Am 28. Mai soll im Verbandsgemeinderat der Westlichen Börde die 1. Fortschreibung der Risikoanalyse und des Brandschutzbedarfsplanes beschlossen werden. Der dem Bau-und Brandschutzausschuss vorgelegte Entwurf zeigte, dass noch großer Klärungsbedarf besteht.

WestlicheBörde l Mit der Sitzung des Bau-und Brandschutzausschusses der Gemeinde Westliche Börde wurde erstmals die 1. Fortschreibung der Risikoanalyse und des Brandschutzbedarfsplanes öffentlich diskutiert. Die Kommunen sind angehalten, alle drei Jahre besagtes Papier zu überarbeiten und fortzuschreiben. Die aktuelle Risikoanalyse und der aktuelle Brandschutzbedarfsplan der Gemeinde Westliche Börde stammen aus dem Jahr 2011 und damit liegt die Kommune voll im Plan. Ziel ist es, die Fortschreibung am 28. Mai im Verbandsgemeinderat zu beschließen. Das ist ein eng gesteckter Zeitrahmen, denn die Diskussion im Bau- und Brandschutzausschuss des Verbandsgemeinderates zeigte am Dienstagabend auf, dass es noch großen Klärungsbedarf gibt. Andererseits hatte Gemeinderat Rainer Dippe vorgeschlagen, das Thema von der Tagesordnung zu nehmen. Er war der Meinung, am Tisch würde nicht genug "Fachpersonal" sitzen. Stattdessen sollte der Ausschuss erneut zusammentreten und jeweils zwei Vertreter der elf Ortswehren sollten dazu kommen. Ausschussvorsitzender Ernst Brunner war nicht der Meinung seines "Amtsbruders", zumal der Gemeindewehrleiter Christian Marquardt zwei aktuelle und ein ehemaliger Wehrleiter als Ausschussmitglieder und ein Wehrleiter als Gast an der Sitzung teilnahmen. In jedem Fall werde das mehrere hundert Seiten umfassende Papier den Ortswehren noch vorgelegt und diskutiert. Das ist ein Ergebnis der Sitzung vom Dienstagabend.

In Vorbereitung der Ausschusssitzung war jedem Mitglied der Entwurf der Risikoanalyse und des Brandschutzbedarfsplanes, der von der Verwaltung und dem Gemeindewehrleiter unter anderem auf der Grundlage eines Runderlasses von 2009 zur Mindestausrüstungsverordnung der Feuerwehren erarbeitet worden war, übergeben worden mit der Hausaufgabe, sich damit zu beschäftigen. Auslebens Wehrleiter Clemens Köhler hatte auf 19 Seiten zu Papier gebracht, welche Änderungen eingearbeitet werden müssten, welche Ungereimtheiten es für ihn gibt, wo Fragen noch geklärt werden müssen. Nicht stimmig waren für ihn beispielsweise Ausrückezeiten, die mit nur sechs Kilometern pro Stunde angegeben waren. Für Diskussionen sorgte in der Runde, dass anscheinend unterschiedliche Berechnungsgrundlagen angewendet wurden. Daher kam der Ausschuss überein, einen Stichtag festzulegen und der ist nun der 31. Dezember 2014.

Mit diesem Stichtag gibt es in der Verbandsgemeinde Westliche Börde 241 aktive Kameraden. Und damit gehe der Trend eher nach unten, würden den Wehren künftig eher weniger Kameraden zur Verfügung stehen. Begünstigt werde dieser Trend durch den Bevölkerungsrückgang, andererseits führe die weniger werdende Bevölkerung wiederum dazu, dass das Risiko in den Dörfern sinke. Wichtig für die Ausrückeordnung sei die Zahl der Atemschutzgeräteträger. Die liegt zum Stichtag 31. Dezember 2014 bei 62 Männern und Frauen. "Hier geht der Trend eher ins Positive. Würden wir den heutigen Tag als Stichtag nehmen, lägen wir schon bei 67 Atemschutzgeräteträgern", meint Ordnungsamtsleiterin Kerstin Mroncz. Mit Blick auf die einzelnen Wehren werde es allerdings schon komplizierter. In der einen Wehr sind ausreichend Atemschutzgeräteträger vorhanden, in der nächsten fehlen sie. "Daher muss bei einer Alarmierung genau geprüft werden, welche Wehren gemeinsam ausrücken, um den Mangel auszugleichen", erklärt die Ordnungsamtsleiterin.

Um noch einmal auf die Risiken zu kommen, wurde in der Diskussion festgestellt, dass sich diese in den einzelnen Orten kaum verändert hätten. Andererseits müsse in der Risikoanalyse und im Brandschutzbedarfsplan festgeschrieben werden, wie mit Ansiedlungen im Außenbereich, also außerhalb der geschlossenen Ortschaften, umgegangen werde. In der Gemeinde Westliche Börde betreffe dies 26 Einwohner, das sind 0,29 Prozent der Gesamtbevölkerung. "Der Grenzwert legt bei 0,5 Prozent. Erst ab diesem Wert müssten sich die Wehren auf die Besonderheiten einstellen und einen größeren Aufwand betreiben, sprich beispielsweise mehr Schläuche anschaffen", erklärte Clemens Köhler den Anwesenden. Der Ausschuss beschloss, diesen Grenzwert anzunehmen und keinen zusätzlichen Aufwand zu betreiben. Wer sich außerhalb eines Ortes ansiedelt, müsse sich darauf einstellen und möglicherweise Löscheinrichtungen wie Löschteiche vor Ort schaffen.

Gesondert müsse Wulferstedt betrachtet werden. Hier läge ein höheres Gefahrenpotenzial vor, da ganze Straßenzüge unter Denkmalschutz stünden.

Diskutiert wurde auch das Thema Wasserwehr. Diese werde es in der Gemeinde Westliche Börde nicht geben. Die Aufgaben würden teilweise die Mitarbeiter der Stadtwirtschaft und die Feuerwehren mit übernehmen. Welche Ausrüstungen müssen dann zusätzlich für die Wehren angeschafft werden? Christian Marquardt brachte die Anschaffung von zwei Festbooten ins Spiel, da die Schlauchboote nicht mehr dem Standard entsprechen. Die Boote würden in Gröningen und möglicherweise in Krottorf stationiert.

In seinem Papier hatte Clemens Köhler ebenso angeregt, die Löschwassenentnahmestellen zu überprüfen.

In jedem Fall brachten die neue Risikoanalyse und der Brandschutzbedarfsplan zutage, dass die Situation in den elf Ortswehren nicht einfacher geworden sei. Welche Technik hat wo den richtigen Standort? Wie geht die Kommune mit einem Feuerwehrgerätehaus um, dass unbedingt erweitert oder erneuert werden müsste, es aber am Standort kaum noch Kameraden gibt, die auf die geforderten 40 Dienststunden kommen? Wo macht es Sinn, Wehren zusammenzulegen? Spielen die Kameraden da mit?

Viele Fragen, die auch nach der Ausschusssitzung noch nicht beantwortet worden sind, gilt es in den kommenden Wochen vor der Beschlussfassung noch zu klären.