Das älteste Haus von Schermcke ist Geschichte. Kurz vor Weihnachten rückten auf einem Bauernhof die Abrissbagger an, um unter anderem ein Gebäude aus dem 17. Jahrhundert abzureißen.

Von Yvonne Heyer

Schermcke l "Bei uns geht das Gerücht um, dass heute das älteste Haus Schermckes abgerissen wird". Dieser Anruf ging am 22. Dezember in der Volksstimme-Redaktion ein. Tatsächlich rückten noch am selben Tag die Bagger an, um das alte Gemäuer "platt zu machen". "Der Landkreis Börde in seiner Funktion als untere Bauaufsicht musste die Abbrissmaßnahme im Zuge der Gefahrenabwehr vornehmen lassen", teilte Pressesprecher Uwe Baumgart auf Anfrage mit.

Bei den Gebäuden, die der Abrissbirne zum Opfer fielen, handelte es sich tatsächlich um eine ehemalige Hofstelle samt Fachwerkwohnhaus. Das Ensemble galt als das älteste in Schermcke und stand als Einzeldenkmal unter Schutz.

"Leider war im vorliegenden Fall durch mangelnde Instandhaltung der Gebäude die Standsicherheit nicht mehr gewährleistet.

Pressesprecher Uwe Baumgart

"Gemäß Denkmalausweisung wird das Grundstück als `stattliche Hofanlage, bestehend aus im Straßenbild dominierendes ältestes Fachwerkhaus der Ortschaft, erbaut in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts mit Torhaus und Wirtschaftsgebäuden` bezeichnet", erklärte Sprecher Uwe Baumgart weiter.

Im vorliegenden Fall sei durch mangelnde Instandhaltung der Gebäude die Standsicherheit nicht mehr gewährleistet gewesen. Nachdem in der Nacht zum 19. Dezember Teile des Daches und des Obergeschosses eingestürzt waren, sei seitens der Bauaufsicht des Landkreises entschieden worden, die ruinösen Gebäude unverzüglich abzureißen, da die Gefahr des Einsturzes weiterer Gebäudeteile zu befürchten war.

Dies geschah insbesondere vor dem Hintergrund, dass das betroffene Wohnhaus an einer öffentlichen Straße lag und unmittelbar an einen Fußweg grenzte. "In einem solchen Fall muss der Denkmalschutz hinter die Gefahrenabwehr zurücktreten", teilte die Bauaufsicht des Landkreises weiter mit.

Da bereits im Juli dieses Jahres Teile des Daches herabgestürzt waren, sei der Landkreis bereits an den Eigentümer herangetreten, doch ohne Erfolg.

"Ich sehe es auch so, dass die Sicherheit der Bürger Vorrang vor dem Denkmalschutz haben muss."

Ortsbürgermeister Marcel Ott

"In Vorbereitung einer ursprünglich beabsichtigten Notsicherung des Fachwerkgebäudes waren noch Untersuchungen vorgenommen worden, um den Bestand fotografisch zu dokumentieren. Bereits hier wurde festgestellt, dass tragende Bauteile der Gebäude vollkommen verschlissen waren", sagte Baumgart abschließend.

Schermckes Ortsbürgermeister Marcel Ott steht hinter der Entscheidung. "Über eine lange Zeit waren die Gebäude dem Verfall preisgegeben. Ich sehe es auch so, dass die Sicherheit der Bürger Vorrang vor dem Denkmalschutz haben muss", meinte der Schermcker.