Aus schwindelerregender Höhe hat sich gestern Dachdecker Andrej Halonka in Seehausen am schiefergedeckten St.-Laurentius-Kirchturm abgeseilt, um die Sturmschäden zu reparieren. Heute wird das Kletterteam die Löcher am Remkersleber Kirchturm flicken - und auch für diesen Einsatz sparen sich die am Seil "tanzenden" Dachdecker den Gerüstauf- und -abbau.

Seehausen l Die Schäden, die das Sturmtief Anfang Januar mit teilweise heftigen Orkanböen an der Seehäuser St.-Laurentius-Kirchturm angerichtet hat, sind seit gestern repariert. Dachdecker Andrej Halonka seilte sich bei strahlendem Sonnenschein vom knapp 60 Meter hohen, schiefergedeckten Turm ab, um die beschädigten Schieferplatten gegen neue zu ersetzen. "Abgebrochene Schieferteile werden ebenfalls erneuert", erklärt Industrie- und Gewerbekletterer Dirk Tanneberg auf Nachfrage im Kirchgarten, der sich als wahre Fundgrube entpuppte. Denn die alten Schiefertafeln, die er hier entdeckt hat, eignen sich optimal für seinen nächsten Einsatz. "Denn auch am Remkersleber Kirchturm hat der Sturm, der über uns am 9. und 10. Januar hinweggefegt ist, erhebliche Schäden hinterlassen. Die alten Platten schneiden wir passgenau so zu, dass wir sie 1:1 am schiefergedeckten Turm einsetzen können", erklärt der Spezialist aus Göttingen. Für den erst 2011, anlässlich seines 500-jährigen Bestehens neu eingedeckte St.-Laurentiuskirchturm hatte sich hingegen die Materialfrage vorab etwas aufwändiger gestaltet. "Weil die Platten hier noch relativ neu sind, brauchten wir, um nach den Reparaturarbeiten hoch oben am Turm einen einheitlichen Farbton gewährleisten zu können, genau jenen Schiefer, den die Wernigeröder Dachdeckerfirma 2011 verwendet hat", erklärt Dirk Tanneberg, der die Platten eigens hierfür aus dem Harz neu geordert hatte.

Für die Reparatur des ebenfalls seit Januar beschädigten Remkersleber Kirchdachs haben sich die Dachdecker bereits für heute 9 Uhr angekündigt. Auch hier werden die Profis Dank ihrer Klettertechnik auf einen teuren Gerüstauf- und -abbau verzichten können. "Da auch hier der entstandene Sturmschaden mit 40 zu erneuernden Schieferplatten partiell ausfällt, eignet sich die Arbeit vom Seil aus", erklärt Tanneberg, der vor drei Wochen auch das seit Ende März durch den Sturm schwerbeschädigte Dach an der Seehäuser Paulskirche repariert hatte.

"Glücklicherweise greift die Versicherung", sagt Pfarrer Thomas Seiler. In seinen Gemeinden hatte er nach den Stürmen im Januar und März an der Drackenstedter, Dreileber, Remkersleber und beiden Seehäuser Kirchen Schäden melden müssen.

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