Wird Grabschmuck gestohlen, dann ist das für Angehörige oft überaus schmerzlich. Das zeigt auch der jüngste Fall. Erst im November hat Wilfried Kahl seine Frau verloren. Täglich besucht er das Grab auf dem Wanzleber Friedhof. Am Montag dann der Schock: Diebe machten vor dem Grab seiner Karin nicht Halt.

Wanzleben l Wilfried Kahl trauert. Im November hat er nach 56 Ehejahren seine liebe Frau Karin (76) verloren. Seit der Beerdigung ist kein einziger Tag vergangenen, an dem er nicht ihr Grab auf dem Wanzleber Friedhof besucht hat.

"Ich bin jeden Tag hier", erzählt der 77-Jährige, der bei diesem schweren Gang von seiner Tochter Birgit begleitet wird. "Mein Papa, der selbst Leukämiepatient ist, hat meine Mutti lange Zeit gepflegt. Ihm ist ein schönes Grab wichtig. Das hilft ihm bei seiner Trauer", erzählt Birgit Sachse den Tränen nahe. Dass sich nun unbekannte Diebe an der kleinen Ruhestätte vergriffen haben, empfindet sie für die Trauer und Gefühlswelt ihres Vater als "zusätzlichen Schlag."

Den Diebstahl einer Schmuck-Laterne samt Beleuchtung hatten Vater und Tochter am Montag gegen 15 Uhr bemerkt. "Es hatte schon ein wenig geschneit. Deshalb ist uns der dunkle Fleck auf der schneebedeckten Steinplatte auch sofort aufgefallen. Die Laterne muss demnach erst kurz zuvor, also am hellerlichten Tag, gestohlen worden sein", ist sich die Wanzleberin sicher, die den Fall bereits der Polizei gemeldet hat. "Uns geht es natürlich nicht um den materiellen Wert, sondern um den ideellen. Das ist einfach nur pietätlos. Uns beschäftigt die Frage, wer tut so etwas?"

Was Wilfried Kahl widerfahren ist, ist leider kein Einzelfall. Obwohl bei der Polizei "im vergangenen Jahr weitaus weniger Fälle von Diebstählen und Vandalismus auf Friedhöfen aktenkundig geworden sind, als noch in den Vorjahren", so Polizei-Pressesprecher Joachim Albrecht.

"Die letzte Häufung von Diebstählen hatten wir vor zirka zwei Jahren im Haldensleber Bereich. Hier waren vermehrt Blumensträuße und hochwertige Gestecke gestohlen worden."

Das auch schon öfter auf den Friedhöfen der Stadt Wanzleben - Börde schöne Blumengebinde gestohlen worden sind, bestätigte gestern auch Carolin Axmann von der Friedhofsverwaltung. Auch sie riet Birgit Sachse, bei der Polizei Anzeige gegen Unbekannt zu erstatten. "Man liest ja leider immer wieder, dass Kupfervasen und Schalen von Gräbern entwendet werden. Das mittlerweile aber auch schon Dekoratives wie Laternen, Engelsfiguren, Kerzen und Blumensträuße mitgenommen werden, ist einfach pietätlos und beschämend", beklagt die Verwaltungsmitarbeiterin. Seitens der Stadt setzt man auch auf die Präsenz der Polizei.

Bundesweite Zahlen speziell über Grabschmuck-Diebstahl gibt es übrigens nicht - denn die Kriminalstatistik der Polizei führt dieses Delikt nicht gesondert auf. "Dennoch ist es wichtig, jeden Diebstahl bei der Polizei anzuzeigen. Nur so lässt sich möglicherweise ein Schwerpunkt erkennen", merkt Albrecht an. Auch wenn Diebe auf Friedhöfen nur selten erwischt werden. Darüber sind sich auch Wilfried Kahl und seine Tochter Birgit im Klaren. Genauso wie darüber, dass die Aufklärung der Taten meist schwierig sei, weil es fast nie Zeugen gebe. Das Problem auf dem Wanzleber Friedhof habe ihrer Meinung nach aber weniger mit den durchgängig geöffneten Eingangspforten zu tun, sondern eher damit, dass viele den Weg querfeldein über das Areal als Abkürzung und Durchgang nutzen würden.

Um nach dem Rechten zu schauen, wird sich auch heute wieder Wilfried Kahl auf den Weg zum Grab seiner Karin machen. "Zu ihrem 77. Geburtstag wollte ich ihr im März einen schönen Blumenstrauß aufs Grab stellen. Aber nun habe ich angst, dass ihr auch der gestohlen werden könnte."