Oschersleben l Diese Nachricht hatte sich über das Wochenende wie ein Lauffeuer verbreitet und am Montagmorgen war es längst "rum" in Oschersleben: Andrea Hasselmann zieht die Konsequenzen aus dem Wahldesaster vom Donnerstagabend, tritt aus der CDU aus und wird damit auch nicht mehr Fraktionsvorsitzende der Partei im Oschersleber Stadtrat sein.

Die Wahl eines neuen Bürgermeisters im kommenden Jahr scheint unter keinem guten Stern in Oschersleben zu stehen. Schon der Wahltermin war in den vergangenen Wochen Thema einiger Diskussionen. Ursprünglich sollte am 22. Februar der Nachfolger von Dieter Klenke (parteilos), der nach mehr als 20 Jahren für das Amt nicht mehr antritt, gewählt werden. Doch die Ratsmitglieder von SPD und Linke wollten aus "witterungstechnischen Gründen" den Wahltermin verschoben haben. Im Winter wäre mit einer geringeren Wahlbeteiligung zu rechnen. Deshalb wurde auf der Stadtratssitzung am 1. Oktober der Wahltermin auf den 26. April verschoben. Dieser Termin allerdings ist inzwischen auch wieder vakant. Da es im Mai im Falle einer Stichwahl Probleme mit der Besetzung der Wahlvorstände geben könnte, liegt dem Stadtrat für die Sitzung am morgigen Mittwoch ein neuer Terminvorschlag als Beschlussvorlage vor. Stimmt der Stadtrat zu, soll nun am 22. März die Bürgermeisterwahl in Oschersleben und den Ortsteilen über die Bühne gehen.

Weiter im Stadtrat ohne Fraktion

Hinter vorgehaltener Hand wurde in der Bodestadt schon länger gemunkelt, die SPD-Mitglieder hätten den Wahltermin deshalb verschoben, weil sie mehr Zeit benötigen, um einen geeigneten Kandidaten zu finden. Dieser solle ja nun bekanntlich auf der Wahlversammlung am 11. Dezember bekanntgegeben werden.

Im Gegensatz zur SPD schien bei der CDU hinsichtlich eines Bürgermeisterkandidaten alles klar zu sein - bis zu jener Wahlveranstaltung am 4. Dezember. Sie musste abgebrochen werden, weil nicht alle Mitglieder des Ortsverbandes eingeladen waren. Daraus zog der bisherige CDU-Ortschef Mathias Schulte die Konsequenzen: Er trat von seinem Amt zurück. Doch der Wahlabend der CDU brachte zugleich einige Querelen zutage, die bislang im Verborgenen schlummerten.

Der Abend des 4. Dezember brachte anscheinend auch bei Andrea Hasselmann das Fass zum Überlaufen. "Ich möchte Ihnen hiermit mitteilen, dass ich meine Mitgliedschaft in der CDU aufgrund unüberwindbarer innerparteilicher Querelen beendet habe. Ich werde mein Mandat im Stadtrat und im Kreistag parteilos fortführen. Ich bin damit weder Mitglied der CDU-Fraktion im Stadtrat und dementsprechend auch keine Fraktionsvorsitzende mehr", lautet ihre knappe Mitteilung, die sie nicht weiter kommentieren möchte.

Wie Andrea Hasselmann der Volksstimme darüber hinaus bestätigte, wird sie als parteilose Einzelkandidatin in den Kampf um das Bürgermeisteramt eintreten.

CDU-Fraktionsvize Torsten Schubert von der Volksstimme um seine Meinung zum CDU-Austritt von Andrea Hasselmann gebeten, hält sich bedeckt. Die Reaktion von Andrea Hasselmann hält er für "unglücklich", möchte sie aber nicht weiter kommentieren.

Am Lesertelefon äußerte sich am Montagmorgen der Emmeringer Lutz Bittner. Auch bis zu ihm war der CDU-Austritt von Andrea Hasselmann längst vorgedrungen. Er findet den Entschluss der Oschersleben traurig, zumal die Querelen der CDU der SPD wahltechnisch in die Hände spielen würden.

"Ich hätte mir eine einheitliche Meinung der CDU gewünscht. Auch den Rücktritt von Mathias Schulte finde ich sehr bedauerlich", so Bittner.

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