Im Rahmen einer Feierstunde sind am "Ehrendenkmal der Opfer von Gewaltherrschaft und Krieg" unter großer Anteilnahme der Domersleber Dorfgemeinschaft zwei neu geschaffene Adlerfiguren enthüllt worden.

Domersleben l Die Adler sind da. Am Freitag standen die beiden Denkmale noch auf einem Transportfahrzeug - verhüllt und mitten in der Ringstraße. Umgeben von zahlreichen Schaulustigen jeden Alters. Am Sonnabend wurden sie der Öffentlichkeit vorgestellt.

Dirk Leseberg, Vorsitzender des Domersleber Schützenvereins, begrüßte unter den zahlreich erschienenen Domerslebern auch Petra Hort, Bürgermeisterin der Stadt Wanzleben-Börde, die Ortsbürgermeister Wanzlebens und Domerslebens, Tino Bauer und Helge Szameitpreuß, sowie den Bildhauer Matej Skavron.

"Die Adler ruhen sinnbildlich als Hofwächter. Sie sollen Ruhe und Frieden bewahren. Aber ebenso mahnen, dass Krieg und Gewalt nur Leid, Schmerz und Elend erzeugen", sagte Winfried Künne vom Schützenverein Domersleben in seiner Ansprache. "Auch 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges müssen wir allen Formen von Ausgrenzung, Diktatur, Vertreibung und Gewaltherrschaft entschieden entgegentreten, die in unserer Gegenwart Zivilisation und Demokratie bedrohen." Angesichts geschichtlicher Erfahrungen müsse die Zivilbevölkerung sich rechtzeitig derer erwehren, die glauben, sich über die Würde anderer erheben zu können.

"Mögen uns die Adler zum Gedenken dienen, aber auch teilhaben lassen an Weitblick und Mut."

Helge Szameitpreuß, Ortsbürgermeister Domersleben

Adler sind das zweithäufigste Wappentier. Nur Löwen sind öfter zu sehen. Adler stehen für Weitblick, Mut und Kraft. Die Adler sind wieder da. Es war eine andere Zeit, damals vor 90 Jahren, als in Domersleben die ersten Adler erschaffen und aufgestellt worden waren. "Eine Zeit, in der man nicht der Opfer des Krieges gedachte, sondern Helden verehrte. Ein Kriegerdenkmal schuf und so über einen verlorenen Krieg trauerte, den Blick rückwärts gerichtet, die Jugend erziehend im Geiste des Gestrigen", sagte Helge Szameitpreuß in einer beeindruckenden Rede. "Diese Adler standen vor den Tafeln der Gefallenen, sie haben Tränen der Trauer gesehen und Aufmärsche von neuen Kriegern. Sie sahen neue Särge zum Friedhof gehen, neue Tote eines neuen Krieges, der dunkelsten Zeit deutscher Geschichte." Jetzt sind die neuen Adler wieder da. Neu geschaffen, angelehnt an die Form der alten, aber mit neuen Inhalten. "Mögen sie uns dem Gedenken dienen und uns nie vergessen lassen, was Krieg, Gewalt und Fremdherrschaft bedeuten. Sie sollen uns aber auch teilhaben lassen an ihrem Weitblick, ihrem Mut und ihrer Kraft", sagte Szameitpreuß.

Die Denkmale sind vom tschechischen Steinmetz Matej Skavron angefertigt worden. 200 Stunden wurden in den Entwurf investiert, 150 weitere waren für das Gießen erforderlich. Er habe die Arbeit etwas unterschätzt, verriet der 34-jährige Künstler, der in Vrchlabi (Hohenelbe) im Riesengebirge beheimatet ist, nach seinen ersten gestalterischen Versuchen. Was er allein begonnen hatte, wurde mit drei Gehilfen zu Ende gebracht. In mühevoller Kleinarbeit sind die ehemaligen Wächter des Denkmals anhand diverser Fotoaufnahmen bis ins Detail nachempfunden worden.

Der Domersleber Schützenverein hatte sich dieses Projekt auf die Fahne geschrieben und dessen Umsetzung vorangetrieben. "Die Adlerfiguren sollen ab sofort die Aufgabe der beiden in den 1970er Jahren verschwundenen steinernen Zeitzeugen übernehmen", erklärte der stellvertretende Vorsitzende der Domersleber Schützen, Siegfried Peppel.

Nach der feierlichen Enthüllung ließen alle Beteiligten den Vormittag mit Getränken, Süßem sowie Gerichten aus der Gulaschkanone und vom Grill ausklingen.

 

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