Leben auf dem Dorf kann zuweilen idyllisch sein. Aber gerade, wenn das Dorf keine Einkaufsmöglichkeit hat, wird es für Menschen ohne eigenes Fahrzeug schwierig. Die Volksstimme stellt in einer Serie die noch verbliebenen Möglichkeiten des Einkaufens auf dem Dorf vor. Heute: der Einkaufsladen in Jeetze.

Jeetze l "Ihr Nachbarschaftsladen" steht auf einem Metallschild. Dahinter ein paar Parkplätze. Abseits der Hauptstraße fällt de Kaufhalle in Jeetze nicht unbedingt auf den ersten Blick auf. Wer vor dem flachen Gebäude des ehemaligen Konsums steht, könnte darin eine große Einkaufshalle vermuten. Doch wer den Verkaufsraum betritt, wird überrascht sein, dass er doch überschaubarer ist als ursprünglich angenommen.

Ein paar Regale mit bunten Verpackungen, Dosen und Gläsern, ein Kühlschrank und stapelweise Getränke in der hinteren Ecke. Das ist das Reich von Wilfried Krüger.

Hier hat sich der 56-Jährige Ende 1992 ein eigenes Reich geschaffen. Der ehemalige Konsum wurde im Sommer 1992 geschlossen, erinnert sich Krüger.

Laden hatte anfangs sogar eine Videothek

Er kaufte das Gebäude und machte sich selbstständig. Sein Geschäft noch vor Weihnachten 1992 zu öffnen, war sein Ziel. Und so wurde der Traum am 16. Dezember 1992 Wirklichkeit.

Der Laden war anfangs größer als heute, informiert Wilfried Krüger. Es gab ein breiteres Sortiment an Lebensmitteln und sogar eine Videothek. Doch mit der Zeit ist die Nachfrage gesunken. Etwa 20 bis 30 Kunden bedient Wilfried Krüger pro Tag bei einer Öffnungsdauer von sechs Stunden, auch sonnabends ist für ein paar Stunden geöffnet. Ab und zu beschäftigt er eine Aushilfe.

Die Kundschaft ist weniger geworden, seit in den Nachbarorten Brunau und Fleetmark vor ein paar Jahren ein Discounter geöffnet hat. "Das macht sich bemerkbar", sagt der Jeetzer.

Sein Angebot hat er deshalb angepasst. Der Verkaufsraum ist kleiner, das Sortiment an Lebensmitteln auch, hauptsächlich gibt es sie in abgepackter Form. Frische Ware gibt es kaum, da diese schnell verdirbt, so Krüger. Die meisten seiner Kunden seien hauptsächlich ältere Menschen ohne Transportmöglichkeit. Man kennt sich, tauscht ein paar Neuigkeiten aus. Es ist eben ein "Nachbarschaftsladen".

Bier und Briefmarken sind sehr gefragt

Es kommen aber auch Menschen, die nur schnell etwas unterwegs einkaufen müssen. Meistens kommen sie abends vorbei. Dann sitzen manche von ihnen auf einer Sitzgruppe vor der Tür, um ihr Feierabendbier zu genießen und sich auch mit anderen Leuten zu unterhalten. Ganz nachbarschaftlich eben. Somit ist es wenig verwunderlich, dass das Bier in Jeetze der Verkaufsschlager ist, aber auch andere Getränke und Zigaretten gehen oft über die Ladentheke.

Wilfried Krüger bietet neben den üblichen Haushaltswaren und Lebensmitteln Zusatzservices an. So nimmt er Wäsche für die Reinigung an und verkauft Briefmarken. Das würde von seinen Kunden gut angenommen, sagt er. Denn bis zur nächsten Postfiliale ist es ein weiter Weg. Für den Lebensunterhalt reiche sein Laden allein natürlich nicht aus. Im hinteren Teil des Gebäudes betreibt Krüger eine Gaststätte, die sonntags und zu privaten Anlässen geöffnet wird.

Wie lange er sein Geschäft noch halten kann, weiß Wilfried Krüger nicht. Doch darum macht er sich weniger Gedanken. Solange noch Kunden kommen, sieht er keinen Grund, den kleinen, aber feinen Laden zu schließen.