Um ihren Haushalt auszugleichen, muss die Einheitsgemeinde Sülzetal Geld sparen. Dazu gehören auch Kürzungen bei den freiwilligen Aufgaben. Das bringt die Senioren- und Jugendarbeit in der Gemeinde in Gefahr.

Sülzetal l Geht es nach den Sparplänen des Gemeinderates und der Verwaltung, werden die freiwilligen Leistungen im Sülzetal drastisch zurückgefahren. Die Ausgaben unter anderem für Vereine und andere Bereiche, die nicht zu den Pflichtaufgaben Kindertagesstätten, Schulen und Feuerwehr gehören, sollen merklich gesenkt werden. In den nächsten drei Jahren von jetzt 900 000 Euro auf 300 000 Euro.

Davon betroffen ist auch die Arbeit mit Senioren und Jugendlichen, die im Sülzetal teilweise vom DRK-Kreisverband geleistet wird. Die Wanzleber betreiben im Sülzetal die DRK-Begegnungsstätten in Langenweddingen und Osterweddingen. Zusätzlich das Kinder- und Jugendzentrum in Altenweddingen. In diesen Einrichtungen kümmern sich Mitarbeiter des DRK um die Kinder, Jugendlichen und Senioren des Sülzetals. Dafür bekommt der Wanzleber Kreisverband von der Gemeinde einen Personalkostenzuschuss. Den Vertrag mit dem DRK über die Jugend- und Seniorenbetreuung hat die Gemeinde zum 31. Dezember gekündigt. Sollte bis dahin keine Lösung gefunden werden, müssen die DRK-Begegnungsstätten sowie das Kinder- und Jugendzentrum geschlossen werden.

"Wir mussten den Vertrag mit dem DRK kündigen, weil es eine freiwillige Leistung der Gemeinde ist", sagte René Kellner, Hauptamtsleiter der Einheitsgemeinde Sülzetal, bei der jüngsten Sitzung des Gemeinderates. Die Kündigung des Vertrages seit fristgerecht im September erfolgt. Bis zur Sitzung des Gemeinderates in der Vorwoche seien aus den Fraktionen keine Vorschläge zur Lösung des Problems gekommen.

Zwar liegt ein neuer Vertragsentwurf des DRK auf dem Tisch der Verwaltung im Osterweddinger Rathaus. Doch sieht der eine Kostensteigerung von 24 000 Euro auf 30 000 Euro vor. Die Verwaltung ist zurzeit auf der Suche nach einem neuen Partner, der die Betreuung der Senioren und Jugendlichen auf ehrenamtlicher Basis, über den Bundesfreiwilligendienst oder über Projekte der Agentur für Arbeit leisten könne, ohne für die Gemeinde Kosten zu erzeugen. Ebenso seien die Volkssolidarität und die evangelische Kirche mögliche Partner, sagte Kellner.

Dregger: Vertrag bis zum 31. März fortsetzen

Den Vorschlag von Norbert Dregger, Vorsitzender der SPD/FDP-Fraktion, die Zusammenarbeit mit dem DRK zumindest bis zum 31. März bis zum Finden einer neuer vertraglichen Lösung fortzusetzen, lehnte der Gemeinderat ab. Damit am 1. Januar nicht die gesamte Arbeit mit den Senioren und Jugendlichen im Sülzetal zusammenbreche, solle die Gemeinde nach den Vorstellungen Dreggers "Geld zusammenkratzen, bis wir eine neue vertragliche Situation haben". Auch diesen Vorschlag lehnte der Gemeinderat ab.

Im Fall der DRK-Begegnungsstätte Osterweddingen in der Mittelstraße 1 kommt erschwerend hinzu, dass die Gemeinde das ihr gehörende Haus aus Sicherheitsgründen für die weitere Nutzung gesperrt hat. "Wir mussten wegen der Gefahrenabwehr dem DRK die Nutzung des Hauses in der Mittelstraße 1 untersagen", verdeutlichte Kellner. Im Bericht eines Prüfstatikers aus Magdeburg, der das Haus im Auftrag der Gemeinde untersuchte, heißt es, dass vom Dach und vom Trägergebälk massive Gefährdungen ausgehen würden. Deshalb hat der Statiker empfohlen, die Decken innerhalb des Hauses abzustützen. "Die Stützen stehen schon", sagte Kellner. In der Mittelstraße 1 befinden sich zudem eine Arztpraxis und eine Wohnung, die aus Sicherheitsgründen auch nicht mehr benutzt werden dürfen. Die Nutzer seien von der Verwaltung bereits informiert worden.

"Für meine Senioren kämpfe ich", sagte Osterweddingens Ortsbürgermeisterin Birgit Wasserthal und CDU-Gemeinderätin bei der Sitzung. Sie hat bereits mit Pfarrer Raimund Müller-Busse gesprochen, der ihr versichert habe, die Senioren könnten zunächst den Gemeinderaum für ihre Treffen nutzen. Ebenso hat Birgit Wasserthal für die Osterweddinger Ärztin eine neue Praxis gefunden. "Sie hat mir versichert, in Osterweddingen zu bleiben", freute sich die Ortsbürgermeisterin über das klare Bekenntnis der Medizinerin.

"Wir als DRK sind weiter daran interessiert, im Sülzetal die Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Senioren fortzusetzen", sagte am Donnerstag Guido Fellgiebel, Geschäftsführer des Kreisverbandes Wanzleben, auf Volksstimme-Nachfrage. Doch allein könne das DRK diese Aufgabe nicht erfüllen und benötige dafür die finanzielle Unterstützung der Kommune. Auch für das DRK sei dieser Sektor eine "satzungsgemäße, freiwillige Aufgabe". Werde der Vertrag zwischen der Einheitsgemeinde und dem DRK nicht fortgesetzt, "hängen die Kinder, Jugendlichen und Senioren im Sülzetal komplett in der Luft". Ebenso stünden die Arbeitsplätze von zwei hauptamtlichen DRK-Beschäftigten und zusätzlichem Personal auf der Kippe. Fellgiebel fahre am heutigen Donnerstag ins Osterweddinger Rathaus, um nochmals mit Hauptamtsleiter René Kellner über eine Vertragsverlängerung zu verhandeln. Noch habe Fellgiebel Hoffnung auf eine Lösung.

   

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