Haldensleben l Es soll nach den Worten von Landrat Hans Walker (CDU) das "Herz des Landkreises Börde" werden: das neue Gebäude der Kreisverwaltung in der Bornschen Straße in Haldensleben. Nun kommt es bereits vor dem ersten Spatenstich zu erheblichen Verzögerungen. Grund dafür ist eine Anpassung des Entwurfes vom beauftragten Architekturbüro Carpus und Partner. Die Architekten hatten in ihrem Erstentwurf - der die Verwaltung ebenso wie den Kreistag überzeugt hatte - Baukosten von 31 Millionen Euro veranschlagt. Im Haushalt stehen für den Neubau des Verwaltungsgebäudes allerdings lediglich 19 Millionen Euro. "Wir hätten natürlich gleich sagen können: Das könnt ihr vergessen", so Landrat Hans Walker. Aber die Umsetzung der Anforderungen an den Bau seien für die veranschlagten 19 Millionen heute nicht mehr möglich. Und von dem Plan, das Verwaltungsgebäude als bürgernahes Zentrum, geradezu mit dem Charakter einer Begegnungsstätte, zu gestalten, wolle man auch nicht abrücken, so Walker weiter. Eine öffentliche Cafeteria, Grünanlagen, die zum Verweilen einladen, ein lichtdurchflutetes Foyer sowie eine klare und übersichtliche Gliederung, so dass sich die Bürger gut orientieren können, sind für den Landrat in Stein gemeißelt. "Wir wollen kein Haus für die Verwaltung, sondern eines für die Bürger", sagt Walker. Dennoch sollen natürlich auch die Mitarbeiter optimale Bedingungen vorfinden: Kurze Wege, ausreichend Parkplätze.

Nach einem Treffen mit den Fraktionsspitzen des Kreistages wurde von der Verwaltung nun in Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro am Plan für eine etwas abgespeckte Variante des Neubaus gefeilt. Das Ergebnis: Es fallen insgesamt knapp 15 Büros weg und die einzelnen Büroräume werden zudem etwas kleiner - statt 4,70 nur 4,10 Meter Raumtiefe. So dass sich die Gesamtnutzungsfläche von 14900 auf 12300 Quadratmeter verkleinert. Das bedeutet aber auch, dass nicht mehr Platz für die eigentlich geforderten 400 Arbeitsplätze vorhanden sein wird. Im neuen Kreishaus werden so nicht mehr als 365 Mitarbeiter Platz finden. Die 35 Mitarbeiter, die keinen Arbeitsplatz im neuen Kreishaus bekommen können, sollen übergangsweise im Verwaltungsgebäude in Oschersleben untergebracht werden. "Wir schreiben weiterhin an unserer Personalentwicklungsplanung", erklärt Walker. Über kurz oder lang sollen alle Mitarbeiter der Kreisverwaltung in dem neuen Gebäude arbeiten können. Oschersleben sei nur eine Übergangslösung. Unterm Strich soll die neue Version des Kreishauses dann 25,7 Millionen Euro kosten. Die 6,7 Millionen Euro an zusätzlichen Kosten müssen durch den Kreistag in Form des Nachtragshaushaltes, der im Frühjahr auf der Agenda stehen wird, jedoch noch beschlossen werden.

Wie kommt es zu dieser Kostenexplosion? Die eingestellten 19 Millionen basieren auf einer Studie aus dem Jahr 2010. Im September 2013 hat der Kreistag dann den Bau des neuen Gebäudes aufgrund dieser Studie beschlossen. "Seitdem hat sich aber einiges verändert", erklärt Isolde Prost, Fachbereichsleiterin Bau in der Kreisverwaltung. So hätte der Gesetzgeber beispielsweise neue Auflagen in Bezug auf erneuerbare Energien oder Barrierefreiheit vorgegeben. "Bei der Erfüllung dieser Auflagen haben wir keinen Spielraum", so die Dezernentin. Allein dadurch würden die Baukosten um bis zu 15 Prozent steigen. Aber alles, was beeinflussbar sei, wäre auch berücksichtigt worden. "Der jetzige Plan ist realistisch. Aber `mehr weniger` geht nicht", sagt der Landrat.

Aber nicht nur die Kostensteigerung stellt die Verwaltung vor ein Problem. Durch die Umplanung verzögert sich auch der Baubeginn, so dass der Einzugstermin - ursprünglich Januar 2017 - nicht gehalten werden kann. Für das momentan genutzte Gebäude in der Gerikestraße läuft der Mietvertrag allerdings zum Ende 2016 aus. "Wir stehen bereits mit dem Besitzer in Verhandlungen über eine weitere Nutzung für ein Jahr", erklärt Hans Walker

Die Zielsetzung ist klar: Am 30. Juni 2017 soll das neue Kreishaus eröffnet werden. Das alte Objekt soll trotzdem bis Ende des Jahres angemietet werden. Ein halbes Jahr Puffer müsse schon eingeplant werden, meint der Landrat. "Es ist immer davon auszugehen, dass irgendwelche Dinge passieren können."

Schon bald sollen mit den bauvorbereitenden Arbeiten wie die Feldberäumung - es müssen noch einige Bäume weichen - begonnen werden. Dann folgt eine europaweite Ausschreibung, was bei einem öffentlichen Bauvorhaben dieser Größenordnung vorgeschrieben ist. "Das dauert allein ein Vierteljahr", sagt Prost. Heimische Betriebe wären dafür zwar wünschenswert, so der Landrat, "am Ende müssen wir aber aufs Geld achten".

 

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