Märchenaufführungen haben in Wulferstedt eine lange Tradition. Inzwischen ist eine neue Generation angetreten, diese fortzuführen. Kurz vor Weihnachten wurde die "Weihnachtsgans Auguste" in der Kindertagesstätte aufgeführt.

Wulferstedt l Einst hoben Eltern, die ihre Kinder in der weit mehr als 100 Jahre alten Wulferstedter Kindertagesstätte gut behütet wussten, die Tradition der Märchenaufführungen und damit die Wulferstedter Märchenfamilie aus der Taufe. "Dazu gehörte auch meine Schwiegermutter", erzählt Myrjam Biermann. Immer zum Weihnachtsmarkt der Kindertagesstätte wurde also fortan ein Märchen aufgeführt.

Aber irgendwann waren die Kinder groß und die Märchenfreunde fühlten sich zu alt für die Aufführungen. "Aber die Aufführungen sind einfach immer schön, die Kinder freuen sich darauf und deshalb gehören die Aufführungen bei den Wulferstedtern einfach dazu. Also haben wir jungen Eltern uns gedacht, weiterzumachen", erzählt Myrjam Biermann. Wobei auch einige Ältere der "Schauspielerei" die Treue hielten. Etwa zehn Leute bilden heute die "neue" Wulferstedter Märchenfamilie.

Märchen für den Winter und zum Schützenfest

Sie berichtet zugleich, dass allerdings nicht nur vor Weihnachten die Märchenzeit eingeläutet wird. "Märchen werden auch Jahr für Jahr zum Schützenfest aufgeführt. Und wer nun denkt, dass Märchen vor Weihnachten werde zum Schützenfest wiederholt, der irrt. In der kälteren Jahreszeit spielen wir ein Märchen, das zur Weihnachtszeit, zum Winter passt. Die Schützenfest-Märchen passen eher zum Sommer", meint die junge Mutti.

Seit 2009, so lange gibt es die "neue" Wulferstedter Märchenfamilie, wurden zur Weihnachtszeit "Frau Holle", "Hänsel und Gretel", "Rumpelstilzchen", "Das verlorene Märchenbuch" und in diesem Jahr "Die Weihnachtsgans Auguste" aufgeführt. Zu den jährlichen Schützenfesten erlebten die Zuschauer "Rotkäppchen", "Aschenputtel", "Froschkönig", "Der gestiefelte Kater" und "Rapunzel".

Gemeinsam entscheidet die Märchenfamilie, welches Märchen aufgeführt wird. Die Requisiten werden Jahr für Jahr aufgehoben. Doch immer wieder kommt Neues hinzu. So manches Stück hat Myrjam Biermanns Mann, Tischler Stefan Schmidt, neu dazu gebaut. Oder die vorhandenen Teile werden umgearbeitet.

Darsteller spielen alles aus dem Stehgreif heraus

Ähnlich verhält es sich mit den Kostümen. Diese sind teilweise vom Karneval vorhanden. "Oder die Muttis aus der Kita helfen uns beim Nähen", erzählt Myrjam Biermann. Bei den Auftritten zählen vor allem der Spaß und das Bewusstsein, in erster Linie den Kindern eine große Freude zu bereiten. Textsicher müsse niemand sein. "Wir spielen aus dem Stehgreif. Die Märchen kennen wir ja. Etwa zwei bis drei Wochen vor dem Auftritt treffen wir uns. Dann wird lediglich durchgesprochen, wie alles ablaufen soll, welche Kostüme und Requisiten gebraucht werden", erzählt Myrjam Biermann.

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