Oschersleben l Nachdem in den Vorjahren vor allem Sicherungsmaßnahmen sowie der Bau des Daches in Angriff genommen worden waren, soll noch in diesem Jahr der Rohbau im Inneren der altehrwürdigen Burg beginnen. "Dafür werden in den Herbstmonaten sogenannte Pfahlgründungen vorgenommen", sagt Thomas Harborth, Geschäftsführer der kommunalen Wohnungsbaugesellschaft Bewos, die die Burg vor einigen Jahren erwarb und nun unter anderem für die Archive von Landkreis und Stadt ausbauen will.

Für die Gründungen werden stählerne Pfähle im Inneren des alten Gebäudes bis in Tiefen von 18 Meter versenkt. "Auf ihnen soll ein Gerüst aufgebaut werden, das sozusagen als Skelett eines neuen Innengebäudes dienen soll", versucht es Harborth möglichst bildlich zu erklären. Die Fassade der Burg dient dann nur noch als schmucke Außenhülle und wird keine tragenden Eigenschaften mehr besitzen. Die alten Decken sollen entfernt und neue in die Rahmen des Skelettes eingebaut werden. "Die werden eine Tragfähigkeit von einer Tonne pro Quadratmeter haben. Für eine Wohnung ist eine Tragfähigkeit von nur 200 Kilogramm vorgeschrieben", macht der Bewos-Chef den Unterschied deutlich.

Im Vorfeld dieser Pfahlgründungen wurden im Sommer bereits Probepfähle eingelassen, jedoch außerhalb der Burg. "Die wurden uns von einem Gutachter empfohlen, weil hier die Bodenbeschaffenheiten am ungünstigsten sind", sagt Harborth weiter. Andreas Becker, Bauleiter für Roharbeiten einer Magdeburg Spezialfirma, macht deutlich, warum das so ist. "An einem in die Wand eingesetzten Dübel wird auch gezogen und gerüttelt, um zu prüfen, wie fest er sitzt. Genau das passiert hier mit den Probepfählen. Wir müssen erst ausprobieren, in welcher Tiefe zum Beispiel die Pfähle die für uns notwendige Tragfähigkeit aufweisen."

Um die rund 100 Stützen im Inneren der Burg in den Boden treiben zu können, musste zudem tonnenweise Material, das einst in den Keller geschüttet wurde, wieder ausgebuddelt und entfernt werden. "Im Sommer sind hier bis zu eineinhalb Meter Geröll, Müll und Bauschutt aus verschiedenen Jahrhunderten abgetragen wurden", sagt Thomas Harborth.

Der Bauforscher Olaf Karlson aus Halle/Saale hat hier einige Entdeckungen gemacht. "Das sogenannte Kellergewölbe aus dem 13. Jahrhundert ist gar kein Kellergewölbe. Das ist an den Lichtschächten zu erkennen, die ursprünglich keine Kellerfenster waren", sagt der Experte. Das heutige Bodenniveau müsse also einst viel tiefer gelegen haben. Außerdem verweist er auf Wände, die in verschiedenen Jahrhunderten entstanden sind - für Laien kaum zu erkennen. So stammen laut Karlson etwa das ebenerdige Geschoss des Nordflügels aus der Spätgotik, also aus dem 16. Jahrhundert. Für einen runden Anbau mit Wendeltreppe, wohl aus dem 17. bis 18. Jahrhundert, seien spätgotische Steine und Baumaterial wiederverwendet worden. Die heute sichtbare Außenfassade stamme aus dem Ende des 19. Jahrhunderts, als die Burg als Speicher genutzt worden ist.

Im Jahr 1205 ist die Burg Oschersleben das erste Mal urkundlich erwähnt worden. Sie dient wohl zur Sicherung eines ehemaligen Übergangs über das Großen Bruch, einst ein Sumpfgebiet. Die Anlage war über Jahrhunderte im Besitz der Bischöfe von Halberstadt. Im Jahr 1545 wurde die Burg im Stile der Renaissance erneuert und erweitert und etwa hundert Jahre später zum Wirtschaftshof. 1896 ist das Schloss bis auf einen bis heute erhaltenen Treppenturm abgetragen und als Speicher neu errichtet worden.

Seit dem Jahr 2010 ist die Bewos mit den Sanierungsarbeiten beschäftigt. In diesem Jahr will das Unternehmen insgesamt rund 1,5 Millionen Euro investieren. Nach Fertigstellung der Sanierungsarbeiten in zwei Jahren stehen voraussichtliche Kosten von 5,2 Millionen Euro zu Buche, von denen 2,4 Millionen Euro aus Fördermitteltöpfen stammen.

 

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