Die Liebe zur Handarbeit bringt Frauen aus Ost und West regelmäßig zueinander. Mindestens zweimal im Jahr treffen sie sich um gemeinsam zu sticken, zu stricken oder wie am vergangenen Wochenende Achatscheiben zu verarbeiten.

Morsleben l 25 Jahre nach dem Ereignis, das ihr Treffen möglich gemacht hatte, saßen Frauen aus Sachsen-Anhalt und Niedersachsen zusammen, um ihrem Hobby zu frönen. Sie kamen aus Magdeburg und Braunschweig, aus Möser und Velpke, aus Lostau und Helmstedt, aus Hornhausen und Wolfsburg, aus Morsleben und Königslutter. Ihre Leidenschaft sind Handarbeiten, Textilkunst in allen Varianten. "Zum 28. Mal treffen wir uns hier zu einem Workshop", erzählt Kursleiterin Hildegard Ebel, die in Morsleben zu Hause ist. Angefangen hatten diese Treffen nach der Jahrtausendwende. Da war Barbara Fiedler aus Königslutter bei einer Weihnachtsausstellung in Beendorf zufällig Hildegard Ebel begegnet.

Die Morsleberin zeigte ihre Textilarbeiten wie die von ihr entwickelte Morsleber Stickerei, hatte auch viele Arbeiten mit, in denen sie Achatscheiben verarbeitet hatte, und Barbara Fiedler war begeistert. "Da habe ich zum ersten Mal was von Sprang gehört", blickt sie zurück. Sie kam mit anderen Frauen wieder und das erste Treffen wurde verabredet. Seitdem sind die Kontakte nicht mehr abgerissen. Mindestens zweimal im Jahr gibt es Workshops im Info-Haus des Endlagers Morsleben, seit ein paar Jahren noch zusätzlich einen Textilkunsttag, den das Europäische Frauenkulturmuseum Königslutter hier ausrichtet.

In diesen Workshops stellt Hildegard Ebel spezielle Textiltechniken vor, bereitet Musterarbeiten vor. Natürlich die Morsleber Stickerei, aber auch Nadelspitze, Sonnenspitze, Sprang, Hexenstich, Weben, Tüllarbeiten, Klosterstich, Kettenstich und Fensterbilder waren bereits Thema. "Wir haben das alle sehr genossen, dass wir uns so zusammengefunden haben", erinnert sich Hildegard Ebel. "Da konnten wir auch was geben." Schließlich hat die Morsleberin über Jahrzehnte neben ihrer Arbeit in einer Förderklasse in Magdeburg Textiltechniken in verschiedensten Varianten erlernt und hat auch zu Hause Textilzirkel geleitet. Zwei Zirkel bestehen bis heute.

Am vergangenen Wochenende drehte sich alles um den Lagnettenstich. Hildegard Ebel hatte Musterblätter vorbereitet und Mustertücher. Nach den Einführungsarbeiten bekamen alle Frauen ein Stück Stoff mit einem durchscheinenden Stück Hanfgewebe. Das hatte die Kursleiterin aus Dämmstoff aus dem Baumarkt herausgelöst, gestärkt und gebügelt. Darauf wurde dann Hanfschnur nach Belieben gelegt und mit weiteren kleinen Dingen wie Muscheln, Holzscheiben oder Steinen aufgestickt. Fantasie war gefragt. Zwischendurch zauberten die Frauen mit ein paar Stichen Mini-Tannen auf Weihnachtskarten.

Einige Frauen hatten auch Arbeiten, mit denen sie sich gerade beschäftigen, mitgebracht, auch Ergebnisse vom Workshop Anfang des Jahres. Und viel zu erzählen hatten sie sich auch. Heidrun Gruschka aus Hornhausen, die auch wie Hildegard Ebel in einer Förderklasse in Magdeburg Textilkunst erlernt und sie in Zirkeln im Kreiskabinett für Kulturarbeit Oschersleben weitergegeben hatte, bedauert, dass es heute weniger Kurse gibt. Diese Erfahrung teilt sie mit Ina Fricke aus Lostau, die auch jahrelang Zirkel geleitet hat. Barbara Fiedler aus Königslutter, die das Frauenkulturmuseum dort mit aufgebaut hat, erzählte, dass sich zwei Schulen an sie gewandt hatten. Ob sie nicht einmal in der Woche in die Schule kommen könnte, um den Kindern das Häkeln beizubringen, wurde sie gefragt. Viele Kinder hätten Probleme mit der Feinmotorik. Sie hatte schon einmal einen Kurs mit Kindern gemacht und auch die Kinder hatten Spaß dabei, erzählt sie.

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