Wanzleben l Zu der vor knapp drei Wochen beim Magdeburger Amtsgericht angemeldeten Stadtwerke-Insolvenz, teilte der vorläufige Insolvenzverwalter Prof. Lucas Flöther gestern mit, dass der Geschäftsbetrieb der Wanzleber Stadtwerke GmbH stabil sei. Er prüfe derzeit die Sanierungsoptionen, um den Geschäftsbetrieb langfristig zu sichern. Mitarbeiter, Gläubiger, Geschäftsführung sowie die Stadt würden den Sanierungskurs unterstützen, sagte er.

"Alle Beteiligten verhalten sich sehr konstruktiv und stehen weiter zum Unternehmen", betonte Flöther. "Die Stadtwerke sind voll funk- tionsfähig, die Versorgung der Bevölkerung ist bis auf Weiteres gesichert." Gleich nach dem Insolvenzantrag hatte Flöther Gespräche mit Vertretern der Stadt und anderen Gläubigern geführt, um die Fortführung des Geschäftsbetriebs sicherzustellen. Für die 18 Mitarbeiter hatte der Anwalt bereits die Vorfinanzierung des Insolvenzgeldes erreicht - Löhne und Gehälter könnten so pünktlich ausgezahlt werden.

Nachdem der Geschäftsbetrieb nun stabilisiert sei, analysiert Flöther mit seinem Team die wirtschaftliche Situation des Unternehmens und deren Sanierungsoptionen. Welcher Weg erfolgversprechender ist - ein Insolvenzplan, eine Art Vergleich mit den Gläubigern, oder eine Investorenlösung - werde sich in den kommenden Wochen zeigen. SPD-Stadträtin Silke Schindler hatte als Mitglied des Aufsichtsrates auf der jüngsten Ratssitzung den Bericht, "inwiefern ein Insolvenzantrag eröffnet wird", für den 30. September angekündigt. "Die Kommune favorisiert einen Insolvenzplan. Andererseits haben auch eine Reihe von branchennahen Investoren, Interesse an einer Übernahme der Stadtwerke signalisiert", merkt der vorläufige Insolvenzverwalter an. "Mehrere Interessenten haben sich bereits gemeldet, was zeigt, dass der Betrieb für Investoren attraktiv ist." Zum Stand der Gespräche wollte Flöther jedoch noch keine Angaben machen, um die Verhandlungen nicht zu gefährden, hieß es.

Ärger um Fernwärme-Bau

Auch der Ärger um die vor Wochen stillgelegte Baustelle in der Wanzleber Schulpromenade scheint vom Tisch: Der für das Wobau-Wohnobjekt geplante Fernwärmeanschluss wurde ad acta gelegt. "Weil wir uns mit der Wohnungsbau- gesellschaft nicht darauf einigen konnten, wer die Kosten für den weiteren Bau des Fernwärmeanschlusses trägt", erläutert Flöther die Entscheidung. Die Wobau, ein Schwesterunternehmen der Stadtwerke, wird die Wärmeversorgung des Mehrfamilienhauses künftig mit einem Gasanschluss sicherstellen. "Wir gehen nun davon aus, dass die Stadt im Zuge einer Ersatzvornahme die Baugruben in der Innenstadt schließen lassen wird", hofft der Rechtsanwalt.