Nach dem Dachstuhlbrand in Hadmersleben werden Stimmen von Einwohnern laut, nach denen es bei den Löscharbeiten Probleme gegeben hat. Demnach hätte das Feuer früher gelöscht werden können. Die Feuerwehr sieht das anders.

Oschersleben l Ein Großaufgebot der Feuerwehr am vergangenen Freitag in Hadmersleben konnte nicht verhindern, dass drei Parteien ihre Wohnungen und teils ihr gesamtes Hab und Gut verlieren. Für einige Augenzeugen und Einwohner Hadmerslebens trägt die Feuerwehr zumindest eine Mitschuld. So werden Vorwürfe laut, nach denen zu wenige Kameraden vor Ort gewesen seien. Außerdem habe es zu lange gedauert, bis genug Wasser für die Löscharbeiten vor Ort war. Auch von Problemen mit Hy- dranten ist zu hören. Und noch eine Vorhaltung macht die Runde: Warum wurde der Pool im Garten hinter dem brennenden Haus mit 40000 Litern Wasser nicht als Löschwasserlieferant genutzt?

"Die Brandbekämpfung in Hadmersleben ist sehr gut abgelaufen."

Einsatzleiter Carsten Loof

Der stellvertretende Stadtwehrleiter Carsten Loof, selbst als Einsatzleiter in Hadmersleben mit vor Ort, kann die Kritik überhaupt nicht nachvollziehen. "Die Brandbekämpfung in Hadmersleben ist sehr gut abgelaufen", betont Loof und bezeichnet die etwaige Nutzung des Pools als "taktisch unsinnig". "Die Schläuche und das schwere Gerät wie Pumpen erst abzuladen, dann durch die Garage in den Garten zu tragen und dort aufzubauen, wäre logistisch viel zu aufwendig gewesen und hätte wertvolle Zeit gekostet", betont der stellvertretende Stadtwehrleiter und fügt hinzu: "Zu keiner, aber auch wirklich zu keiner Zeit hat es Probleme mit der Wasserversorgung gegeben."

Vielmehr sei ein Dachstuhlbrand immer etwas schwerer zu händeln. Hinzu kämen die Gegebenheiten vor Ort wie die enge Bebauung. Loof: "Löscharbeiten an zwei dicht nebeneinander stehenden Häusern sind nie einfach. Hinzu kommt noch die sehr schmale Straße." Dennoch sei der Einsatz wie aus dem Lehrbuch abgelaufen.

Doch auch die Anzahl des Personals sei weit mehr als ausreichend gewesen. "Wir waren mit 40 Kameraden vor Ort. Das muss uns als freiwillige Feuerwehr ersteinmal nachgemacht werden", sagt Loof nicht ohne Stolz. Und wäre die Zahl der Einsatzkräfte tatsächlich nicht ausreichend gewesen, hätte problemlos nachgeordert werden können.

Als das wirklich einzig richtige Problem während der Löscharbeiten benannte Carsten Loof die Photovoltaik-Anlage auf dem Dach des brennenden Hauses. "Die Solar-Anlage produziert so lange Strom, wie Sonnenlicht draufscheint. Wer also den Wasserschlauch draufhält, bekommt leicht einen starken Stromschlag. Hier ist der Gesetzgeber gefragt, nach Lösungen zu suchen und diese dann auch umzusetzen", fordert Loof.

Rückendeckung bekommt der stellvertretende Stadtwehrleiter vom Oschersleber Ordnungsamtschef Gerd Ludwig. "Ich war selbst vor Ort und konnte nichts Kritikwürdiges feststellen. Auf allen Schläuchen war immer Druck. Dass von zwei Drehleitern aus gespritzt werden kann, zeigt doch, dass immer genug Wasser zur Verfügung gestanden hat", betont Ludwig. Als äußerst fragwürdig bezeichnet er die Äußerungen einiger Hadmersleber zu dem Einsatz. "Auch die Feuerwehr im Ort hat mit Personalproblemen zu kämpfen. Anstatt am Straßenrand zu stehen und zuzugucken, wäre es hilfreich für alle, sich selbst in der Feuerwehr zu engagieren", sagt Ludwig.

Zur Brandursache hat die Polizei unterdessen mitgeteilt, dass ein möglicher Defekt vorliegt. "`Möglicher Defekt` deshalb, weil die Ermittlungen in diesem Fall noch nicht abgeschlossen sind. Einige Beweisstücke liegen zur weiteren Untersuchung noch beim Landeskriminalamt. Zumindest von vorsätzlicher Brandstiftung wird derzeit nicht ausgegangen", sagte ein Polizeisprecher gegenüber der Volksstimme.

 

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