Oschersleben/Schönebeck/Staßfurt (ok) l Die Kreissynode des Kirchenkreises Egeln tagte am Sonnabend in Oschersleben. 60 Synodale repräsentierten die 20 Kirchgemeindeverbände (Kirchspiele) und 53 Kirchengemeinden sowie die diakonischen Einrichtungen des Kirchenkreises.

Pfarrer Andreas Holtz, seit September 2014 Schulpfarrer für den Kirchenkreis Egeln, eröffnete mit Superintendent Matthias Porzelle die Synode mit einer Abendmahlsandacht. Diese Andacht stand in besonderer Weise unter dem Eindruck des Flugzeugabsturzes in dieser Woche. Die 60 Kreissynodalen gedachten der Opfer und beteten für neue Wege, die die Hinterbliebenen nun ohne ihre Lieben finden müssen.

Regionalbischof Christoph Hackbeil rief in seinem Grußwort auf, "andächtige Kirche im ländlichen Raum" zu sein. Dazu gibt es auch seitens der Landeskirche Material, wie zum Beispiel einen Gebetsentwurf zum Frieden für die Christen in Syrien und im Irak. Solche Ausdrucksformen geistlicher Haltung müssten nur auch von Christen vor Ort genutzt werden.

Im Mittelpunkt der Synode stand zweifellos der Vortrag von Dr. Thomas Schlegel, Leiter des Referats Kirchenmusik und Gemeinde im Landeskirchenamt Erfurt. Er wies darauf hin, dass die Mitgliederzahlen in den Gemeinden deutlich schneller sinken als die Einwohnerzahlen. In der Kirche wird vieles weniger: vor allem Menschen und Geld. Dies trifft besonders den ländlichen Raum, der unter den Magneten der Ballungsräume leidet.

Schlegel verwies auf Studien, nach denen in kleiner werdenden Gemeinden sich der Fokus auf die konzentriere, die in den Gemeinden noch da sind. Eine nach außen gerichtete Mission wird weniger in den Blick genommen.

Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland reagiert auf die Schrumpfung mit Stellenstreichungen, Vergrößerung der Pfarrbereiche sowie Senkung der Gottesdienstfrequenz - nur die Anzahl der Gebäude bleibt gleich. Die Rolle des "professionellen Nachbarn" Pfarrer verändert sich dadurch. Traditionelle soziale Aufgaben lassen sich nicht mehr aufrecht erhalten. Die Veränderungsprozesse führen zu qualitativen Problemen: Gottesdienstformen kommen an ihre Grenzen, Ehrenamtliche kommen in stärkere Rollen.

In der Regel richten sich Strategien darauf, dass bisherige Strukturen stabil gehalten werden sollen und Strukturen an die Wirklichkeit angepasst werden, was zeitverzögerter Rückbau ist. Über diese Prozesse wird oft mit Wut oder Trauer gesprochen. Es gibt viel emotionale Reaktionen, Skepsis gegenüber neuen Ideen und Ratlosigkeit. Dr. Schlegel greift auf Erkenntnisse soziologischer Studien in Wittenberge zurück: "Es ist Zeit, Inventur zu machen und sich um das zu kümmern, was ist und bleibt."

Schlegel machte deutlich, dass es nicht einfach darum gehen kann, dass Ehrenamtliche nun zukünftig das übernehmen, was Hauptamtliche bisher geleistet haben. Das wäre der Versuch, das System weiterhin zu erhalten. "Wir stehen aber vor einem Systemwechsel." Kirche wächst aus Bewegung und nicht aus ihrer Struktur. Es sind mündige Christen vor Ort gefragt. Hauptamtliche können das, was schon immer so war, nicht mehr so durchführen.

Die Kirche befände sich in einem Zwischenland, so Schlegel - zwischen Untergang und Aufbruch. In diesem Zwischenland wachsen neue Ideen. Einige gehen auch wieder ein. In diesem Wechselspiel entstehen Bewegungen. Die Landessynode der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland hat im Herbst 2014 beschlossen: "Die Landessynode unterstützt das Anliegen und ermutigt, neue Gemeindeformen im säkularen Kontext zu erproben. Hierzu bedarf es einer großen Offenheit."

Die Kirchenkreise Halberstadt und Egeln arbeiten zurzeit an der Einrichtung eines Zweckverbandes für den Betrieb eines gemeinsamen Kreiskirchenamtes. Dessen Konzept benötige jedoch mehr Zeit als geplant, so Superintendent Matthias Porzelle. Dafür sei eine Sondersynode im Mai oder Juni nötig.

Gesprochen wurde am Sonnabend auch über die Finanzen. Die Kreissynode hat die Rechnungslegung des Jahres 2014 in Höhe von gut 7,8 Millionen Euro beschlossen. Demnach gab es im vergangenen Jahr 121 Orte in 20 Kirchgemeindeverbänden (Kirchspielen) und 53 Kirchengemeinden, so die Amtsleiterin des Kreiskirchenamtes Wanzleben, Susanne Trittel. Insgesamt gab es 48 Mitarbeiter im Verkündigungsdienst bei 32,92 Vollzeitstellen. 23323 Menschen waren Mitglieder der Kirche (Stand: 31. Dezember 2014). Im Kirchenkreis gibt es 130 Kirchen und Kapellen (185 Gemeindemitglieder pro Gebäude). Dafür gab es 62 Bauanträge mit einer Erwartung von gut 1,5 Millionen Euro - mehr als dort zur Verfügung steht.