Eine dänische Reise- gruppe hat auf ihrem Weg durch die Bundesrepublik am Montag im Ostalgie-Kabinett Langenweddingen Station gemacht. Erika und Bernd Grüner führten die Gäste aus dem Norden durch die Geschichte der DDR.

Langenweddingen l Elf gestandene Männer aus Dänemark begaben sich auf eine Zeitreise in die DDR-Geschichte. Die Motor- radfahrer aus dem Norden Europas machten am Montag in der Mitte Deutschlands Station. Sie besuchten das Ostalgie-Kabinett der Familie Grüner in Langenweddingen.

An der Spitze der Motorradfahrer aus Dänemark stand der Reiseleiter Henrik Tang, der im vergangenen Jahr bereits mit einer Gruppe das Ostalgie-Kabinett im Sülzetal besuchte. "Ich nenne diese Fahrt Fabrik-Tour", sagte der Hüne aus dem Norden zur Volksstimme. Fabrik-Tour deshalb, weil die Männer zuvor die Fertigungsstätte von Schuberth Helme in Magdeburg besuchten. Nach zwei Tagen Aufenthalt in der Landeshauptstadt führte der Weg der Motorradfahrer nach Langenweddingen in den Landkreis Börde. Von dort aus steuern sie mit ihren Krädern Berlin an, wo sie das Motorradwerk von BMW besichtigen werden. Nach einem dreitägigen Zwischenstopp im Erzgebirge treten sie die Heimfahrt nach Dänemark an.

Etwa 2000 Kilometer werden sie auf ihren Motorrädern bei dieser Fabrik-Tour zurücklegen, kündigte Reiseleiter Tang in Langenweddingen an. Am Sonntag waren sie um 8 Uhr in ihrer Heimat gestartet, um gegen 16.30 Uhr Magdeburg zu erreichen. Der Rausch der Geschwindigkeit stünde dabei nicht im Mittelpunkt des Interesses der Motorradfans. Vielmehr das Genießen der Landschaft, das Kennenlernen von Land und Leuten. Und eben von Sehenswürdigkeiten wie dem wohl in Deutschland einmaligen Ostalgie-Kabinett der Familie Grüner in Langenweddingen.

Erika und Bernd Grüner erwarteten die Gäste aus Dänemark bereits in ihrem Kabinett der DDR-Geschichte, das sie zusammen mit ihrem Sohn Dirk Grüner aufgebaut haben. "Wir wollen in unserem Ostalgie-Kabinett an die DDR erinnern und nicht provozieren", begrüßte Erika Grüner die dänischen Gäste. "Wir sehen das ganz locker", ergänzte ihr Mann Bernd Grüner und zeigte wie zum Beweis auf einen Schutzpolizisten, der Handschellen ganz offen am Gürtel trägt. So seien die Polizisten selbst in der DDR nicht auf Streife gegangen.

Bei ihrem Rundgang durch das Ostalgie-Kabinett lernten die Gäste aus Dänemark die Geschichte der DDR mit all ihren Facetten kennen. Und sie hatten eine Menge zu bestaunen. Zum Beispiel zeigte ihnen Bernd Grüner Geldscheine der Zentralbank der DDR mit einem Wennwert von 200 und 500 Mark. "Diese sind in der DDR nie in den Umlauf gekommen", erklärte Grüner. Die Geldscheine sollten eigentlich in einem Bergwerksstollen im Harz verrotten. Durch verschlungene Weg sind einige der Scheine doch wieder ans Tageslicht gekommen und haben über Sammlertauschwege ihren Weg nach Langenweddingen gefunden.

Viele der mehr als 20000 Ausstellungsstücke, die im Ostalgie-Kabinett in 19 Räumen auf drei Etagen thematisch geordnet zu sehen sind, hat die Familie Grüner auf Flohmärkten, bei Sammlern oder im Internet erworben. Viele davon im Original verpackt und mit dem Preisschild des sozialistischen Einzelhandels versehen. Jetzt, da die private Sammlung nahezu komplett sei, würden dem Kabinett aus der Bevölkerung mehr und mehr Exponate angeboten werden, verdeutlichte Erika Grüner. Vieles davon würde sich jedoch bereits in der Sammlung befinden. Das Ostalgie-Kabinett besteht am 3. Oktober seit zehn Jahren.

 

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