Seit der vergangenen Woche werden die Wassergräben in Oschersleben instand gesetzt. "Ziel der Arbeiten ist der ungehinderte Abfluss", sagte der Geschäftsführer des zuständigen Unterhaltungsverbandes "Großer Graben", Uwe Neumann.

Oschersleben l Volksstimme-Leser Klaus Sbrzesni hatte in der vergangenen Woche auf den schlechten Zustand des Fillergrabens im Westen Oscherslebens aufmerksam gemacht. "Das Wasser fließt kaum noch in den Großen Graben ab. Außerdem hat es sich milchig verfärbt", sagte der Oschersleber und erinnerte daran, dass es vor fast genau zwei Jahren hier schon einmal genauso aussah. Damals berichtete die Volksstimme und leitete den Hinweis an den zuständigen Unterhaltungsverband "Großer Graben" weiter. Dessen Geschäftsführer Uwe Neumann hatte damals den Fillergraben sofort inspiziert, eine Verstopfung festgestellt und diese beheben lassen.

Laubeinfall ist aktuell besonders hoch

Auch dieses Mal hat die Redaktion die Bedenken des Lesers an den Verbandschef weitergeleitet und er hat wiederum Entwarnung gegeben. "Ein Mitarbeiter ist gerade draußen und nimmt sich den Fillergraben bereits vor", erklärte Neumann am Telefon. Ein Vor-Ort-Termin am Donnerstag machte eine immer wiederkehrende Problematik deutlich. "Das ist jedes Jahr dasselbe: Das gesamte Jahr über fallen Äste und Zweige hinein und im Herbst insbesondere Laub. Auch Schmutz wird über die Regenwasserzuflüsse eingetragen. Das hindert das Gewässer daran, frei zu fließen. Dadurch entsteht Fäulnis und führt zu dieser milchigen Verfärbung", erklärt der studierte Wasserwirtschaftler. Doch giftig sei es deswegen nicht. Überhaupt sei die Qualität der Gewässer im gesamten Verbandsgebiet sehr gut und nicht von giftigen Schadstoffen belastet.

"Allerdings handelt es sich beim Fillergraben von Hause aus nicht um ein typisches Fischgewässer", betont Uwe Neumann. Dafür fehle dem künstlich zur Entwässerung angelegten Graben die natürliche Kiesschicht an seinem Grund. Dieser sei - ganz im Gegenteil - viel zu faulig.

Doch seit wenigen Tagen fließt es wieder im gesamten Fillergraben. Seit Montag sorgen Kollegen mit einem Bagger und einer drei Meter breiten Schaufel für Freiheit. Nicht nur die Böschung wird gemäht, sondern auch die Sohle, also der Grund des Gewässers, von Schlamm und größeren Hindernissen befreit. "Das sorgt für einen niedrigeren Wasserstand und schnellere Fließgeschwindigkeiten", erklärt der Geschäftsführer.

Für den letzten Kilometer ganz im Westen des Stadtgebietes ist der sogenannte Gewässerunterhaltungsarbeiter Reinhard Ziegler zuständig. Er nutzt einen Bagger, an dem ein drei Meter langer Korb samt Mähwerk angebracht ist. Dieser letzte Abschnitt wird von großen Pappeln gesäumt. "Hier ist der Laubeintrag in den Graben besonders hoch. Deshalb fällt viel von diesem Schlamm hier an", erzählt der erfahrene Mitarbeiter und zeigt schmunzelnd auf den übel riechenden Aushub. Dieser ist nun entlang des gesamten Fillergrabens zu finden und zeugt von den Unterhaltungsarbeiten der vergangenen Tage.

Doch nicht nur hier wird schwer gearbeitet. Auch am Schweinsgraben im Gewerbegebiet Am Pfefferbach ist ein Mitarbeiter dabei, für einen freien Abfluss zu sorgen. "Insgesamt kümmern sich im Moment zwei Mitarbeiter um die Gewässer in Oschersleben. Die werden einmal im Jahr gesäubert, sind turnusmäßig also gerade sowieso dran. Das betrifft natürlich auch den Fillergraben", erläutert Uwe Neumann und betont: "Mehr ist aufgrund der Personalsituation einfach nicht drin."

Insgesamt seien im Unterhaltungsverband zehn Mitarbeiter beschäftigt. "Davon sind sechs immer draußen, vor allem im Sommer", erzählt Neumann.

Der Zuständigkeitsbereich seines Betriebes ertreckt sich von Harbke im Norden bis nach Heudeber im Süden sowie von Veltheim im Westen bis nach Oschersleben im Osten. "Für alles, was in den Großen Graben fließt, sind wir verantwortlich. Das sind immerhin fast 1100 Kilometer Gewässer und eine Fläche von sage und schreibe über 60000 Hektar. Die müssen mit nur sechs bis sieben Leuten erst einmal bewirtschaftet werden", gibt der Verbandschef zu bedenken.

Verband finanziert sich aus Beiträgen

Dazu gehörten nicht nur Staubeseitigung, Mähen und Sohlepflege, sondern auch Müllbeseitigung, Gehölzpflege, Sägearbeiten, Wildwuchsbeseitigung und die Reinigung von Schlammfängen. "Alle Arbeiten dienen nur dem einem Ziel, nämlich der schadlosen Wasserabführung und der Verhinderung von Überschwemmungen", erklärt Geschäftsführer Uwe Neumann.

Finanziert wird der Unterhaltungsverband übrigens aus den Beiträgen, die anliegende Grundstückeigentümer und Acker- oder Waldbesitzer an die Kommunen zahlen müssen. Als Mitgliedsgemeinden des Verbandes müssen diese die Gelder wiederum als Beiträge an den Verband leisten. "Mittel wie Fördergelder oder gar Subventionen aus öffentlichen Töpfen erhalten wir nicht", hebt Neumann hervor.

 

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