Oschersleben (yhe) l Warum befürworten 67 Prozent der deutschen Bevölkerung eine aktive Sterbehilfe? Wo beginnt und wo endet die Würde des Menschen? Diese und andere Fragen standen im Mittelpunkt einer öffentlichen Diskussionsrunde, zu der das Landesbüro der Friedrich-Ebert-Stiftung nach Oschersleben eingeladen hatte.

Sachlich und doch emotional beleuchteten die Wolmirstedter SPD-Bundestagsabgeordnete Waltraud Wolff, Pfarrer Ulrich Paulsen als Vorsitzender des Hospiz- und Palliativverbandes Sachsen-Anhalt sowie Dagmar Boczek, Fachärztin für Anästhesiologie am Harzklinikum Quedlinburg, die Fragen rund um die Sterbehilfe aus verschiedenen Blickwinkeln.

Hintergrund der Debatte ist eine noch für dieses Jahr geplante gesetzliche Regelung zur Sterbehilfe durch den Deutschen Bundestag. Waltraud Wolff erläuterte die einzelnen Gruppenanträge, die zeigen, dass es bei diesem Thema parteiübergreifende Gemeinsamkeiten und Differenzen gibt. Generell einig sei man sich auf politischer Ebene, dass eine Rechtssicherheit für Mediziner geschaffen werden müsse, die sich mit dem Wunsch schwerstkranker Menschen nach Suizid konfrontiert sehen. Unterschiedliche Positionen gäbe es jedoch bei der Frage der assistierten Selbsttötung sowie der Zulassung institutionalisierter Sterbehilfe durch Vereine.

Sehr nachdenklich stimmten die von Ulrich Paulsen und Dagmar Boczek vorgetragenen Beispiele aus ihrer täglichen beruflichen Praxis. So berichteten sie, dass die Betroffenen selten wirklich sofort sterben möchten. Stattdessen hätten sie dagegen Angst vor unerträglichen Schmerzen und Leiden sowie davor, hilflos geliebten Angehörigen zur Last zu fallen. Dabei gibt es schon heute eine sehr gute stationäre wie ambulante Hospiz- und Palliativbetreuung, die todgeweihten Menschen ein schmerzarmes und menschenwürdiges Lebensende ermöglicht. Diese sei aber leider vor allem im ländlichen Raum nicht flächendeckend und müsse unbedingt weiter ausgebaut werden. Ein entscheidender Schritt dazu ist das neue Hospiz- und Palliativgesetz, das derzeit ebenfalls im Deutschen Bundestag erarbeitet werde.

Die Experten der Gesprächsrunde rieten zudem, mit einer gut formulierten Patientenverfügung selbst zu bestimmen, welche Lebenserhaltungsmaßnahmen im Ernstfall gewünscht werden und welche nicht.