Das rote Backsteinschulgebäude in Weferlingen hat Tradition. Begründet von einer Präparandenanstalt über eine Mittelschule, Oberschule und Polytechnische Oberschule ist es heute Gymnasium und trägt noch denselben Namen wie in den 30er Jahren. Unzählige Postkarten dokumentieren Schulgeschichte.

Weferlingen l Der Flecken Weferlingen kann auf eine lange Schulgeschichte zurückblicken. 1587 kann als Gründungsjahr der Schule zu Weferlingen angesehen werden, da in diesem Jahr ein Diakonus, der auch den Titel "Rektor" erhielt, seine Tätigkeit aufnahm, heißt es in der Schulchronik. Bischof Heinrich Julius hatte in diesem Jahr auf Bitten von Christoph von Mahrenholz eine zweite Predigerstelle für Weferlingen bewilligt mit der Maßgabe, dass der Diakonus jeden Tag zwei Stunden Schule abhielt.

Doch Weferlingen hatte im Laufe der Jahrhunderte nicht nur die "normale" Dorfschule. 1903 erhielt Weferlingen sogar eine Königliche Präparandenanstalt. Kurz danach erschienen auch die ersten Postkarten. Wenn diese Schule auch nicht sehr lange bestand, so entstand doch mit dem roten Backsteingebäude ein Schulhaus, in dem auch heute noch unterrichtet wird. Die Turnhalle, die kurz danach gebaut wurde, ist heute eine Mehrzweckhalle, in der unterrichtet, getanzt und Theater gespielt wird.

Eine Präparandenanstalt war vom 18. bis ins frühe 20. Jahrhundert hinein die untere Stufe der Volksschullehrerausbildung. Die "Präparandie" bereitete die Schüler auf das sich anschließende Lehrerseminar vor. Der Präparand war ein Vorzubereitender, so ist es auch bei Wikipedia nachzulesen. Um die Präparandenanstalt besuchen zu können, musste der Schüler die Volks- beziehungsweise Mittelschule abgeschlossen haben. Auch in Neuhaldensleben gab es damals eine Präparandenanstalt. Die Präparanden aus Haldensleben und Weferlingen konnten anschließend das Lehrerseminar in Neuhaldensleben besuchen.

Selbstverständlich kamen die Präparanden der Anstalt in Weferlingen nicht nur aus Weferlingen und der näheren Umgebung, sondern auch aus größerer Entfernung, häufig aus der Altmark. Sie waren in Pensionen untergebracht.

Auf der hier abgebildeten Postkarte schreibt ein Präparand an seine Eltern in Letzlingen, sie mögen ihm doch bitte im Laufe der Woche Kragen, Chemisette und Servietten schicken. Er habe nur noch ein Chemisette. Diese gestärkte Hemdbrust, mit französischem Namen Chemisette, war für die Jungen damals für den täglichen Schulbesuch wichtig. (Mädchen lernten in der Präparandie offensichtlich nicht, zumindest sind auf den verschiedenen Postkarten keine zu sehen.)

19 Jahre nach der Eröffnung der Königlichen Präparandenanstalt in Weferlingen fand schon die Abschlussveranstaltung statt. Die Mittelschule nahm das Schulhaus in Beschlag, sie ist aus zwei im Jahr 1918 eingerichteten gehobenen Klassen hervorgegangen.

Von 1924 bis 1930 gab es neben der Volksschule demnach eine Mittelschule. Da die Gemeinde Weferlingen im Februar 1926 mit einem Vertrag die "Deutsche Oberschule in Aufbauform" begründete, endete auch die Zeit der Mittelschule bald. Die neue Schulform wurde nach der Genehmigung 1927/28 mit der ersten Aufbauklasse mit 25 Schülern eingeführt. Die Schülerzahl wuchs schnell, das alte Backsteingebäude reichte nicht mehr. So wurde an dieses Haus schon 1928 noch angebaut. 1932 legten die ersten Schüler das Abitur ab, inzwischen lernten hier übrigens auch Mädchen.

Und wie zuvor kamen die Schüler auch aus größerer Entfernung, wie bisher vielfach aus der Altmark. 1937 wurde ein Internat eingerichtet.

1962 fanden die letzten Reifeprüfungen in Weferlingen statt, denn Weferlingen lag im Sperrgebiet direkt an der innerdeutschen Grenze. Das Schulgebäude wurde für die zehnklassige Polytechnische Oberschule genutzt, die aber weiter den Namen "Freiherr vom Stein" führte, den die damalige Oberschule in den 30er Jahren bekommen hatte.

Nach der Wende wurde 1992 wieder ein Gymnasium begründet, die ersten Abiturprüfungen fanden 1995 statt. Zwei Systembauten und eine neue Sporthalle, die auch von der Grundschule genutzt wird, sind im Laufe der Jahre entstanden, um die Schüler aufnehmen zu können. Ende der 90er Jahre fusionierten das Weferlinger und das Oebisfelder Gymnasium. In Oebisfelde gab es bis 2006 noch eine Außenstelle. Seither gibt es im nordwestlichen Kreis nur noch das Freiherr-vom-Stein-Gymnasium.

Für alle Zeiten des Schulgebäudes und der Schulform gibt es Postkarten.