Hohendodeleben l "Jetzt muss man mit 70 nochmal von vorn anfangen", sagt Otto Wendlandt und immer wieder kommen ihm die Tränen, wenn er an den 6. November zurückdenkt. Ein technischer Defekt an einem Steuerungsteil der Heizungsanlage hatte einen Brand im Keller seines Hauses ausgelöst. Otto Wendlandt war trotz aller Feuerwehrerfahrung machtlos.

Ihm und seiner Frau Marion (69) blieb nur die Flucht nach draußen, nachdem Otto Wendlandt kurz vor 5.30 Uhr durch ein Kratzen im Hals wach wurde. Er roch den beißenden Qualm, der schon bis ins Obergeschoss des Hauses vorgedrungen war.

Minuten entschieden über Leben und Tod


Das Licht der Stehlampe neben dem Sofa, auf dem er geschlafen hatte, konnte er schon nicht mehr sehen. Seine Frau im Zimmer nebenan hatte schon soviel des beißenden Qualms eingeatmet, dass sie am liebsten liegengeblieben wäre. "Es waren sicher nur noch Minuten, die über Leben und Tod entschieden haben", vermutet Otto Wendlandt.

Von der Straße aus beobachteten sie fassungslos, wie die Kameraden der Feuerwehr versuchten, ihr Hab und Gut zu retten. Es war ein Einsatz, den die Feuerwehr Hohendodeleben als "Kleinbrand" in ihrer Einsatzstatistik aufführt. Als Einsatzleiter hatte Ortswehrleiter Jörg Drebenstedt den Brandort schnell im Keller lokalisiert. Die Kameraden Sven Drebenstedt und Olaf Hassmann löschten daraufhin den nur noch schwelenden Brand mit einem Kleinlöschgerät.

Die Feuerwehr war schnell vor Ort - auch die Feuerwehrleute aus Domersleben und Wanzleben, die nach Alarm- und Ausrückeordnung gleich mit alarmiert werden, aber wieder abrücken konnten. Auch deshalb fühlen sich Marion und Otto Wendlandt Jörg Drebenstedt und seiner Frau Andrea zu großem Dank verpflichtet. Anstatt über den Notruf 112 die Feuerwehr zu rufen, wählten Wendlandts in ihrer Aufregung die Nummer von Drebenstedts. Andrea Drebenstedt, die als Brandschutzerzieherin in der Stadt Wanzleben - Börde tätig ist, informierte dann die Leitstelle. Doch damit sind wertvolle Minuten vergangen, die bei Bränden entscheidend sein können. "Wie oft rede ich über den Notruf und ich weise auch immer wieder darauf hin, dass dieser im Ernstfall kostenlos ist", sagt sie.

Haus war unbewohnbar

Der Einsatz war in nicht einmal einer Stunde erledigt, doch Marion und Otto Wendlandt standen in ihrem Drama erst am Anfang. Obwohl die Feuerwehr den Lüfter eingesetzt hatte, um den Rauch aus dem Haus zu drängen, war das nicht mehr bewohnbar. Klebriger Kunststoff, so erklären es erfahrene Feuerwehrleute, hat sich wie Spinnweben, überall abgesetzt. 311 eingeweckte Konserven und eine große Menge Kartoffeln waren reif für den Müll. Das Haus muss einer Spezialreinigung unterzogen und renoviert werden. "Und es werden Rauchmelder an die Decken kommen", ist sich Otto Wendlandt sicher. Die hätten sie vielleicht auch diesmal schon eher geweckt, als die Gefahr für Leib und Leben noch nicht so groß war.

Die ersten drei Tage fanden Wendlandts ein Obdach im örtlichen Feuerwehrhaus. Danach war Nachbar Jordano Herbst für sie da, in dessen Haus sie eine leerstehende, möblierte Wohnung beziehen konnten. Marion und Otto Wendlandt empfinden dafür ebenso tiefe Dankbarkeit, auch wenn es schwer ist, vom Fenster aus tagtäglich auf das eigene Haus zu sehen und an das Schicksal erinnert zu werden. Vorerst bleibt ihnen das Abwarten, bis die Versicherung alles erledigt hat und die Sanierung des Hauses abgeschlossen ist. Dennoch sind da immer einige Leute, die ihnen zur Seite stehen und die Hoffnung wachhalten, dass alles wieder gut wird.