Hundert Jahre alte Fotos, die auch kleine Einblicke und Details in den Armeealltag zu Zeiten des Ersten Weltkriegs liefern, hat der Sommersdorfer Franz-Gerd Hosang in seinen Unterlagen wiederentdeckt. Ein kleiner ideeller Schatz, der auf Umwegen aus Belgien zu ihm gelangt war.

Sommersdorf l Eigentlich hatte Hosang nach Bildern für den Familienstammbaum gesucht. Dabei kamen dem 84-Jährigen die vergessenen Fotografien, die vermutlich 1914/15 in Belgien entstanden, unter die Hände - und damit auch die Erinnerung: "Es sind Aufnahmen meines Vaters Gustav Hosang, der während des Ersten Weltkriegs Husarenoffizier war. Die Fotos hat sein damaliger Bursche gemacht, der sie 1967 bei einem Besuch in Helmstedt mitgebracht hat. So sind sie in unseren Besitz gelangt."

Dass er sie ausgerechnet im Gedenkjahr an den Kriegsausbruch wiedergefunden hat, empfindet Franz-Gerd Hosang als "bemerkenswerten Zufall". So tauchte er zum Jahresende auch noch einmal über den bloßen Stammbaum hinweg tiefer in die Familiengeschichte ein, die durchweg von den großen zeitgeschichtlichen Umbrüchen des 20. Jahrhunderts geprägt ist. Gustav Hosang (1891-1972) war Sommersdorfer, der sich nach dem Krieg als Landwirt seine Existenz aufbaute, nach dem Zweiten Weltkrieg jedoch enteignet wurde und 1952 - Sohn Franz Gerd war damals 22 Jahre jung - "mit kaum mehr als einer Aktentasche" in den Westen übersiedelte. Hosang kehrte mit Ehefrau Elisabeth in den 1990ern in die alte Heimat zurück - "nicht ohne Widrigkeiten, als es darum ging, unseren Besitz wiederzuerlangen, aber wir haben es geschafft." Vieles hat Hosang aus persönlicher Sicht dokumentiert, die wiederentdeckten Fotos wird er seinen Aufzeichnungen nun hinzufügen: "Es soll auch die nächste Generation darüber stolpern."