Sie stellen einen beschaulichen "Schlägertrupp" und ihr Hauptquartier ist nicht wirklich auf das rasante Rückschlagspiel mit dem gefiederten Kegelkorken ausgerichtet. Aber die Badminton-Aktiven in Wackersleben haben sich bestens damit arrangiert. Und die kleine Abteilung ist dicke da - allen voran der junge Holger Herbst.

Wackersleben l Wenn der schlaksige Rechtshänder beim Turnier für seinen Heimatverein den Schläger schwingt, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass nicht die Badminton-Hochburgen aus Bobbau, Staßfurt oder Halle auftrumpfen, sondern eben ein unscheinbarer Klub namens Rot-Weiß Wackersleben. So auch geschehen bei den letztjährigen Landesmeisterschaften, als der zwölf Lenze junge Sohnemann von Michael Herbst und Silke Czekanowski der gesamten Konkurrenz davonschmetterte und am Ende drei Titel errungen hatte: Einzel, Doppel, Mixed - keine Siegerehrung in der Altersklasse U 13 ging ohne Holger Herbst über die Bühne. Und das Zubrot fürs bis dato kaum auf der Badminton-Karte vertretene kleine Dorf würdigte der Sportwart des Landesverbands so: "In der Vereinswertung belegte der SV Rot-Weiß Wackersleben durch die Ein-Mann-Show von Holger Herbst den ersten Platz vor den Staßfurtern."

Holger ist das Ausnahmetalent der federballbegeisterten Kinder und Jugendlichen bei Rot-Weiß. Unter dem Dach des Sportvereins besteht die Abteilung Badminton seit 2002. Vorreiter seinerzeit waren allerdings ein paar Damen um Renate Matthias. "Wir haben damals Kontakt geknüpft zu den Hötensleber Badminton-Frauen, fanden das ganz interessant und haben dann einfach mal ein lockeres Freundschaftsturnier vereinbart", erzählt Matthias von der Geburtsstunde der Wackersleber Damengruppe. Die Männer stießen als Spätzünder erst drei Jahre später hinzu, und mit dem Einstieg von Holger Herbst vor fünf Jahren erweiterte sich die Abteilung auch im Nachwuchsbereich - eine Kindergruppe wurde eröffnet.

"Mittlerweile sind es etwa ein Dutzend Kinder und fast ebensoviele Erwachsene", sagt Michael Herbst, der zusammen mit seiner Lebenspartnerin Silke sowie Renate Matthias und Gerald Touschek den Leiter- und Betreuerstab bildet. "Wir haben feste Trainingszeiten, immer montags und mittwochs ab 17 Uhr hier in der Sporthalle, und gern wird auch der Sonnabendnachmittag zum Spielen genutzt."

Erst die Jugend, dann die Erwachsenen, das ist der normale Ablauf, ab und an wird auch gemischt. "Durch die Beschaffenheit der Halle sind wir etwas eingeschränkt und müssen uns abwechseln, denn leider verfügen wir hier nur über zwei Felder, bei den Kindern wird es dann manchmal ziemlich knapp", so Michael Herbst. Auch die Deckenhöhe ist fürs reguläre Badmintonspiel eigentlich zu gering. "Aber was soll`s, wir sind froh, dass wir die Spielstätte haben und nutzen können und dass Jung und Alt zusammen Spaß an dem Sport haben", sind sich Herbst und Matthias einig.

Gern transportiert die Abteilung diese Freude auch auf Außenstehende: "Wir spielen immer ganz gern interne oder offene Schleifchenturniere, wobei Doppelpaarungen bunt gemischt werden und auch Neueinsteiger reinschnuppern können. Auch das Linienfest zusammen mit unserer Feuerwehr kommt immer gut an", sagt Michael Herbst, der durch den Erfolg seines Sprösslings nun auch noch um einiges mehr involviert ist in die schnellste aller Ballsportarten.

Sohn Holger, durch die Mutti 2010 auf Badminton aufmerksam geworden "und dann schnell Spaß dran gefunden", steht gewissermaßen auf der Vorstufe zum Leistungssport. Über den Stammverein hinaus hat er sich dem SV Lok Staßfurt angeschlossen. "Da hat er logischerweise viel bessere Voraussetzungen, um sich weiterzuentwickeln", weiß der Papa, der meist den Fahrdienst übernimmt. Montags ist Taining in Staßfurt, donnerstags geht`s nach der Schule am Gymnasium Hadmersleben nach Bernburg zum Kadertraining, denn - wen wundert`s - Holger zählt auch zur Landesauswahl. Freilich greift er zudem mittwochs in Wackersleben zum Schläger und lässt an den Wochenenden ungern ein Turnier aus.

Für dieses Jahr hat Holger Herbst zwei Ziele fest im Visier: "Ich will den Landesmeistertitel verteidigen, am liebsten natürlich in allen drei Disziplinen, und mich bei der Norddeutschen Meisterschaft unter die Top Ten spielen."

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