Zu einer Informationsveranstaltung zur geplanten Hähnchenmastanlage bei Stemmern hatten Heimatverein und Ortschaftsrat Dodendorf interessierte Bürger eingeladen. Sie wollten wissen, wie es im Verfahren weitergeht.

Dodendorf l "Wir haben die Nase voll von dem, was uns einer hier vor die Tür setzen will, was keiner braucht und nur seinem persönlichen Profit dient", sagte am Donnerstagabend Michael Schmitz, stellvertretender Ortsbürgermeister von Dodendorf, zu etwa 40 Besuchern einer Informationsveranstaltung zum geplanten Bau einer Hähnchenmastanlage bei Stemmern in der Einheitsgemeinde Sülzetal. Zusammen mit dem Heimatverein hatte der Ortschaftsrat zu diesem Treffen in das Sport- und Vereinshaus eingeladen.

Die Besucher interessierte vor allem, wie es im Genehmigungsverfahren zum geplanten Bau der Hähnchenmastanlage bei Stemmern weitergeht. Die Agrar- und Milchhof GmbH Stemmern plant, auf ihrem Gelände eine Hähnchenmast-anlage für 350 000 Tiere pro Mastdurchgang zu bauen. Jährlich könnten dort bis zu 2,8 Millionen Tiere gemästet werden. Seit dem vergangenen Jahr läuft das Genehmigungsverfahren nach dem Bundes-immissionsschutzgesetz vor dem Landesverwaltungsamt in Halle. Die Beamten haben zu entscheiden, ob die Anlage gebaut wird, mit Auflagen oder nicht. Nach dem Erörterungstermin in Eggersdorf, bei dem im August Bürger und Institutionen ihre Bedenken gegen das Projekt vortragen durften, prüft das Landesverwaltungsamt.

"Wir müssen weiter wachsam bleiben", verdeutlichte Oliver Wendenkampf, Geschäftsführer des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Sachsen-Anhalt. Nach seinen Informationen wollte das Landesverwaltungsamt seine Entscheidung im Genehmigungsverfahren bereits zum Ende vergangenen Jahres treffen. Dass die Behörde länger prüfe als angenommen, sei für Wendenkampf ein "gutes Zeichen" und womöglich ein Indiz für eine Ablehnung. "Wir sind frohen Mutes, dass es zu keiner Genehmigung kommt", sagte Wendenkampf. Dennoch müssten sich die Gegner der Mastanlage in Stemmern darauf einstellen, gegen einen positiven Bescheid des Landesverwaltungsamtes zu klagen.

Wie Gabriele Siegel, Sprecher in der BUND-Ortsgruppe "Sülzetal" und eine der Köpfe der Bürgerinitiative "Sauberes Sülzetal", sagte, stünden Kosten von 18 000 Euro bevor, die im Falle einer Klage für Anwalt und Gutachter zu stemmen seien. "Der BUND Sachsen-Anhalt hat sich bereiterklärt, die Hälfte der Kosten zu übernehmen", konnte die Stemmeranerin verkünden. Die andere Hälfte der Kosten seien über Spenden aufzubringen.

Auch wenn es in der aktuellen Aktion gelinge, die Hähnchenmastanlage in Stemmern zu verhindern, wolle Gabriele Siegel den Kampf gegen Massentierhaltungsanlagen nicht aufgeben. Sie arbeitet beim BUND im Landesarbeitskreis Landwirtschaft mit. Dieser Arbeitskreis plane nach den Worten von Gabriele Siegel die Kampagne "Stop für Indus-triemast". Darin werde die Landesregierung unter anderem aufgefordert, alle genehmigungspflichtigen Mastanlagen in Sachsen-Anhalt zu stoppen. Bis Mai wolle der BUND Unterschriften sammeln, "die wir dann wäschekörbeweise Landwirtschaftsminister Hermann Onko Aeikens vor die Füße kippen wollen", wie Gabriele Siegel sagte.

"Die Prüfung im Genehmigungsverfahren der Hähnchenmastanlage Stemmern ist noch nicht abgeschlossen", bestätigte am Freitag auf Volksstimme-Anfrage Gabriele Städter von der Pressestelle des Landesverwaltungsamtes in Halle. Wann das Verfahren zum Ende komme, sei noch nicht abzuschätzen.