Reichlich Resonanz - in mehrdeutiger Hinsicht - hat sich am Sonntag beim Festgottesdienst in der Wormsdorfer Paulskirche eingestellt. Die reparierte Rühlmannorgel durchdrang in nun wieder voller Klangfarbe das Gotteshaus, in dem rund 120 Gäste die Wiedereinweihung der Instrumentenkönigin begleiteten und vor allem vielfach Dankbarkeit bekundeten.

Wormsdorf l Er habe eine Königin zerlegen und entführen, sie in- und auswendig kennenlernen dürfen - und nun sei er "derjenige, der sie vielleicht am besten versteht, dafür bin ich überaus dankbar", verlieh Martin Lodahl seinen Gefühlen vor der versammelten Kirchengemeinde Ausdruck. Diese hatte dem Orgelbauer aus Dingelstedt am Huy auch tatkräftig bei der Ausführung seines Auftrags geholfen. Gemeinsam verstand man somit den Erntedankgottesdienst am Sonntag in der Dorfkirche St. Paul, der zugleich Feierstunde für die Wiedereinweihung der Wormsdorfer Rühlmannorgel war, als Genuss.

Den Takt zur Restaurierung vorgegeben hatte im Frühjahr die Zuwendung aus der Stiftung Orgelfonds Magdeburg, womit ein Großteil der veranschlagten 20000 Euro abgedeckt war. "Hinzu kamen großzügige Spenden zahlreicher privater Geldgeber und Sponsoren sowie Eigenmittel der Gemeinde und des Kirchenkreises, so dass Ende März die Arbeiten für die Generalinstandsetzung beginnen konnten", blickte Gemeindekirchenratsvorsitzende Marianne Wipper zurück. "Es war auch dringend nötig, denn der Zahn der Zeit hatte unserer Orgel nach 91 Jahren gehörig zugesetzt." So war das stattliche Instrument von Holzwurm und Zinnpest befallen; einige Töne waren bereits verstummt.

Aktive Unterstützung aus der Kirchengemeinde

Eine anspruchsvolle Aufgabe lag vor der kleinen Manufaktur aus dem Harz. "Wir haben die Orgel buchstäblich in alle Einzelteile zerlegt, haben gereinigt, transportiert, repariert, ersetzt", fasst Martin Lodahl grob zusammen, was ihm und seinen Helfern über Wochen hinweg Detailarbeit und Höchstkonzentration abverlangte. Stets unterstützend zur Seite standen dem Orgelbauer in dieser Phase Horst Überschär und Helmut Schwietzer von der evangelischen Gemeinde Wormsdorf - freiwillig und ehrenamtlich. "Unter allen Helfern und Spendern darf man die beiden ruhig hervorheben", meint Pfarrerin Renate Hirschligau. "Sie haben direkt daran mitgewirkt, dass ein Traum Wirklichkeit wird und stehen somit auch stellvertretend für die Verbundenheit der aktiven Kirchengemeinde mit ihren ideellen Schätzen." Es habe sie in diesem Zusammenhang "auch sehr beeindruckt, dass die Wormsdorfer für die fleißigen Orgelarbeiter gekocht und ihnen immer Mittagessen gebracht haben", so die Pfarrerin.

Nicht minder herausfordernd dann schließlich der zweite Teil der Sanierung: der Wiederaufbau. "Es galt ja nicht nur, die technische Zuverlässigkeit der Orgel wiederherzustellen, sondern natürlich auch die Musikalität, wie sie vom Erbauer einst gedacht war", erklärte Lodahl während des Gottesdienstes. Werner Jankowski, Kantor und Orgelsachverständiger des Kirchenkreises Egeln, attestierte der Werkstatt "vorzügliche Arbeit".Es habe ihn gefreut, "die Generalüberholung der Orgel mit einem kompetenten Partner" zu begleiten. Gleichsam verzückt bespielte Jankowski die Rühlmannschen Register zwischen Begrüßung, Glaubensbekenntnis und Predigt, streute ein heiteres Zwischenstück ein und entfachte beim Abschlusskonzert noch im Laufe des Nachmittags die ganze Bandbreite des Orgelklangs. "Da hat er von zart leise bis kraftvoll bewegend ganz Tolles aus der Orgel herausgeholt", befand Renate Hirschligau.

Orgelklang ist eine Ernte, die Seele und Geist sättigt

Superintendent Matthias Porzelle wusste in seiner Festpredigt den Erntedank mit der Orgeleinweihung zu verweben: "Hier in der Börde haben wir sozusagen allen Grund und Boden zu danken. Und auch der erneuerte Klang der Orgel ist ja eine Ernte - eine Ernte der Liebe zur Musik, der Spendenbereitschaft und des fachlichen Könnens. Es geht also nicht immer nur um Ernte, die den Leib sättigt, sondern auch die Seele und den Geist." Porzelle richtete seinen besonderen Dank an Fritz-Werner Wipper, der 50 Jahre lang den Orgeldienst in Wormsdorf versehen hat und der Einweihung am Sonntag daher auch merklich emotional Teilhabe verlieh.

"Leider ist es ihm aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr möglich, die Orgel zu spielen", sagt Kirchenratsvorsitzende Marianne Wipper, "und das stellt uns vor ein kleines Problem, da zurzeit kein Organist mehr in unserer Gemeinde vorhanden ist. Wir hoffen, dass sich bald wieder jemand findet." Immerhin zähle die Wormsdorfer Kirchengemeinde 195 Mitglieder. "Das sind übrigens 43 Prozent der Einwohner, was im Kirchenkreis den Spitzenwert bedeutet", so Wipper. Ihre größte Hoffnung setzt sie in den Nachwuchs: "Es gibt ein paar Jugendliche, die das Klavierspiel beherrschen." Für sie steht das Angebot von Kantor Jankowski: "Ich bilde euch gern an der Orgel aus, denn das ist meine Aufgabe."

   

Bilder