Mit einem einstimmigen Beschluss hat sich der Ortschaftsrat Langenweddingen für den Erhalt aller drei Grundschulen in der Einheitsgemeinde Sülzetal ausgesprochen. Viele Einwohner verfolgten am Mittwochabend die Sitzung im Bürgerhaus.

Langenweddingen l "Wir brauchen eine Schule vor Ort, wenn unsere Kinder klein sind", sagte am Mittwochabend die Langenweddingerin Claudia Seidemann in der Einwohnerfragestunde der Ortschaftsratssitzung. Und nicht erst dann, wenn sie das Alter haben, um die Ganztagsschule des Sülzetals in Langenweddingen besuchen zu können. Die junge Mutter traf damit die Meinung der vielen Einwohner, die an diesem Abend den Weg zur Sitzung ihres Ortschaftsrates in das Bürgerhaus gefunden hatten. Sie alle wollen sich für den Erhalt ihrer Grundschule in Langenweddingen stark machen.

In ihrer Meinung waren sich die Bürger, unter ihnen viele Eltern von jetzigen oder zukünftigen Grundschülern, einig mit den Mitgliedern des Ortschaftsrates Langenweddingen. "Wir sind für den Erhalt unserer Grundschule, aber nicht auf Kosten der Schul- standorte in Altenweddingen und Osterweddingen", sagte Ortschaftsrat Norbert Dregger (SPD), der für seine Partei auch als Fraktionsvorsitzender im Sülzetal-Gemeinderat sitzt. Deshalb stellte Dregger den Antrag, "der Ortschaftsrat Langenweddingen spricht sich für den Erhalt der drei Grundschulen im Sülzetal aus". Diesem Antrag schloss sich der Ortschaftsrat einstimmig an.

Gemeindeverwaltung soll genaue Zahlen vorlegen

Teil des Dregger-Antrags war ebenso ein Fragenkatalog an die Gemeindeverwaltung zur Zukunft der Grundschulen. "Nur so kann noch in diesem Jahr ein konkreter und mit Zahlen untersetzter Vorschlag zur zukünftigen Schullandschaft vorgelegt werden", sagte der SPD-Politiker. Er meinte damit, dass letztendlich der Gemeinderat darüber zu entscheiden habe, welche der drei Grundschulen in Langenweddingen, Altenweddingen und Osterweddingen auf lange Sicht zu erhalten sei.

Bislang hatte sich der Sozialausschuss des Gemeinderates des Sülzetals dafür ausgesprochen, alle drei Standorte zu erhalten, so lange es das Kultusministerium des Landes Sachsen-Anhalt gestattet. Gleichwohl gibt es eine Empfehlung der Arbeitsgruppe Schulen, die die drei Standorte im Sülzetal untersuchte. Der Arbeitsgruppe gehörten jeweils drei Vertreter aus der Gemeindeverwaltung, aus der Kommunalpolitik und drei Elternvertreter an. In einer Fragebogenaktion holte die Arbeitsgruppe zudem die Meinung von Eltern zukünftiger Grundschüler ein, die über verschiedene Kombinationen von Schulstandorten abstimmten konnten. Die Mehrheit entschied sich für den Erhalt der Grundschulen in Osterweddingen und Altenweddingen sowie die mögliche Schließung in Langenweddingen. Die Arbeitsgruppe will zwar diesem Votum folgen, doch entschieden ist noch nichts. Den Beschluss für den Fortbesand oder die Schließung von Grundschulen hat allein der Sülzetal-Gemeinderat zu fällen. Und diesen Beschluss gibt es noch nicht.

Die Untersuchungstätigkeit der Arbeitsgruppe Schulen zweifelte Dregger an. "Die Arbeitsgruppe Schulen hatte den Auftrag, zwei Vorschläge für die zukünftige Schullandschaft auszuarbeiten. Warum wurde nur ein Vorschlag vorgestellt? Welche Alternative wurden diskutiert und wo ist das dokumentiert?", fragte der SPD-Politiker in dem von ihm erstellten Katalog, den der Ortschaftsrat per Beschluss an die Gemeindeverwaltung stellte.

Langenweddingens Bürgermeisterin Jutta Spurek (Die Linke) bekräftigte den von Dregger aufgestellten Fragenkatalog. Sie habe dem Untersuchungsergebnis der Arbeitsgruppe Schulen damals nicht zustimmen können, "weil ich nicht wusste, was dahinter steht". Um so wichtiger sei die Beantwortung der Fragen, um das Schulproblem lösen zu können. Zumal im Land in der Politik wieder die Debatte über den Erhalt kleinerer Grundschulen entbrannt ist. Die Mindestgröße für Grundschulen im ländlichen Raum sollte nicht auf 80 erhöht werden, sondern bei 60 bleiben. "Wir haben wieder neuen Mut, um für den Erhalt unserer Grundschule zu kämpfen", sagte Jutta Spurek. Frei nach dem Motto "Kurze Wege für kurze Beine".

"Wir müssen kämpfen, es gibt Anzeichen, dass sich hier einiges ändert", sagte CDU-Ortschaftsrat Dr. Josef Kluba. Er sei dafür, mehr Werbung für die Grundschule Langenweddingen unter den Eltern zu machen oder ihnen die Schule bei einem Tag der offenen Tür vorzustellen. "Der persönliche Kontakt ist entscheidend", war er sich sicher.

Schulbezirke sollen aufgehoben werden

Bei der Sitzung des Sozialausschusses der Einheitsgemeinde Sülzetal am kommenden Montag, 6. Oktober, um 19 Uhr im Kellerberatungsraum des Osterweddinger Rathauses soll erstmals der Entwurf der "Satzung über die Aufhebung der Schulbezirke für die Grundschulen in Trägerschaft der Gemeinde Sülzetal" beraten werden. Ziel der Satzung ist es, den Eltern im Sülzetal zu erlauben, ihre Kinder nach Wunsch in Langenweddingen, Altenweddingen oder Osterweddingen einschulen zu lassen. Bislang ist das an den Wohnort der Eltern gebunden.

Viele Langenweddinger haben bei der Ortschaftsratssitzung am Mittwoch bereits ihr Interesse bekundet, diese Sozial- ausschusssitzung Osterweddingen besuchen zu wollen. Da mit einem Ansturm von Bürgern zu rechnen sei, bat Dregger die Verwaltung, den Sitzungsort zu verlegen. Der Beratungsraum im Keller des Rathauses ist einfach zu klein, um die vielen Besucher, die erwartet werden, aufzunehmen.

Die Gemeindeverwaltung des Sülzetals reagierte prompt. Wie es am Donnerstag aus dem Rathaus Osterweddingen hieß, wird die Sitzung des Sozialausschusses am Montag, 6. Oktober, um 19 Uhr ins Bürgerhaus nach Langenweddingen verlegt.

 

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