Selten sieht man Reinhard Falke so sprachlos wie an diesem Juli-Abend im Garten seiner Lebensgefährtin Bärbel Salewski. Mitglieder des Trachten- und Brauchtumsvereins Ummendorf warteten dort überraschend mit Glückwunsch, Ehrung und Geschenken auf - wissend, dass Falke nun seit 20 Jahren als Bürgermeister im Amt ist.

Ummendorf l Vereinsvorsitzende Kerstin Blume hielt aus diesem Anlass eine Rede, rückblickend auf die zwei Dekaden, in denen Reinhard Falke Höhen und Tiefen im kommunalpolitischen Leben der Gemeinde erlebt und erlitten hat. Insgesamt falle die Bilanz positiv aus, stellte Blume fest. Der Gelobte selbst war baff, hatte nicht mit diesem "Überfall" gerechnet.

Falke hatte als Seemann der Deutschen Seereederei alle Weltmeere befahren, bevor er 1991 aus familiären Gründen abmustern musste. Seine Frau war schwer erkrankt, verstarb wenig später. Der Mittdreißiger arbeitete zunächst als Leiter einer ABM-Gruppe, 1992 begann er als Handelsvertreter beim General-Anzeiger. Die Laufbahn im Dienst der Gemeinde begann 1994: "Ich stellte mich zur Bürgermeisterwahl, gewann sie vor einem Mitbewerber mit 63 Prozent und erhielt am 4. Juli die Ernennungsurkunde", blickt er zurück.

In den ersten Jahren seiner Amtszeit entwickelte sich unter Falkes Leitung im Gemeinderat ein Arbeitsstil, bei dem die Abgeordneten der verschiedenen Fraktionen gemeinsam ein Hauptziel verfolgten, nämlich Ummendorf voranzubringen. Hilfreich war den Anfängern in bundesdeutscher Kommunalpolitik dabei besonders der Rat aus der niedersächsischen Partnergemeinde Polle - vor allem auf dem Gebiet der Fördermittelbeschaffung. Während in den Gemeinderäten anderer Orte noch darüber diskutiert wurde, wofür man Fördermittel beantragen könnte, hatten die Ummendorfer ihre Anträge schon in Magdeburg abgegeben. "Wir haben fast nichts ohne Fördermittel realisiert", sagt Falke heute. Anders sei das für den kleinen Ort auch kaum möglich gewesen.

Reinhard Falke weiß, dass er mitunter auch stark polarisiert, dass er es nicht allen Bürgern recht machen kann. Etliche seiner Entscheidungen waren nicht überall im Dorf gut angekommen. "Dass er aber mit seinem Gemeinderat und vielen ehrenamtlich für Ummendorf wirkenden Bürgern große Erfolge errungen hat, ist unumstritten", betonte Kerstin Blume. In schönster Erinnerung bleiben dabei die Goldplakette im 20. Bundeswettbewerb 2001 "Unser Dorf soll schöner werden - unser Dorf hat Zukunft" sowie der "Europäische Dorferneuerungspreis" 2004, zu dessen Verleihung mit zwei Bussen ins große Walsertal nach Österreich gereist wurde. Mit dem Siegerpreis hatte Ummendorf dann auch die Ehre, im September 2006 der Gastgeber zur Verleihung des 9. Europäischen Dorferneuerungspreises zu sein. Delegationen aus zehn Ländern waren damals anwesend.

"Die vielen aktiven Vereine und Organisationen hier" hebt Falke immer wieder als "Grundlage für diese Erfolge" hervor. "Ummendorf hat heute 30 davon und in allen bin ich aktives oder passives Mitglied, in einigen auch noch Vorsitzender." Durch die Fülle an Funktionen komme er auf 1500 ehrenamtliche Termine im Jahr. "Mehr geht nicht. Wenn meine Partnerin da nicht mitziehen würde, wäre das nicht möglich." Beide seien sich in den Anfängen eigentlich am Ratstisch näher gekommen, plaudert Falke aus, und da hätte er von Bärbel Salewski unter dem Tisch so manchen Tritt ans Schienbein bekommen, wenn er zu sehr auf die harte Tour abgewichen war.

Der 57-Jährige, jetzt in der dritten Amtsperiode als Bürgermeister, will sich noch nicht festlegen, ob er zur nächsten Wahl 2015 noch einmal antritt. Er könne sich auch ein Leben ohne Amt vorstellen. Ein Leben ohne seine geliebte Weste und traditionelle Langhaarfrisur dagegen nicht. 20 Westen habe er im Schrank. Und weil der Trachten- und Brauchtumsverein auch darum wusste, gab es für die Westentasche eine Uhr mit der Gravur "20 Jahre Bürgermeister", dazu eine Bürgermeisterkette, an der das Ummendorfer Wappen hängt.