Die Behördenposse um die Gruß- und Gedenk- tafel "Sommerschenburg seit 1088" nimmt ein versöhnliches Ende. Das Land hat letztlich eingelenkt. Anfang Dezember soll das Holzgestell am alten Platz wieder montiert werden.

Sommerschenburg l Laut und lange hat der Amtsschimmel gewiehert, doch nun zieht Vernunft den Schlussstrich unter diesen grotesken Schildbürgerstreich. Die handgearbeitete Ortstafel darf auf ihren Standort an der Gneisenaustraße zurückkehren. Die Landesstraßenbauverwaltung hat die Genehmigung dafür fest zugesagt, wie Sommersdorfs Kulturausschussvorsitzender Eckehart Beichler in dieser Woche mitteilte. Vorausgegangen waren dem an sich simplen Ansinnen mehrfache Ablehnungen, ausgeschlagene Bitten um eine Besichtigung vor Ort, Hilfesuche beim Landkreis und bei Landtagsabgeordneten sowie eine Unterschriftensammlung nebst geplanter Eingabe beim Petitionsausschuss des Landtags.

Klassischer Fall von Kanonen auf Spatzen - aber die erste Salve hatte die Behörde abgefeuert. Die erkannte in der Tafel plötzlich nämlich ein sicherheitsgefährdendes Verkehrshindernis und obendrein ein reines Reklameschild mit überholter Botschaft. Also erging pflichtbewusst der hoheitliche Bescheid an die Gemeinde, den hölzernen Störfaktor vom Grund und Boden des Landes Sachsen-Anhalt zu entfernen. Hintergrund dessen: Die Straßenbauverwaltung hatte die Aufstellung lediglich für die Dauer eines Jahres, des Kulturjahres Sommerschenburg 2013, genehmigt. Freilich stellte die Tafel in diesem Zeitraum keine potenzielle Gefahr dar.

"Darüber hinaus gab es schlichtweg Missverständnisse beim Antragsverfahren", erklärt Eckehart Beichler. "Das Schild war natürlich von Anfang als langfristiges Erinnerungsobjekt gedacht, und mit etwas gutem Willen wäre selbst die nachträgliche Legalisierung reine Formsache gewesen." Denkste. Gut ein Jahr nach der feierlichen Enthüllung im Mai 2013 war eine ebenfalls befristete Verlängerung der Genehmigung das Höchstmaß an Zugeständnissen der Behörde. Die von der Tafel ausgestrahlte Gefahr muss dermaßen groß und die "Werbung" darauf so veraltet gewesen sein, dass man es nicht einmal für ratsam erachtete, sich die Sache direkt vor Ort anzusehen. "Eigentlich war da ein Punkt erreicht, an dem man kopfschüttelnd resigniert und auf Bürgerverdrossenheit umschaltet", meint Eckehart Beichler, "aber es ist gut, dass es in diesem Fall doch anders lief."

Die Gemeindeverantwortlichen gaben nicht auf, bereiteten auf Empfehlung ihrer Landtagsvertreter ein Schreiben an den Petitionsausschuss vor - und schon regte sich etwas. "Wir mussten den langen amtlichen Weg über den Ausschuss gar nicht mehr gehen", atmet Beichler auf. Die Kunde von der Petition erreichte die Behörde, in der sich zwischenzeitlich auch die personellen Verantwortlichkeiten für die Pottburger Angelegenheit geändert hatten. Es kam zur Annäherung und zum Kompromiss.

"Ganz schnell", so Beichler. Bürokratisch zwar, doch mit Happy End: Der Ortsbesichtigung folgte eine Grundsatzübereinkunft zwischen Straßenbauamt, Landkreis und Verbandsgemeinde, dann ein neuer Antrag, verbunden mit einer Nutzungsvereinbarung für den Grund und Boden, fertig. So einfach geht`s ...

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