Die Weltgeschichte der Schrift, des Buches und des Lesens sind am Mittwoch Thema eines Projekttages für Schüler des Börde-Gymnasiums und der Sekundarschule Wanzleben gewesen. Die Stadt- und Kreisbibliothek bot dafür den perfekten Rahmen.

Wanzleben l Als Referent für die Sechstklässler beider Schulen wurde Olaf Thomsen gewonnen. Der Autor gestaltete den Exkurs auf höchst anschauliche Weise und weckte Aufmerksamkeit und Interesse bei seinem jungen Publikum.

Zur Veranstaltung hatte Olaf Thomsen zahlreiche Exponate aus ganz unterschiedlichen Kulturen der Welt im Gepäck, die die Schüler auch in die Hand nehmen durften. Auf einem großen Tisch waren Papyrusrollen aus Ägypten, gehämmerte Baumrinde - das sogenannte Amatepapier - der Maya, ein Buch aus Kaffeepflanzen aus Costa Rica oder auch Bananen- und Mangopapier aus Afrika ausgebreitet. Die Schüler erfuhren, dass vor 200 Jahren Bücher gedruckt wurden, deren Papier noch aus Lumpen hergestellt wurde. Olaf Thomsen verriet, dass das frühe China Papier aus dem Maulbeerbaum gewann, die Herstellungsweise aber für sich behielt. Erst im 8. Jahrhundert gelang es Arabern, dieses streng gehütete Geheimnis zu lüften.

Thomsen lieferte zahlreiche Beispiele, wie frühe Schriften entstanden und festgehalten wurden. "Die ersten Zeichen wurden auf Kerbhölzern, Tierknochen oder Fellen hinterlassen. Auch Schildkrötenpanzer, Bambus-, Ton- oder Wachstafeln bis hin zu Papyrus und Pergament wurden als Träger für Schriftzeichen verwendet." Im Frage-Antwort-Modus wurde geklärt, wie Papyrus, Pergament und schlussendlich Papier hergestellt wurden oder wie die ersten Schreib- und Leseversuche aussahen.

"Forscher sind auch heute noch auf der Suche nach Schriftzeugnissen der Vergangenheit. So sind spektakuläre Funde durchaus möglich", erzählte Olaf Thomsen. "Viele alte Dokumente der letzten 5000 Jahre sind allerdings verloren gegangen. Dann aber wurde zum Beispiel in einem versunkenen Schiff das älteste Notizbuch der Welt gefunden."

Dass Bücherskorpione tatsächlich kleine Tiere sind, die in Bibliotheken oder Museen auftreten, war für die Schüler ebenso aufschlussreich wie die Tatsache, dass Leseratten nichts mit Tieren gemein haben. Sie sind Personen, die gern und viel lesen, wie Thomsen verriet. Festzustellen bleibt: Was früher auf Pergament, Papyrus oder noch älteren Schriftträgern niedergeschrieben wurde, ist heute in der technisierten Welt nur noch einen Mausklick weit entfernt.

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