Langenweddingen (mmt) l "Besonders stolz sind wir auf unseren Ausstellungsraum zur Deutschen Reichsbahn. Hier bekommen nicht nur Kinder feuchte Augen, sondern sicher auch der eine oder andere Papa", verspricht DDR-Museums-Mitbegründer Dirk Grüner. Zu sehen gebe es nämlich auch Triebwagen und Lokomotiven des Modelleisenbahn-Herstellers PIKO - nur original mit EVP-Etikett. Für Aufsehen dürften seiner Meinung nach auch die kultigen Sammlerstücke aus der Sportballabteilung sorgen, speziell die des 1. FC Magdeburg sowie die Handball-Ecke mit interessanten Souvenirs aus erfolgreichen SCM-Jahren.

"Die Ausstellungsstücke aus 40 Jahren alter Republik und aus allen Bereichen des Lebens lassen die Besucher in eine längst vergangene DDR-Alltagsgeschichte eintauchen", verspricht Grüner weiter. Seit mehr als zehn Jahren sammeln er und seine Eltern Erika und Bernd typische Ost-Produkte und machen sie seit 2004 auf mittlerweile über drei Etagen und mehr als 300 Quadratmetern der Öffentlichkeit zugänglich. Für ihr Engagement zur Dokumentation von Geschichte erhielten sie im Jahr 2010 sogar die "Ehrennadel des Landes Sachsen-Anhalt".

"Da es nach über zehn Jahren nach der Wende noch kein DDR-Museum in unserer Nähe gab, dachten wir uns, dieses ins Leben rufen zu können", erinnert sich Dirk Grüner. Dass aus dieser Idee, gepaart mit viel Akribie, zeitlicher Hingabe und Enthusiasmus, ein so großes Hobby und damit das einmalige Museum entstehen würde, hätten sich die Grüners bis dahin niemals träumen lassen. In der Anfangszeit haben sie all ihre Fühler ausgestreckt und sämtliche Kollegen, Bekannte und Familienmitglieder aufgerufen, in Kisten, Kellern und auf Böden nach alten Relikten zu suchen, um das Projekt mit DDR-Exponaten zu füllen, erzählen die Drei. Von den etlichen DDR-Einzelstücken hätten Vater, Mutter und Sohn mehr als 50 Prozent teils auf Trödelmärkten und teils über Internet-Auktionshäuser gekauft oder ersteigert. "Jetzt, wo es echt auch eine Platzfrage ist, benötigen wir nur noch wenige Dinge, die über die `Suchliste´ auf unserer Website www.ostalgie-kabinett.com eingesehen werden können", ruft der Ostalgie-Experte zum Mitmachen auf.

"Der Rundgang im Ostalgie-Kabinett beginnt in der Freizeit-, Sport- und Campingabteilung und führt über die Lieblinge des DDR-Fernsehens wie Pittiplatsch und Schnatterinchen zu den Raritäten der Unterhaltungselektronik und ins kleine Kino", verrät der Sammler Grüner. Außerdem zu sehen seien die "gute Stube", eingerichtet mit einem "Import"-Farb-Fernseher der Marke Sanyo zum damaligen EVP-Preis von 6200 Mark und mit originalem Kaufbeleg, ein Fotoatelier, ein Arztzimmer sowie ein originaler DDR-Klassenraum mit dem obligatorischem Erich-Honecker-Bild über der Schultafel.

In der großen Rundfunk- und Fernsehsammlung, die mit über 300 Geräten wohl ihresgleichen sucht, lassen sich die berühmten Fernseher Colormat und Colortron ebenso wiederfinden wie die Erinnerungen an das erste selbst gekaufte Kofferradio oder das damals teure Jugendweihegeschenk. "Auf große Resonanz stößt auch immer wieder unser einmaliger und original-getreuer `Konsum´. Die `Waren des täglichen Bedarfs´ rufen bei vielen Gästen Erinnerungen wach. Über 500 originale Spirituosenflaschen lassen sich hier wiederfinden genau wie ganze Vitrinen mit Nahrungs- und Genussmitteln", beschreibt Dirk Grüner weiter. Auch das Parfüm der Marke "Schwarzer und Blauer Samt", das "Quartett Deo-Spray" oder die Kosmetikwaren der beliebten "Action"-Serie warten darauf, wieder entdeckt zu werden.

Und wer einmal einen Blick ins Grünersche Lichtspieltheater wirft, kann natürlich auf den typischen alten Kino-Klappsitzen Platz nehmen. Mit etwas Glück läuft der Kultklassiker "Nu pagadi - Hase und Wolf". Für die nächste Sonderöffnung am 3. Oktober kündigt Dirk Grüner die Eröffnung der neu entstandenen Eisenbahn-Abteilung an: "Hier wird die `Deutsche Reichsbahn´ mit vielen Exponaten gezeigt nebst einer `PIKO H0-Modelleisenbahnanlage´."

"Viele Tausend Interessierte haben seit der Öffnung unser Museum besucht und unzählige durchweg positive Erfahrungs- und Lobesworte hinterlassen", sagt Dirk Grüner und zeigt stolz die im Museum ausliegenden Gästebücher. "Das macht uns sehr stolz und spornt an, in Zukunft noch besser zu werden, dieses Kulturgut für die Nachwelt aufzubewahren."

Das Ostalgie-Kabinett öffnet wieder am 3. bis 5. Oktober jeweils von 14 bis 18 Uhr. Zusätzliche Besichtigungen und Führungen ab acht Personen sind nach telefonischer Voranmeldung unter 03 92 05/21 48 5 möglich. Der Eintritt ist kostenlos, um eine Spende wird gebeten.