Die Brieftauben von Günther und Christoph Müller haben sich im jüngsten bundesweiten Vergleich als besonders flinke Vertreter ihrer Art entpuppt. Sie verhalfen der Vater-Sohn-Züchtergemeinschaft aus Eilsleben zum achten Platz bei der Deutschen Meisterschaft.

Eilsleben l "Das ist toll, wir alle freuen uns mit den beiden, denn soweit nach oben hat es aus unserer Reisevereinigung noch keiner geschafft", ist Züchterkollege Rolf Siedekum angesichts der offiziellen Ergebnisliste des Bundesverbands Deutscher Brieftaubenzüchter geradezu euphorisch. Mit 1388,41 Punkten tauchen der Eilsleber Christoph Müller (43) und sein Vater Günther (80) von der Reisevereinigung Wanzleben/Oschersleben (RV) dort unter den besten Zehn des Flugwettbewerbsjahres 2014 auf - von mehr als 12400 aufgeführten Teilnehmern. Und im Einzelvergleich findet sich für die Müllers noch das i-Tüpfelchen auf den Erfolg: Eines der nahe den Eilsleber Allerwiesen stationierten Taubenweibchen ist bundesweit unter den drei Besten gelistet.

Beste bedeutet bei den Brieftaubensportlern schnellste. "Denn es geht nach Geschwindigkeit", erklärt Christoph Müller. "An bestimmten Startpunkten werden die Tauben aufgelassen, dann wird elektronisch erfasst, wie lange sie brauchen, um im heimischen Schlag anzukommen. Je früher das geschieht, desto mehr Punkte gibt es. Unterschiedliche Entfernungen werden einfach auf ein Durchschnittstempo verrechnet."

Im Rahmen der Deutschen Meisterschaft waren insgesamt fünf Flüge notwendig, der weiteste begann für die Mitglieder der hiesigen RV rund 650 Kilometer Fluglinie entfernt in einem Vorort von Warschau. Eine Strecke, die die schnellsten der 70 eingesetzten Müllerschen Tauben - es werden vorab sechs benannt, von denen drei für die Wertung daheim ankommen müssen - in knapp zehn Stunden bewältigt hatten. Wind- und wetterabhängig segeln die gewöhnlichen Haustauben mit bis zu 100 km/h durch die Lüfte.

Vater und Sohn kümmern sich gemeinsam um ihre 130 gefiederten Eilboten - der seit Jahrzehnten schon als Züchter aktive Senior vormittags, der Sohnemann abends nach der Arbeit. Die tägliche Fütterung sei bei dem Hobby das Wenigste, "das ist in einer halben Stunde erledigt", die Wochenendfahrten zu den Auflasspunkten dagegen stellen schon ein großes Freizeitopfer dar. "Aber es macht Spaß, das ist unser Hauptantrieb, und es ist auch ein gewisser Kick dabei, wenn man auf die Ankunft wartet und es dann endlich passiert", sagt Christoph Müller.

Der Vater hatte in den Fünfzigern "einfach mal aus Interesse im Taubenverein angefangen" - 65 Jahre sind schon draus geworden. Der Sohn war hin und wieder mit dabei und "vor einigen Jahren plötzlich dann auch voll bei der Sache". So ist es auch eine gemeinschaftliche Freude über den bislang größten Erfolg eines Bördekreis-Züchters, über den sie mit der Ergebnisveröffentlichung Ende Februar letzte Gewissheit hatten.

"Es ist natürlich auch eine gute Portion Glück im Spiel", weiß Christoph Müller, "allein schon was die Auswahl der sechs Wertungstiere angeht." Mit guten Jahrgängen insgesamt könne man diesen Glücksfaktor jedoch minimieren. "Die Zuchtlinie und die eigene Beobachtung spielen daher eine wichtige Rolle, viel Arbeit und gute Tauben sind das A und O." Dennoch sei er "immer ein Zweifler gewesen", ob man sich "bundesweit wirklich weit oben" platzieren könne, zumal das aufgrund der starken Besetzung schon innerhalb der RV schwierig sei.

Die neue Saison steht schon kurz bevor, beginnt Mitte April. Die Müllers sind gespannt: "Mal schauen, ob wir wieder so ein Jahr hinlegen können."

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