Die Wulferstedter feiern 2017 den 1050. Jahrestag der urkundlichen Ersterwähnung ihres Heimatortes. Ein Festkomitee hat bereits mit den Vorbereitungen begonnen. Zu diesen Vorbereitungen gehört auch eine Aktion der Heimatstube. Unter ihrer Regie werden Socken gestrickt, die während des Festes den Ort schmücken sollen.

Wulferstedt l Masche zunehmen, glatt rechts, Masche abheben, kraus links, Masche wieder aufnehmen, abketten. Naja, ich verstehe zwar nur Bahnhof, aber erkenne sehr wohl an den Ergebnissen, dass die Damen all diese für einen Laien etwas seltsam klingenden Handgriffe und damit ihr Handwerk sehr gut beherrschen. Oder besser gesagt, ihre Handarbeit. Denn im Wulferstedter Dorfgemeinschaftshaus wird fleißig gestrickt.

Geringelte und gestreifte Socken

Socken werden gestrickt. Einfarbige und bunte Socken, dünne und dicke Socken, geringelte und gestreifte Socken, linke und rechte Socken, kleine und große Socken. Das alles nicht etwa, weil die Wulferstedter neue Trends für den Sommer setzen wollen oder einen harten Winter 2015/2016 befürchten. Sondern vielmehr, weil sie 2017 ihren 1050. Geburtstag feiern werden. Also die urkundliche Ersterwähnung ihres Heimatortes im Jahr 967.

Und während dieser Jubiläumsfeier wollen die Wulferstedter die Straßen ihres Dorfs unter anderem mit Socken schmücken, mit Socken-Ketten. Warum? Na weil Wulferstedt nicht nur von Auswärtigen mit einem Augenzwinkern, sondern von den Einwohnern selbst liebevoll und selbstbewusst "Sockenland" genannt wird und die Bewohner auch nichts dagegegen haben als "Socken" bezeichnet zu werden.

Auch wenn dieser Kosename ursprünglich darauf beruht, dass in Wulferstedt einst "Hausschuh-Socken" hergestellt worden sind, ist er mit den Jahren immer mehr mit "Strumpf-Socken" in Verbindung gebracht worden.

"Und deshalb ist uns auch in Vorbereitung der 1050-Jahr-Feier die Idee zu dieser Strickaktion gekommen", wie Gunhild Dannenberg und Angelika Schuhfuß sagen. Die beiden Vertreterinnen der Wulfer-stedter Heimatstube haben daraufhin einen Aufruf gestartet und auch sofort positive Reaktionen bekommen. Mit dem Ergebnis, dass sich jetzt jeden ersten Dienstag im Monat acht bis zehn Frauen im Alter von 28 bis 82 Jahren im Dorfgemeinschaftshaus treffen und stricken, Socken stricken. "Geplant ist immer von 15 bis 17 Uhr, aber meistens sitzen wir noch länger zusammen", so Gunhild Dannenberg und Angelika Schuhfuß.

Denn es wird ja nicht nur gestrickt, sondern auch viel erzählt. Zum einen werden Informationen aus dem aktuellen Dorfleben ausgetauscht, wird also etwas getratscht. Und zum anderen erzählen vor allem die etwas älteren Teilnehmerinnen sehr viel aus früheren Jahren, also aus der Geschichte des Ortes "Da ist auch für uns noch viel Neues dabei", so Gunhild Dannenberg und Angelika Schuhfuß, die zwar durch ihr Engagement für die Heimatstube viel über die Wulferstedter Vergangenheit wissen, aber eben längst nicht alles. "Und so sind wir über jede weitere Information sehr froh." Und damit die Neuigkeiten aus alten Tagen nicht sogleich wieder in Vergessenheit geraten, "werden wir so etwas wie ein Tagebuch über unsere Strick-Nachmittage schreiben", kündigen Gunhild Dannenberg und Angelika Schuhfuß.

Die sich auf der anderen Seite auch sehr über die Strick-Ergebnisse freuen. Denn während der ersten Treffen sind schon so viele Socken fertig geworden, "dass wir zur 1050-Jahr-Feier mindestens 1050 Socken haben werden", sind sich Gunhild Dannenberg und Angelika Schuhfuß sicher. Zumal die Strick-Damen nicht nur während der Treffen, sondern auch zu Hause an ihren Socken weiterarbeiten. Wie auch weitere, mitunter ehemalige Wulferstedterinnen angekündigt haben, sich an dieser Aktion zu beteiligen und von ihnen gestrickte Socken in die Heimatstube bringen wollen.

Dorfbewohner spenden auch Wolle

Derweil sind auch weitere Teilnehmer an den monatlichen Stricktreffen gern gesehen. Für die im übrigen auch zahlreiche Woll-Spenden von Wulferstedtern abgegeben werden. "Und wenn jemand das Stricken im Allgemeinen und das Sockenstricken im Besonderen nicht so richtig beherrscht, dann sind ja die erfahrenen Damen da, die ihr Können gern weitergeben", wie Gunhild Dannenberg und Angelika Schuhfuß sagen.

Also liebe Wulferstedterinnen und auch Wulferstedter, nur Mut: Masche zunehmen, glatt rechts, Masche abheben, kraus links, Masche wieder aufnehmen, abketten.