Die in Wanzleben verfilmte Geschichte vom 9. November 1989 am Berliner Grenzübergang Bornholmer Straße feiert heute um 20.15 Uhr im Ersten Fernsehpremiere. 200 Komparsen aus dem Magdeburger Umland hatten im vergangenen Herbst in der Sarrestadt den Tag des Mauerfalls nachgestellt und wie vor 25 Jahren immer wieder lautstark gefordert - "Macht das Tor auf!"

Wanzleben l Die Bornholmer Straße lag vor mehr als einem Jahr für kurze Zeit in Wanzleben. Für ein Filmprojekt hatten Kulissenbauer den ehemaligen Grenzübergang zwischen Ost- und Westberlin am Rande der Sarrestadt auf dem Firmengelände des alten Getreidehandels 1:1 erstehen lassen. Heute feiert der Mauerfall-Streifen im Ersten um 20.15 Uhr seine Fernsehpremiere. Im Herbst 2013 waren die Außenaufnahmen für den Film in Wanzleben abgedreht worden. Für die berühmte Szene "Macht das Tor auf! Wir kommen wieder" rund um den Schlagbaum nebst Kontrollhäuschen hatte die Filmcrew 700 Komparsen aus dem Magdeburger Umland gesucht, 200 gefunden und jene gemeinsam am 27. September 2013 an der Bornholmer Straße auflaufen lassen. Auch sie werden heute Abend ganz sicher vor dem Fernseher sitzen.

Auf die TV-Erstausstrahlung freut sich auch schon Wanzlebens Ortsbürgermeister Tino Bauer. Er hat daheim bereits die Filmaufnahme aktiviert. "Ich kann den Film erst später gucken, weil ich heute Abend noch zur Ortschaftsratssitzung muss", erklärt der Ortschef und weiter, "einerseits bin ich auf die Darstellung der historischen Abläufe gespannt, anderseits als Wanzleber auch darauf, ob das Gelände auf dem der Film gedreht wurde, zu erkennen ist." Persönlich habe er die Dreharbeiten im September 2013 nur am Rande verfolgen können, erinnert er sich.

Der Filmkalender steht heute Abend auf dem 9. November 1989. Die legendäre Pressekonferenz mit Günter Schabowski und seiner Ankündigung "Privatreisen nach dem Ausland können ab sofort ohne Vorliegen von Voraussetzungen beantragt werden ..." ist gerade vorbei. Nur kurz danach stehen die ersten Ostberliner am Grenzübergang Bornholmer Straße, wollen in den Westen. Für die Passkontrolleure des Ministeriums für Staatssicherheit beginnen dramatische Stunden. Befehle bleiben aus, wie sollen sie handeln? Oberstleutnant Harald Schäfer entscheidet irgendwann, die Tore in Richtung Westen zu öffnen. Er ist der Held in dem Film, die einzig authentische Gestalt, während alle anderen der Fantasie entspringen. Gespielt von Charly Hübner, steht der unter gewaltigem Druck. An die 200 Komparsen - ingesamt wirkten an die 1600 mit - haben den Schlagbaum erreicht. Pausenlos rufen sie: "Macht das Tor auf. Wir kommen wieder." Im Kontrollhäuschen brüllt der Offizier seine Vorgesetzten durch das Telefon an. "Hören Sie nur", sagt er und hält den grauen Hörer aus der kleinen Sprechklappe ins Freie. Die anderen Posten versuchen, die Menschenmassen zu beruhigen. Hilflosigkeit macht sich breit. Auch gerade deshalb nennt Charly Hübner die Rolle "wunderbar". Für sie habe er nicht nur mit dem einstigen Passkontrolleur lange gesprochen. "Der Zuschauer verlangt nach Authentizität. Das war für mich eine sportliche Herausforderung. Ich wollte die Sprache der Zeit aufgreifen, die allein durch Formulierungen und Tonlage für sich spricht", erklärt er seine Vorbereitung auf die Tragikomödie.

Bevor es die Filmemacher nach dem Dreh in Wanzleben zurück nach Berlin zog, entstanden in authentischer Kulisse übrigens weitere Szenen am einstigen Grenzübergang Marienborn.

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