Wanzleben l Das Signal, das der Insolvenzverwalter Donnerstagabend mit aus der Stadtratssitzung nehmen konnte, war deutlich: Die Wanzleber Stadtwerke sollen verkauft werden.

Der Rat (14 Stimmen) lehnte den Beschluss zur weiteren Beteiligung der Stadt als Gesellschafterin an der Wanzleber Stadtwerke GmbH mehrheitlich ab. 10 Stadträte sprachen sich gegen den Ausstieg aus, drei enthielten sich gänzlich. Im Bestreben auch weiterhin Gesellschafterin des Tochterunternehmens bleiben und einen Teil der Gesellschafteranteile an einen Investor übertragen zu können, hatte Bürgermeisterin Petra Hort (Linke) jenen Beschluss eingereicht und zur Stadtratssitzung auch gleich drei potenzielle Investoren eingeladen.

"Die Firmenvertreter haben uns gegenüber ihr Interesse deutlich gemacht, Konzepte präsentiert und erklärt welche Vorteile einer Zusammenarbeit hätte. Doch alle Argumente nützten nichts. Die Mehrheit lehnte eine weitere Beteiligung ab", berichtete SPD-Stadträtin Silke Schindler, die den Vorsitz im Aufsichtsrat der Stadtwerke bekleidet und seit Monaten gegen einen Ausstieg argumentiert hatte, gestern auf Nachfrage. Sie zeigte sich über die Stadtratsentscheidung enttäuscht. So wie auch Rathauschefin Petra Hort: "Ich habe für eine weitere Stadtwerke-Beteiligung gestimmt. Das die Mehrheit sich letztendlich nach einer zweieinhalbstündigen Debatte dagegen entschieden hat, muss ich so zur Kenntnis nehmen und akzeptieren. Wie es jetzt weiter geht? Nun ist der Insolvenzverwalter am Zug."

Prof. Lucas Flöther, der das Insolvenzverfahren begleitet, teilte am Freitag gegenüber der Volksstimme mit: "Mit der Ratsentscheidung gegen eine weitere Beteiligung wird das Unternehmen an einen externen Investor verkauft. Hierzu liegen mir bereits konkrete Kaufangebote namhafter Unternehmen vor, die sich in der Energiebranche bestens auskennen und auch über das nötige Kapital verfügen. Wir werden diese Angebote nun genau prüfen. Ziel ist es, die Gläubigerinteressen zu befriedigen und möglichst ein Konzept zu finden, dass den Stadtwerken Wanzleben wieder eine langfristige Perspektive bietet. Unterdessen werde ich den Geschäftsbetrieb ohne Einschränkungen aufrechterhalten." Läuft alles nach Plan und die Gläubiger geben grünes Licht könnte der Verkauf bis Ende Februar über die Bühne gebracht sein.

Die Gläubiger, darunter die Volksbank Börde-Bernburg als Hauptgläubigerin, hatten sich Anfang Dezember vor dem Magdeburger Amtsgericht getroffen und darauf verständigt, den Stadtrat ein zweites Mal und damit endgültig über die Gesellschafter-Frage entscheiden lassen zu wollen. Und das obwohl er sich bereits im Oktober für einen Rückzug aus dem Energieunternehmen, das derzeit noch acht Mitarbeiter beschäftigt, ausgesprochen hatte.

Die Stadtwerke versorgen Dreiviertel des Wanzleber Stadtgebietes mit der Fernwärme. Dazu zählen auch alle kommunalen Einrichtungen wie die Schule, Kindertagesstätte, das Rathaus und die Feuerwehr. Das Insolvenzverfahren war Anfang Oktober eröffnet worden.

Zur Entscheidung meldete sich gestern auch Stadtrat Eckhard Jockisch (Freie Wähler) zu Wort. Der Seehäuser befürwortet den Verkauf: "Während es andere Städte und Gemeinden geschafft haben, mit ihren Stadtwerken schwarze Zahlen schreiben zu können, haben wir hier über Jahre nur reingebuttert und nichts herausbekommen." Das finanzielle Risiko sei seiner Meinung nach für die Stadt in der Prognose um anstehende Investitionen viel zu hoch ausgefallen. "Geld, das die Stadt nicht hat. Auch die erst 2013 aus der Stadtkasse gezahlte Liquiditätshilfe in Höhe von 300.000 Euro hätten und werden wir nie wieder sehen."

 

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