Aufgrund von Bauarbeiten kann das Trauzimmer im Wanzleber Rathaus schon seit anderthalb Jahren nicht mehr von Hochzeitsgesellschaften genutzt werden. Wann es hier die nächste Trauung geben wird, steht noch in den Sternen. Genauso wie die Höhe der Summe, die in die Sanierung des Denkmals gesteckt werden muss.

Wanzleben l Der Treppenaufgang zum Obergeschoss des Rathauses ist mit einer großen, stabilen Baufolie verkleidet. Die Etage in der einst das Standesamt seinen Sitz hatte und sich im benachbarten Trauzimmer Hochzeitspaare unter der historischen Deckenkuppel das Eheversprechen gaben, ist seit anderthalb Jahren gesperrt und komplett verwaist.

Der Rundum-Blick lässt bereits eine unendliche Baustellen-Geschichte erahnen. Die Holzbalkendecke zum Dachboden ist geöffnet, genauso wie Teile des Fußbodens. Denn mit der Turmsanierung 2013 hatte hier ein Gutachter bei Stichproben beinahe an jeder Ecke einen Hausschwammbefall festgestellt. So auch in der Außenwand des Trauzimmers.

"Um die Holzbalken in den Decken auf Schäden untersuchen zu können, mussten im Obergeschoss mehrere Bereiche geöffnet werden", erklärt Bauamtsleiter Olaf Küpper den Ist-Zustand. Einsturzgefährdet sei aber nichts, versichert er. "Auch wenn wir mittlerweile festgestellt haben, dass hier über einen Zeitstrahl von 500 bis 600 Jahren Lagerbalken willkürlich gekürzt oder ausgetauscht worden sind. Durch den Verlauf der Balken vermuten wir, dass der Versammlungsraum hier oben sogar einmal einen Balkon gehabt haben muss."

Das Dach sowie die neue Turmkonstruktion des Wanzleber Wahrzeichens seien von den anstehenden Bauarbeiten aber glücklicherweise nicht betroffen.

Aktuell ist ein Statiker damit beauftragt worden, die Kuppeldecke des Trauzimmers genau unter die Lupe zu nehmen und eine Alternative zu berechnen. "Über die Jahrhunderte hindurch ist hier oben mit viel Phantasie gebaut worden. Selbst Gipssteine, die Wasser ziehen und speichern und deshalb auch gar nicht zulässig sind, wurden hier eingesetzt. Mit der Deckensanierung muss aller Voraussicht nach auch die Kuppeldecke abgerissen werden", merkt Olaf Küpper an. Welche geschmackvolle Alternative im Hochzeitszimmer dann Einzug halten wird, ist noch unklar. "Erst wenn wir das Gutachten des Statikers vorliegen haben, kann die Planung durch das Ingenieurbüro erfolgen. Sobald die fertig ist, können wir den Auftrag ausschreiben und auslösen", erklärt Bauamtsmitarbeiterin Ines Darius.

Weder Baubeginn noch Bauende sind klar

Für die Deckensanierung seien für dieses Jahr bereits 200000 Euro in den Haushalt eingestellt worden. "Das Geld kommt aus dem Stadtumbau-Ost-Fördertopf, der eine 100-prozentige Förderung durch das Land bedeutet", erklärt Küpper mit Blick auf die mehr als klamme Stadtkasse.

Wann genau der Startschuss für die umfangreichen Bauarbeiten über den Dächern der 5000-Seelen-Stadt gegeben werden kann, steht damit noch nicht genau fest. "Wir hoffen, dass wir die Deckensanierungsgeschichte noch in diesem Jahr über die Bühne bekommen werden", sagte Ines Darius gestern auf Nachfrage.

Ein Ende der Arbeiten sei aber noch nicht in Sicht, merkt Küpper an. Schließlich müssen nicht nur die "kranken Holzbalken zurückgeschnitten und ersetzt", sondern auch dem echten Hausschwamm im Mauerwerk der Garaus gemacht werden.

"Wir gehen davon aus, dass sich das Wasser, dass dem Hausschwamm hier oben die besten Bedingungen bot, jahrelang seinen Weg über den Turm ins Gebäude gebahnt hat", erzählt Ines Darius.

Zuletzt war das Bauprojekt am Wanzleber Rathausturm 2013 um rund 70 000 Euro teurer ausgefallen als anfangs gedacht, weil bei der Untersuchung des alten Holzes eine Kontamination mit einem gesundheitsgefährdenden Holz- und Brandschutzmittel festgestellt worden war. Mit der schlussendlich knapp 332000 Euro teuren Turmmodernisierung konnte jedoch das Grundübel der eindringenden Nässe Anfang 2014 endgültig beseitigt werden.

Im Zuge der Turmarbeiten hatte es auch die erste holzschutztechnische Untersuchung gegeben. Ein Sachverständiger hatte in seinem umfangreichen Schadensbericht Schwamm- und Nassfäuleschäden sowohl in den Balken als auch im Mauerwerk festgestellt.

Nach dieser ersten Hiobsbotschaft war Ende 2013 auch das historische Stadtarchiv vom Dachboden geräumt worden. Das erste Holzschutzgutachten plus die anschließende Archivberäumung schlugen mit insgesamt 35000 ins Stadtkontor.

Im Vorjahr beliefen sich die Kosten für die Freilegung der Decken, die Planung und die zweite holzschutztechnische Untersuchung auf rund 55000 Euro.

 

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