Je nach Gusto kreiert die Wanzleber Künstlerin Kerstin Janßen aus Holzspäne, Kaffeesatz, Sand oder Steinen auf der Leinwand kreative 3D-Effekte. Das Rezept für jene speziell angerührte Spachtelmasse hält die 53-Jährige geheim. 20 Werke ihrer "Naturkunst" sind noch bis Ende August in der Wanzleber Bibliothek ausgestellt.

Wanzleben l Wie viele Tassen Kaffee bereits in ihren phantasievollen Kunstwerken "stecken", kann Kerstin Janßen schwer schätzen. Die Künstlerin schafft aus den gerösteten Resten der feingemahlenen Bohne 3D-Effekte - und zwar mit dem Spachtel auf der Leinwand. "Vor der Atelierarbeit steht das Kaffeetrinken", erklärt die 53-Jährige lachend. Denn am besten lasse sich heißer Kaffeesatz zu jenem strukturgebenden "Kunstbrei" verarbeiten, merkt sie an.

Mit welchen Zusätzen sie das aufgebrühte Kaffeepulver mit wahlweise Holzspänen oder Sand vermengt, um es für die Kunst haltbar und geschmeidig zu bekommen, will sie nicht verraten. "Sekundenkleber ist es jedenfalls nicht, der den ,Teig` zusammenhält", erklärt die fantasievolle Wanzleberin mit einem Augenzwinkern.

Denn erst einmal mit dem Spachtel aufgetragen, gibt Kerstin Janßen der aus Naturmaterialien angerührten Masse mehrere Wochen Zeit, auf der Leinwand zu trocknen. "Erst zum Schluss kommen Pinsel und Farbe ins Spiel", malt sie ihre Arbeitsschritte auf.

Mehr als 60 Kunstwerke sind so schon in ihrem heimischen Atelier, das sie sich in ihrer Küche eingerichtet hat, entstanden. Ein Großteil ihrer Arbeiten, darunter ihr erstes "Kaffeesatz"-Bild auf dem ein Baum in 3D abgebildet ist, sind noch bis Ende August in der Wanzleber Bibliothek während der Öffnungszeiten zu sehen. "Hier hatte ich im September 2010 meine erste Vernissage", erinnert sich Kerstin Janßen gern an ihre Anfänge zurück. Die Malerei als Hobby hat sie für sich vor sechs Jahren entdeckt. Im Stadt- und Bergbaumuseum in Staßfurt feiert die 53-Jährige nun ihre mittlerweile 15. Ausstellung, die hier vom 13. Juli bis 4. September unter dem Titel "Malereien auf Leinwand und Alltagsgegenstände" laufen wird. Dabei wird die Wanzleberin der Öffentlichkeit ihre neuesten 3D-Werke vorstellen.

Ihrer Fantasie ließ sie erstmals 2008 klassisch mit Landschaftsbildern in Öl- und Acryl freien Lauf. "Im Selbststudium habe ich mir dann immer wieder neue Techniken angeeignet, darunter auch das 3D-Design-Experiment mit den verschiedensten Materialien, aktuellen Farben und Kupferstrukturen moderner Art", erzählt die gelernte Fachverkäuferin, die seit 33 Jahren mit ihrem Schatz Armin verheiratet ist. Mit viel Engagement unterstützt der Wanzleber seine Liebste in ihrem kreativen Schaffen, wo er nur kann. "Ich baue die Ausstellungen vor Ort auf und halte bei jeder Eröffnung eine kleine Laudatio", erzählt Armin Janßen, der sich selbst, wie er verrät, ansonsten für einen absoluten "Kunstbanausen" hält.

Im Gegensatz zu Sohnemann Niels. Der 26-Jährige, der von Beruf Tischler ist, habe seine Mutter überhaupt erst auf die Idee gebracht, mit Stoffen aus der Natur zu arbeiten. "Ich hatte mir damals in den Kopf gesetzt, einen Baum samt Rinde auf der Leinwand entstehen zu lassen. Da dieser Wunsch mit Ölfarbe nicht zu realisieren ist, hatte unser Niels dann die zündende Idee, die Rindenstruktur aus Holzspäne zu kreieren."

Die geheimen Zusätze sowie das Mischverhältnis um jene perfekte Baumrinde, habe sie damals etliche Versuche gekostet. "Wichtig ist, dass sich die Masse mit dem Spachtel gut auf die Leinwand auftragen lässt und beim Trocknen keine Risse zieht", erklärt sie. Die Palette an Naturprodukten wird stetig erweitert. Mittlerweile verziert sie ihre modernen Motive auch gern mit Glassteinen, ganz im Stil von Friedensreich Hundertwasser. In der Grünen Zitadelle in Magdeburg hat sie übrigens sowohl 2011 als auch schon 2010 Vernissage gefeiert. Wann und wo sie ihre 16. Ausstellung begehen wird, wird wohl im nächsten Kaffeesatz zu lesen sein.

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