Die wundersame Wendung ist wie avisiert zur Weihnacht vollzogen. Die Ortstafel "Sommerschenburg seit 1088" steht wieder fest verschraubt auf ihrem angestammten Platz an der Gneisenau- straße.

Sommerschenburg l Dank einer vertraglich geregelten Nutzungsvereinbarung darf das Schild dort nicht nur überwintern, sondern endlich auch dauerhaft an die Ersterwähnung des Dorfs erinnern. Ein erreichtes Ziel, das der Gemeinde jede Menge Geduld und Spucke abverlangt hat.

Im Sommer ereilte die Gemeinde das, was Kulturausschussvorsitzender Eckehart Beichler wenig später als "Schlag ins Gesicht der Leute, die mit viel Fleiß daran gearbeitet haben" bezeichnete. Da sah man sich in Sommerschenburg nämlich jäh der Forderung ausgesetzt, das "Reklameschild" zu entfernen. Das Kulturjahr, für das es "geworben" hat, war längst vorbei. Die Genehmigung zur Aufstellung im Landesstraßenbereich sei daher erloschen. So jedenfalls hatte die Landesstraßenbaubehörde argumentiert - und zur Krönung noch Bedenken hinsichtlich möglicher Gefahrensituationen geäußert, da die Tafel von den nahe stehenden Verkehrshinweisschildern ablenke.

Kleines Problem, großer Aufwand

"Formal mag das vielleicht alles noch seine Richtigkeit und Ordnung gehabt haben", meint Beichler rückblickend und verweist auf "Missverständnisse, die sich beim Antragsverfahren eingeschlichen hatten". Aber ein Blick auf die Situation vor Ort hätte seiner Meinung nach deutlich gemacht, dass doch alles ganz harmlos ist: "Man hätte das auch im Nachhinein noch ganz schnell und einfach regeln können." Es kam anders.

Nach der Initiierung einer Unterschriftensammlung, die binnen weniger Tage mehr als 300 Unterstützer einbrachte und dabei erst einen Teil der Einwohner erreicht hatte, stand die Gemeinde im Herbst kurz vor einer Eingabe an den Petitionsausschuss des Landes. Das Verfahren hätte noch einmal mehrere Monate gekostet, allerdings mit nicht wenig Erfolgsaussichten.

"Den ganz langen amtlichen Weg konnten wir uns zum Glück ersparen", ist Beichler froh, dass es zu einer "Vernunftlösung" kam. Denn die Landesbehörde rang sich schließlich doch zu einer Ortsbesichtigung durch und hatte ein Einsehen. Keine Rede mehr von verflossenem Werbezweck oder Verkehrseinschränkungen. Das überdachte Balkengestell mit den beiden Eichebohlen und den von Bernhard Orzel einzeln geschnitzten Lettern durfte im Dezember nun wieder an exponierter Stelle montiert werden. Die Verbandsgemeinde ist dafür eigens eine Vereinbarung zur Nutzung des zwei Quadratmeter großen "Grundstücks" mit dem Land eingegangen.

"Gut so", konstatiert Bürgermeister Peter Müller, "es ist ja auch ein kleines Kunstwerk, in dem viel liebe- und mühevolle Arbeit steckt." Eckehart Beichler ergänzt: "Wir vor Ort haben wieder einmal gelernt: Resignation muss nicht sein, Beharrlichkeit ist besser - auch wenn sie Nerven kostet und nicht ohne Ärger und vorübergehenden Streit bleibt."

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