Vor dem Verfall gerettet, gehört die von den Eheleuten Graup komplettsanierte Feuerwache heute wohl zu den Postkartenmotiv-Perlen Wanzlebens. Zur 100-Jahr-Feier des Denkmals gewährten sie den unzähligen Gästen einen Einblick in ihre hauseigene Bau-Chronik, die den Titel "Die Geschichte der ,Alten Feuerwache` zur neuen Wohnvilla" trägt.

Wanzleben l "Als die meisten Ende der 1990er Jahre auf Mallorca Ferien gemacht haben, hat mein Walter seinen 14-tägigen Urlaub dafür genutzt, um den alten, zugeschütteten Feuerwehr-Brunnen per Hand auszuheben", erinnert sich Barbara Graup (71), als wäre es gestern gewesen. Als der neue Hausherr damals den Fußboden der ehemaligen Fahrzeughalle sanieren will, klingt es an der Stelle, an der Gäste heute vier Meter in die Tiefe gucken können, verdächtig hohl. "Die städtische Feuerwehrwache war 1914 über dem bereits vorhandenen Brunnen errichtet worden. Die Bauhülle verhinderte, dass der Brunnen einfrieren konnte. Somit stand den Kameraden auch im tiefsten Winter Löschwasser zur Verfügung", erklärt Walter Graup das Baukonzept, der das "Fundstück" per Hand, mit Schippe und Eimer, wieder freilegte.

Heute ziert der gemauerte Brunnen, dessen genaues Alter nicht bekannt ist, aber aus dem 18. Jahrhundert stammen dürfte, die offene Wohnküche der Graups. Ein außergewohnlicher Hingucker und zugleich sinnvolles Wohnelement. Denn das glasklare Wasser, das über der Sohle aktuell drei Meter hoch steht, nutzen die Graups zum Bewässern ihres üppigen Blumen- und Pflanzenmeeres, das die alte Feuerwache rahmt und als grüne innerstädtische Oase erstrahlen lässt. Dass beide einen besonders grünen Daumen haben, verwundert nicht. Schließlich haben beide mit dem "weißen Gold" der Börde ihre Brötchen verdient. Walter Graup nach der Wende als Diplom-Ingenieur für Zuckertechnologie am Nordzuckersitz in Braunschweig, seine Frau bis zur Rente am Klein Wanzleber Standort.

Seit nunmehr 15 Jahren wohnen Barbara und Walter Graup, die sich 1958 an der Mittelschule in Wanzleben kennengelernt und seither nie wieder losgelassen haben, nun schon in der alten Feuerwache. Das Paar hat zwei Töchter und eine Enkelin - Lennie (12) in Dresden, die ihre Ferien stets bei Oma und Opa in Wanz- leben verbringt. "Sie fühlt sich hier pudelwohl und hat schon gemeint, dass sie hier später mal einziehen wird", erklären die stolzen Großeltern, die auch heute noch jede freie Minute in die Pflege des denkmal- geschützten Anwesens stecken.

Nach jahrelangem Leerstand hatten die Eheleute das historische Gebäude 1997 von der Wohnungsbaugesellschaft gekauft und Stück für Stück von oben bis unten saniert. Ein Mammutprojekt, das die beiden Wanzleber mit viel Fleiß stemmten. Im März 1999 konnte das Paar in sein neues Zuhause ziehen. "Allerdings war das Haus zu diesem Zeitpunkt noch immer die reinste Baustelle", merkt Barbara Graup an. 2001 wäre die Modernisierung "des Bollwerkes", das Mitte der 1990er Jahre zum Schandfleck zu verkommen drohte, vollbracht gewesen, berichtete der Bauherr anlässlich der 100-Jahr-Feier der Städtischen Feuerwache, zu der vergangenes Wochenende rund 90 Gäste gekommen waren. Den Kameraden und Mitgliedern des Feuerwehr-Fördervereins, die zum Gelingen des Festes beigetragen haben, sprach der Hausherr seinen Dank aus. Bereits vor 15 Jahren war Walter Graup die Ehrenmitgliedschaft von Wehrleiter Burkhard Wegner verliehen worden. Die Wehr würdigte damit das private Engagement der Eheleute, die das Denkmal aus dem Dorn- röschenschlaf geweckt hatte.

Ihr während der Bauphase angesammeltes Urlaubsdefizit haben die Graups aber mittlerweile wieder ausgleichen können. Die Weltenbummler zieht es seit Jahren immer wieder nach Südamerika. Nach 14 Tagen bräuchten sie dann aber zugegebenermaßen ihren St.-Jacobi-Kirchturm wieder, auf den sie freie Sicht haben, sobald sie das kleine Turmzimmer mit dem fantastischen 360-Grad-Rundum-Blick des ehemaligen Schlauchturms über die Wendeltreppe erklimmen.

 

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