Weitere Mitarbeiter der Bördeklinik in Neindorf sollen ihren Job verlieren. Laut dem Mutterkonzern Helios, zu dem die Einrichtung seit Februar dieses Jahres gehört, sind 14 Kollegen der Speisenversorgung betroffen.

Neindorf l Was der Gewerkschaftsfunktionär Thomas Mühlenberg bereits im Juni befürchtete, scheint sich nun zu bewahrheiten. Nach der Entlassung eines Mitarbeiters hatte der Verdi-Sekretär damals vor weiteren Kündigungen in der Bördeklinik in Neindorf durch den Mutterkonzern, die Helios-Kliniken-Gruppe, gewarnt. Nun sollen weitere 14 Mitarbeiter der Speisenversorgung folgen, die Abteilung geschlossen und ein externer Dienstleister beauftagt werden. Erklärt wird dies in einer Pressemitteilung des Konzerns, die in fetten Lettern kommuniziert, dass bestimmte Service-Leistungen der Kliniken Neindorf, Burg, Zerbst und Gommern von der "Gesundheitsmanagement Elbe-Fläming GmbH" in Gesellschaften der Helios übergeht und niemand seinen Arbeitsplatz verliert. Erst am Ende dieser Mitteilung und thematisch völlig unpassend heißt es dann: "Desweiteren wird zum 31. März 2015 die Speisenversorgung nicht mehr in der Helios Bördeklinik selber erfolgen, sondern über externe Dienstleister."

"Dies bedauern wir sehr. Wir bemühen uns um sozialverträgliche Lösungen für die Betroffenen und bitten um Verständnis für diese aus unternehmerischer Sicht leider notwendigen Entscheidungen", sagte Helios-Sprecherin Nathalie Erdmann gegenüber der Volksstimme. Mit allen Mitarbeitern würden derzeit bereits Gespräche geführt, die Betriebsräte seien informiert worden. Betriebsrätin Ingelore Seitz bedauerte auf Volksstimme-Nachfrage die Entscheidung der Geschäftsführung, war aber für eine weitere Stellungnahme "aus Rücksicht auf das laufende Verfahren" nicht bereit. Offenbar wird derzeit um möglichst sozialverträgliche Lösungen verhandelt.

"Wir fühlen uns darin bestätigt, dass Helios dort, wo wirtschaftlich gespart werden kann, den Rotstift ansetzt - auf Kosten der Mitarbeiter."

Thomas Mühlenberg, Verdi

Thomas Mühlenberg bezeichnete das Vorgehen der Helios-Geschäftsführung unterdessen als Frechheit. "Den betroffenen Mitarbeitern hätte man sogar gesagt, wenn sie sich nicht krankschreiben lassen, würden ihnen 500 Euro zusätzlich zu ihrem Monatsgehalt gezahlt werden", sagte der Verdi-Funktionär. Von weiteren Abfindungszahlungen sei nicht die Rede. Doch laut Mühlenberg würde einem Mitarbeiter, der hier 35 Jahre gearbeitet und etwa 2000 Euro verdient hat, etwa 38000 Euro an Vergütungen zustehen. Vor allem für jene Mitarbeiter gelte es nun, den Rechtsschutz zu vertreten.

Im Übrigen habe seine Gewerkschaft das kommen sehen. "Wir fühlen uns darin bestätigt, dass Helios dort, wo wirtschaftlich gespart werden kann, den Rotstift ansetzt - auf Kosten der Mitarbeiter", sagte Mühlenberg weiter. "Wir haben den Kollegen gesagt, dass wir den rechtlichen Sachverhalt prüfen und für einen Interessenausgleich und angemessenen Sozialplan stehen."

Vor allem kritisierte der Gewerkschaftssekretär das Vorgehen von Helios als Salamitaktik: Scheibchenweise würden erst im Juni und nun im September langgediente Mitarbeiter entlassen. "Für diese muss mit dem Betriebsrat ein Interessenausgleich geschaffen werden", betonte Mühlenberg weiter.

Heliossprecherin Nathalie Erdmannn hat die künftige Zusammenarbeit mit einem externen Dienstleister bestätigt. "Wer das ist, kann ich jedoch noch nicht sagen. Es ist noch nichts spruchreif", sagte Erdmann. Der Dienstleister soll aus der Region sein. Auch zu künftigen Abläufen hinsichtlich der Speisenversorung für Patienten und Angestellte des Klinikums wollte die Sprecherin nichts sagen.

Die Bördeklinik verfügt in fünf Fachabteilungen und zwei Belegabteilungen über 184 Betten. Rund 270 Mitarbeiter versorgen jährlich rund 7000 stationäre Patienten.