Der Kirchenvorsitz der Pfarrei St. Bonifatius hat dem Vorhaben die St.-Josef-Kirche in Klein Wanzleben entwidmen zu lassen bereits seine Zustimmung gegeben. Dem 1908 erbauten Gotteshaus soll mit einem Verkauf wieder Leben eingehaucht werden. Ein Verein hat bereits Interesse bekundet und ein Nutzungskonzept in der Schublade.

KleinWanzleben l Der Vorsitz der St. Bonifatius Pfarrei schiebt derzeit das Vorhaben voran, die katholische St.-Josef-Kirche in Klein Wanzleben entwidmen zu lassen. Das bestätigte gestern auf Volksstimme-Nachfrage Pfarrer Ulrich Kania. Das Gotteshaus wird schon seit geraumer Zeit nicht mehr genutzt. "Auch in Zukunft wird es nicht mehr als religiöses Zentrum genutzt werden können." Um das Gebäude zu unterhalten, würden die "eigenen finanziellen Mittel" nicht ausreichen, merkt er an. Den letzten großen Gottesdienst hatte es hier zum 100-jährigen Erbauungsjubiläum 2008 gegeben, erinnert sich der Katholik der in "seiner" Pfarrei St. Bonifatius, die sich zwischen Wellen und Bahrendorf erstreckt, 900 Schäfchen zählt.

Leider würden nur die Kosten steigen, "jedoch nicht die Zahlen der Gemeindemitglieder", nennt Ulrich Kania als Argument, weshalb auch er die Entwidmung der am Rande der Zuckerdorf-Gemeinde idyllisch gelegenen Kirche befürwortet. "Selbstverständlich würde auch ich gern in der St.-Josef-Kirche lieber weiterhin Gottesdienste feiern wollen, aber diesbezüglich muss man realistisch sein." Auch der Kirchenvorsitz habe dem Vorhaben bereits zugestimmt.

Geben alle Seiten grünes Licht, könne der Bischof eventuell schon nach der Sommerpause die Kirche entwidmen. "Ein reiner Rechtsakt", erklärt Kania, der eine endgültige Entscheidung für Juli oder August ankündigt.

Eine Endsumme, für welchen Preis das Objekt dann verkauft werden könnte, steht indes auch noch nicht fest. "Eine Bewertung steht hier noch aus", erklärt der Pfarrer. Einen potentiellen Interessenten mit einem Konzept, das eine kulturelle Nutzung des Hauses vorsieht, gebe es bereits. Näheres dazu sei aber erst dann spruchreif und für die Öffentlichkeit bestimmt, wenn die Kirche entwidmet und der Kaufvertrag unterzeichnet sei, hatte der Verein gegenüber der Volksstimme erklärt. Um die Kirche beispielsweise für Feste und Feierlichkeiten nutzen zu können, sind einige Umbau- und Sanierungsbauarbeiten nötig. Denn weder ein Sanitär- noch ein Versorgungstrakt sind vorhanden. Wie sinnvoll und erfolgreich eine Kirche nach der Entwidmung genutzt werden kann, zeigen allein in der Landeshauptstadt mehrere Konzepte. Beispielsweise die St.-Johannis-Kirche in der Magdeburger City. Sie ist bereits zu einer Kulturstätte für Jugendweihen und Konzerte avanciert. Selbst der Landtag tagte schon unter jenem Dach.

Ein Restaurant mit dem Namen "Die Kirche" befindet sich bereits seit 18 Jahren in der ehemaligen Magdeburger St.-Immanuel-Kirche in Prester - eine gelungene Verknüpfung von Architektur, Kunst, Kirche und Gastronomie.

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