Angler sind Naturschützer. Diesen Anspruch hat sich Markus Hars auf die Fahne geschrieben. Der Fischereiaufseher im Landkreis Börde macht sich für die Belange der Angler stark und will an deren guten Ruf arbeiten.

Landkreis Börde l Markus Hars liebt das Angeln und die Natur. Seit kleinauf ist der 38-jährige Rätzlinger leidenschaftlicher Angler. Manchmal fürchtet Hars allerdings um den guten Ruf seines Hobbys. Denn schwarze Schafe gibt es überall. Zudem werden viele Angelgewässer immer wieder als illegale Müllkippen missbraucht. Und bei den Übeltätern handelt es sich in der Regel nicht um Angler. "Wir haben bei Arbeitseinsätzen schon ganze Kühlschränke aus dem Wasser gefischt", erinnert sich Hars. Erst kürzlich konnte er ein altes Fahrrad aus dem Rätzlinger Bahnhofsteich ziehen. Auch wenn es in den seltensten Fällen die Angler selbst sind, die für die Vermüllung zuständig sind, so fällt es doch auf sie zurück. "Dann heißt es immer: Wie sieht`s denn bei Euch aus?", so Hars. Besonders ärgerlich wäre dies bei den Gewässern in Naturschutzgebieten wie im Drömling.

Um für mehr Sauberkeit an den Teichen zu sorgen, den Müllsündern entgegenzutreten und sich für Einhaltung des Umwelt- und Tierschutzes stark zu machen, hat Markus Hars angefangen, sich ehrenamtlich zu engagieren. Nebenberuflich hat er sich beim Landesanglerverband Sachsen-Anhalt zum staatlich geprüften Fischereiaufseher ausbilden lassen. Nur so kann er seinen Forderungen an den Angelgewässern auch entsprechenden Nachdruck verleihen. Als amtlich bestellter Fischereiaufseher müssen die Angler seinen Forderungen nachkommen. Tun sie das nicht, winken ihnen zum Teil empfindliche Strafen. Er hat in seiner Funktion sogar das Recht, fremde Grundstücke zu betreten. Denn auch auf Privatgrundstücken müssen die Angelregeln eingehalten werden. Bei Gewässern, die größer als 500 Quadratmeter sind, benötigt auch der Eigentümer einen Fischereischein, bevor er seine Angelrute auswerfen darf.

Markus Hars ist einer von knapp 380 Fischereiaufsehern in Sachsen-Anhalt, die die Einhaltung von Vorschriften des Fischerei-, Umwelt- und Tierschutzrechtes kontrollieren. Auf Strafen, die er verhängen könnte, verzichtet Hars weitesgehend er setzt auf Prävention. Erst kürzlich habe er einen älteren Herren beim Angeln erwischt, der zwar einen Fischereischein, aber weder Fangkarte noch Mitgliedsausweis besaß. Ein kurzes Gespräch und der Vorschlag, sich beim Nachtangeln der Jugendlichen im Ortsverein ein bisschen zu engagieren, und der Vorfall war vergessen.

Mit dieser Milde dürfen aber nicht alle rechnen. Gerade, wenn es um illegale Müllentsorgung geht, versteht Markus Hars keinen Spaß. Regelmäßig fährt er zusammen mit einem seiner Kollegen die 53 Angelgewässer des Kreisanglerverbandes Haldensleben ab, schaut sich um und kommt mit den Petrijüngern ins Gespräch. Nicht selten entstehen dabei Freundschaften und Hars verabredet sich mit den Kontrollierten sogar zum gemeinsamen Angeln.

Als amtlich bestellter Fischereiaufseher darf er nicht nur die Papiere der Angler auf Vollständigkeit überprüfen - hier müssen Fischereischein, Fangkarte und Mitgliedsausweis des Angelvereins mitgeführt werden. Er hat auch das Recht, sich die Angelausrüstung genauer anzusehen. Neben einer Angel müssen nämlich auch noch ein sogenannter Fischtöter-Knüppel, ein Messer und ein Kescher mitgeführt werden. Weiterhin kontrolliert er die gefangenen Fische: Haben sie die Mindestgröße? Wurde die Schonzeit eingehalten? Dabei tritt Hars nicht als Angler-Sheriff auf, der seine Kollegen mit Kontrollen terrorisiert. Vielmehr will er vermitteln, dass Natur und Umwelt zu respektieren sind. "Ich hoffe, dass die Menschen zur Vernunft kommen. Und wenn sie merken, dass regelmäßig Kontrollen vorgenommen werden, achten sie vielleicht auch mehr auf ihr Verhalten", sagt der 38-Jährige. Nicht zuletzt sei das auch im Interesse der Angler. Denn auf einige Vergehen stehen empfindliche Strafen (siehe Infokasten). "Es gibt Bußgelder bis zu 30 000 Euro. Das scheinen viele - ob nun Angler oder Müllsünder - echt zu unterschätzen", so Hars.

Bei seinen Kontrollen fällt Markus Hars immer wieder etwas auf. "Es gab noch keinen Tag, an dem nix war", so Hars. Unvollständige Papiere, fehlende Sauberkeit, nicht Einhaltung der Parkordnung - "Manche fahren bis an das Gewässer heran" - und fehlende Ausrüstung seien die häufigsten Vergehen. Aber auch Nicht-Angler müssen sich an bestimmte Regeln halten. Die oftmals idyllische Lage der Angelseen lockt auch Wildcamper an. "Auch Lagerfeuer musste ich schon mal unterbinden", so der Fischereiaufseher. Denn auch für die Ufer der Angelgewässer sind die jeweiligen Pächter - in der Regel die Angelvereine - verantwortlich. Nur in absoluten Ausnahmefällen muss Hars schon mal die Polizei zur Hilfe anfordern oder den örtlichen Bauhof zur Müllentsorgung rufen. "Ich selber habe immer Plastiktüten dabei, in denen ich Müll sammele." Denn: Wer an einem vermüllten Angelplatz angetroffen wird, gilt automatisch auch als Verursacher der Verunreinigung. "Das heißt also, wenn ich irgendwo angeln will, wo Müller herumfliegt, muss ich diesen entweder selbst entsorgen, oder ich gehe woanders hin", so Hars.

Nicht zuletzt für den eigenen Nachwuchs will Markus Hars die Schönheit seiner Heimat erhalten. Der gebürtige Braunschweiger und Vater von drei Söhnen wohnt seit vielen Jahren in Rätzlingen und fühlt sich hier richtig angekommen. "Wir haben hier so hervorragende Gewässer. Es kommen auch sehr viele Angler aus Niedersachsen zu uns rüber", so Hars. In der Tat spiegelt sich die Vielfalt der Börde auch in ihren Angelteichen wider. Petrijünger können hier vom Aal bis zum Zander und vom Weißfisch bis zur Rotfeder nahezu alles aus dem kühlen Nass fischen.

   

Bilder