekonstruktion am 6. Mai 2013, also genau 400 Jahre nach der Einweihung, fertig zu sein.

Die Mitglieder waren sich seinerzeit einig, dass sie sich ein sehr anspruchsvolles Ziel gesteckt hatten. Denn diese Orgelsanierung war mit etwa 200000 Euro veranschlagt, sollte doch am Ende nicht nur die Compenius-Orgel wieder so hergerichtet sein, wie sie der Orgelbaumeister den Kroppenstedtern im Jahr 1613 übergeben hatte, sondern auch die 150 Jahre später hinzugekommene Reubke-Orgel. Geplant war zudem, dass nach der Sanierung die Möglichkeit besteht, die beiden Orgeln separat zu spielen. Und nicht zu vergessen sollten auch die 1917 beschlagnahmten 90 Orgelpfeifen ersetzt werden.

Nun wird zwar alles gut ein Jahr später als vorgesehen fertig sein, dafür aber genau so, wie es sich die Arbeitsgruppe vor sieben Jahren vorgenommen hatte. Wobei die Verspätung vor allem der Tatsache geschuldet ist, dass vor der eigentlichen Orgelsanierung zunächst das Kirchendach über dem Instrument erneuert werden musste. Was in den Jahren 2011 bis 2013 für etwa 600000 Euro passiert ist.

Reithufen, das Land, Firmen und Privatspenden

Parallel dazu haben Monika Schmidt und Jürgen Vogel gemeinsam mit ihren Mitstreitern vor allem Geld gesammelt, um die erforderlichen 200000 Euro zusammen zu haben, wenn es losgehen kann. Und das hat bis auf einen noch ausstehenden Restbetrag von knapp 7000 Euro auch geklappt. Die Geldgeber waren zum einen die Kroppenstedter Reithufenstiftung sowie das Land. Aber zudem haben auch zahlreiche Privatpersonen und Firmen für die Orgelsanierung gespendet.

Orgelbauer haben noch zwei Wochen Zeit

Und als klar war, dass es mit dem Geld klappen würde, haben die Kroppenstedter dem Halberstädter Orgelbauer Reinhard Hüfken grünes Licht gegeben. Der hatte bereits vor Beginn der Dacharbeiten große Teile des Instruments ausgebaut und in seine Werkstatt geholt. Wo er dann vor etwa einem Jahr mit den Sanierungsarbeiten begonnen hat. Um nun die Orgel wieder in der Kroppenstedter Kirche aufzubauen. Wofür er jetzt noch zwei Wochen Zeit hat.

In denen Jürgen Vogel und Monika Schmidt sicherlich genauso oft in die Kirche schauen werden, wie sie es schon in den zurückliegenden Tagen getan haben. Und das nicht etwa, um gegebenenfalls schon mal die Gefängniszelle im Rathaus für den Orgelbauer herzurichten, sondern um das mitzuerleben, was sie vor sieben Jahren auf den Weg gebracht und damals in Aussicht gestellt hatten: "Wir lassen nun die restaurierte Compenius-Reubke-Orgel in ihrer klanglichen Gestaltung des 19. Jahrhunderts wieder erklingen und ermöglichen gleichzeitig - von einem zweiten Spieltisch aus - dass die endlich ersetzten und sonst eigentlich stummen Prospektpfeifen in der Stimmung der Compeniuszeit gespielt werden können. So bewahren und würdigen wir den gewachsenen Bestand dieser einmaligen historischen Kirchenorgel und bringen beide großen Meister gemäß den musikalischen Traditionen ihrer Zeit zum Klingen."

Die Möglichkeit, sich davon zu überzeugen, haben die Besucher des Orgelfestes, mit dem das Instrument am 13. Juli wieder eingeweiht wird. Wobei es einen kleinen Vorgeschmack bereits einen Tag zuvor bei einer Hochzeit in der Martinikirche geben wird.

Und auch nach dem 13. Juli soll das Instrument so oft wie möglich zu hören sein. Damit wird sich vor allem ein Freundeskreis beschäftigen, der sich während des Orgelfestes gründen wird, wie Monika Schmidt und Jürgen Vogel ankündigen. Die auch schon ein paar Ideen für die Zeit nach dem Orgelfest haben. "Denkbar ist beispielsweise, einen Kroppenstedter Kultursommer zu veranstalten oder auch hin und wieder zu einer Orgel-Exkursion oder zu einem Orgel-Schmaus einzuladen", so Monika Schmidt und Jürgen Vogel, die jetzt aber nicht nur an das Orgelfest und an spätere Veranstaltungen denken, sondern auch daran, wo sie die noch ausstehenden knapp 7000 Euro herbekommen. In diesem Zusammenhang teilen sie mit, dass für 25 der 90 Orgelpfeifen noch Paten gesucht werden. Sollten sich die finden, dann wäre das Geld zusammen.

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