Sülzetal (dw/mmt) l Die Planungen zum Bau einer Hähnchenmastanlage bei Stemmern in der Einheitsgemeinde Sülzetal gehen in die nächste Runde - aber auch der Widerstand gegen den Großstall formiert sich weiter. Das Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt als genehmigende Behörde hat einen sogenannten und gesetzmäßig vorgeschriebenen Erörterungstermin innerhalb des Planfeststellungsverfahrens angesetzt.

In dieser Veranstaltung wird über alle kritischen Hinweise gesprochen, die während einer am 7. Juli abgelaufenen Einwendungsfrist vorgebracht wurden. Vom heutigen Dienstag an bis zum 14. August wird dieser Termin in der Eggersdorfer Bördelandhalle stattfinden. Das soll auch Anlass für die Gegner der Hähnchenmast sein, ihren Unmut über das Projekt zum Ausdruck zu bringen. Nach Auskunft des Landesverwaltungsamtes sind 1622 Einwendungen von Bürgern gegen das Projekt eingegangen. "Das ist eine wirklich beeindruckende Anzahl und ich bin stolz auf uns", sagt Gabriele Siegel, Sprecherin der BUND-Ortsgruppe Sülzetal, die aus der Bürgerinitiative "Sauberes Sülzetal" hervorgegangen ist. Die Bürgerinitiative steht im Sülzetal seit Monaten an der Spitze des Protestes gegen den Bau der Hühnermastanlage.

Hans-Jürgen Korn von der Bürgerinitiative gegen die Mastanlage, die sich im Bördeland formiert hat und auch für die Region Einschränkungen befürchtet, sollten die Pläne umgesetzt werden, sagt dazu: "Gegenstand und Zweck des Erörterungstermins ist es, die von Personen und Institutionen rechtzeitig erhobenen Einwände zu erörtern." Der Termin solle also denjenigen, die Einwendungen erhoben haben, die Gelegenheit geben, ihre Kritik zu erläutern. Zunächst sollte er in Altenweddingen stattfinden, nur klein per Anzeige angekündigt. Jetzt hat das Amt den Termin nach Eggersdorf verlegt. "Es ist also noch längst nicht alles entschieden", so Hans-Jürgen Korn.

Problematisch sei aber, dass die Erörterungstermine nicht öffentlich seien, sondern nur offen für solche, die innerhalb der Frist auch Einwendungen gemacht hätten. Aber: "Am Tag des Erörterungstermins kann am Anfang der Veranstaltung ein Antrag auf Zulassung der Öffentlichkeit gestellt werden - bei Zustimmung können dann auch alle anderen Interessierte teilnehmen", erklärt Hans-Jürgen Korn. Deshalb sollten sich Interessierte finden, die den Tag nutzen, mit Personalausweis zur Halle kommen und mit für die Zulassung der Öffentlichkeit plädieren.

Die Gegner der großen Tierzuchtanlage verspüren viel Rückwind, vor allem, weil sich viele innerhalb der Einwendungsfrist gemeldet hätten. "Es hat sich gewaltig was bewegt in Sachen `Kontra Hähnchenmast`" , meint Hans-Jürgen Korn. So hätten viele Bürger ihre Einwendungen verfasst, Ausdruck auch dafür, dass eine Dorfgemeinschaft funktioniere und gemeinsam aktiv werde, meint der Initiator der Protestbewegung. Viele Menschen hätten Nachbarn oder älteren Einwohnern beim Verfassen der Einwendungen geholfen. Auch von den umliegenden Orten seien Protesteinwendungen gekommen, so aus Schönebeck mit seinem Kurortstandort Bad Salzelmen. "So konnte ein Zeichen gesetzt werden, dass solch eine Anlage nicht ins Bördeland und ins Sülzetal gehört."

Für die Stall-Gegner ist das alles Grund genug, die Bürger weiter zu informieren und "Flagge zu zeigen", wie Hans-Jürgen Korn sagt. Rund um den Erörterungstermin wird es eine Protestkundgebung geben. Die Bürgerinitiative aus Bördeland agiert hier gemeinsam mit der Ortsgruppe Sülzetal des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND). Auch BUND-Landesgeschäftsführer Oliver Wendenkampf wird dabei sein und bei der Erörterung die Interessen der Umweltschützer vertreten.

Neben Informationsständen, die über die Risiken der geplanten Hähnchenmastanlage informieren, wird es auch Spiele und Beschäftigungen für Kinder geben: Tauziehen, "Ziehe das traurige Masthähnchen ins grüne Gras", Eierlauf, "Alles rund ums Huhn" und das Basteln von eigenen Protestplakaten. Kinder als Gäste seien also ausdrücklich erwünscht, meinen die Organisatoren. "Weiterhin wollen wir gemeinsam mit den anwesenden Erwachsenen und Kindern vor Ort den größten Protestbrief gestalten und dem Landesverwaltungsamt übergeben", nennt Hans-Jürgen Korn eine Aktion des Tages.

Zum Hintergrund: Die Agrar- und Milchhof GmbH Stemmern mit Geschäftsführer Gerrit Tonkens an der Spitze will auf ihrem Grund und Boden eine Hähnchenmastanlage errichten. Geplant sind sieben Stallgebäude mit insgesamt 350 000 Mastplätzen. Das Planfeststellungsverfahren läuft. Widerstand gibt es dagegen nicht nur im Sülzetal, sondern auch im Bördeland, vor allem im rund drei Kilometer entfernten Welsleben. Die Gegner befürchten, dass man zum einen durch die Tiertransporte in Richtung Autobahn 14 sowie auch durch die Geruchsbelästigung in Welsleben von den angedachten Ställen beeinträchtig werde.