Das Harbker Rathaus - von außen wieder ganz das alte, aber innen kaum wiederzuerkennen. Vorigen Donnerstag erfolgte die Bauabnahme nach gut einjähriger Rundumsanierung. Die Volksstimme durfte schon einen Blick hinein werfen, um einen Eindruck von den Veränderungen zu bekommen.

Harbke l "Wir haben jetzt die Voraussetzung dafür geschaffen, dass das Rathaus auch die nächsten 200 Jahre überstehen kann", betont Bürgermeister Werner Müller die Wichtigkeit und Notwendigkeit der Sanierung des 1825 errichteten Fachwerk-Schmuckstücks zwischen Ring und Halberstädter Straße. "Ohne diesen Schritt wäre das Gebäude wohl nicht mehr zu retten gewesen." Eindringende Feuchtigkeit und daraus resultierende Fäulnis hätten dem Fachwerk arg zugesetzt, bestätigt Architeckt Ulrich Drössler, der die Instandsetzung seit November 2013 planerisch betreut hat. "Hier war im Grunde keine Sicherheitsgarantie mehr gegeben, die eine oder andere Decke oder Wand wäre bald eingestürzt", macht Drössler deutlich, dass es "höchste Eisenbahn für einen Eingriff" war.

Nach der Ferstigstellung sehe man dem Gebäude nicht an, dass 70 Prozent des Fachwerks ausgetauscht worden sind, so Drössler weiter. Umso mehr springt der große Wandel drinnen ins Auge. Wo vor Jahresfrist noch der Putz von den Wänden im Bürgermeisterbüro bröckelte, wird sich nun die Bürger- und Touristeninformation einrichten - mit offenem Empfangsbereich und gläserner Windschutztür hinter dem Haupteingang. Auffällig ist der weitgehende Verzicht auf sichtbare Lampen und der Einsatz indirekten Lichts. So trumpft insbesondere das als Mehrzweckraum konzipierte Sitzungszimmer mit einer intelligent verbauten Beleuchtung auf. "Alles LED und mit Rücksicht auf die niedrigen Räume arrangiert", erklärt Drössler.

Die Decken seien "komplett ertüchtigt" worden, wobei ihre relativ geringe Höhe überall im Haus kreative Lösungen abverlangte. "Das war sowieso das Spannende an diesem Projekt", konstatiert der Planer, "es ist zwar kein sehr großes Gebäude, jedoch ein sehr kompliziertes. Man sieht das im Nachhinein gut an manchen Stellen, die zeigen, wie schief das Haus eigentlich ist." Es habe während der Sanierung auch kaum Stillstandzeiten gegeben, wohl aber stetig knifflige, zeitraubende Hindernisse. Werner Müller spricht in diesem Zusammenhang von einer "besonderen Herausforderung an alle Gewerke".

Der Bürgermeister selbst bezieht das Obergeschoss, in dem sich neben seinem Büro ein Archiv, ein Besprechungsraum und eine kleine Küche befinden. Der Flur der Etage ist nach oben hin offen gestaltet, "hier haben wir aus zwei Geschossen quasi eins gemacht", so Drössler.

Letztes Problem, sagt Werner Müller, seien nun die Möbel, die nach Möglichkeit zum neuen Ambiente im Rathaus passen sollen. Das Geld sei aufgebraucht, die Abrechnung läuft. Man werde dieser Tage zu einem Ausverkauf nach Berlin fahren, um dort gebrauchtes Mobiliar zu erstehen.

 

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