Zwei junge Nigerianerinnen absolvieren ein achtwöchiges Praktikum bei der Rottmersleber Agrar- gesellschaft. In der Rinder-Bullen-Mastanlage wollen sie Methoden und Technik kennenlernen, um die Viehzucht zu Hause effektiver zu machen.

Rottmersleben l Mit der Forke und einem Lächeln hieven Khairat Bello und Kemi Batatunde den Bullenmist vor den Radlader. "Bei uns zu Hause machen wir fast alles mit der Hand, hier ist alles technisiert, na ja fast alles", erzählt Khairat Bello und zeigt auf die Forke. "Bei uns stehen die Kühe einfach auf der Weide, ziehen übers Land. Und unsere Kühe sind viel kleiner, viel dünner. Um die Qualität des Fleisches kümmert sich keiner. Die Bauern laufen mit dem Vieh zum Markt und verkaufen. Da fragt keiner, wo es herkommt, es ist eben Fleisch", ergänzt Kemi.

Zu Hause, das ist das Bundesland Osun in Nigeria. Mit Osun hat das Land Sachsen-Anhalt ein Partnerschaftsprojekt ins Leben gerufen. Der Gouverneur von Osun hat 2012 die Rottmersleber Agrargesellschaft (AG) besucht. Thomas Seeger, der Vorsitzende der Geschäftsführung der AG "Börde", war mit einer Delegation des Landesbauernverbandes selbst in Nigeria gewesen. "Ein riesiges Land mit enormen Möglichkeiten. Noch ist das Land wegen der Erdölvorkommen reich, importiert aber viele Lebensmittel, von der Milch bis zum Reis. Selbst Diesel wird eingeführt, weil Nigeria keine einzige eigene Raffinerie hat. Unser Partnergouvernement will die Selbstversorgung mit eigenen Lebensmitteln ankurbeln", erzählt Seeger und ergänzt: "Eines Tages wird das Öl enden. Dann könnte das Land ein Problem bekommen. Deshalb unterstützen wir das Projekt `Hilfe zur Selbsthilfe`."

"Eines Tages wird das Öl enden. Dann könnte das Land ein Problem bekommen. Deshalb unterstützen wir das Projekt `Hilfe zur Selbsthilfe`."

Thomas Seeger von der Rottmersleber Agrargesellschaft "Börde"

Der Gouverneur von Osun sucht Seeger zufolge nach Lösungen für die Zukunft, nach entwicklungsfähigen Modellen, die das Land wie die Menschen unabhängiger von teuren Lebensmittelimporten machen. Er baut auf junge Leute. 20 von ihnen sind nun für gut drei Monate nach Sachsen-Anhalt gekommen, haben zunächst an einer Landwirtschaftsschule einen theoretischen Grundkurs absolviert. Auf Rinder haben sich die beiden Praktikantinnen in Rottmersleben spezialisiert.

"Wir versuchen, ihnen einen möglichst breiten Einblick in die Rindermast zu geben. Dabei steht die Vermittlung grundlegender Dinge im Vordergrund. Die Kreisläufe der Viehhaltung, Futteranbau, Wasserhygiene, Nutzung von Gülle als Dünger - all das versuchen wir in einen verständlichen Zusammenhang zu bringen - immer mit Bezug zu Bedingungen in Nigeria. Bekommen die zwei ein Grundverständnis dieses Handelns, dann haben sie viel gewonnen für ihre Heimat. Die Landwirtschaft in Nigeria ist sehr extensiv. Es wird nicht nachhaltig gewirtschaftet. Vieles wird solange genutzt, bis es verbraucht ist - Technik, Böden, Anlagen. Davon haben wir uns beim Besuch dort einen Eindruck machen können", betont Thomas Seeger.

Khairat und Kemi sollen nach ihrem Aufenthalt in Sachsen-Anhalt das erworbene Wissen, ihre Eindrücke an möglichst viele Bauern in Nigeria weitergeben. "Wir schauen hier, welche Empfehlungen wir mitnehmen können, die bei uns auch praktikabel sind, geben etwa Hinweise, welche Technik nützlich ist, welche Anbaumethoden günstig sind und welches Management gut funktioniert", erläutert Khairat. Thomas Seeger nickt und sagt: "Das kriegen wir schon hin."