Auf bis dato einzigartige Weise hat sich der Betreuerstab bei den Ummendorfer "Allerfröschen" für einige Tage quasi verdoppelt. Zehn junge Frauen aus der türkischen Provinz Ankara absolvierten in der Kita ein Praktikum - und waren im Nu ins Tagesgeschehen mit allem Drum und Dran integriert.

Ummendorf l Als die Bitte ins Haus trudelte, "waren wir zunächst schon sehr skeptisch", gibt Kita-Leiterin Liane Uebrig zu. Zehn Praktikantinnen. Für knapp zwei Wochen. Aus der Türkei. Kaum Deutschkenntnisse. "Da haben wir im Kollegium erst mal geschluckt, weil es auf vielerlei Weise eine sehr ungewöhnliche Idee war", so Uebrig weiter. Aber auch höchst interessant, "und ich bin kein Mensch, der Ungewohntes direkt ablehnt, was sich nun auch als richtig gute Sache entpuppt hat. Wir würden das gern wiederholen."

Bedenken hatte es vor allem wegen der Sprachbarriere gegeben: "Von uns spricht natürlich keiner türkisch, und auch Englisch ist nicht gerade ein Spezialgebiet, weshalb wir uns Sorgen um die Verständigung machten." Grundlos, wie sich schnell herausstellte. "Kommunikation mit Händen und Füßen, eigentlich ganz einfach, wir waren total fasziniert. Die Kinder haben es uns vorgemacht, denn gerade bei den jüngeren spielt die Sprache ja noch eine untergeordnete Rolle", beschreibt Uebrig die muntere Interaktion über die Sprachbarriere hinweg. Zur Not behalf man sich mit schlauen Handy-Apps.

Die Leiterin schwärmt weiter: "Die Mädels haben eine absolut positive Ausstrahlung, sind freundlich und hilfsbereit, und man merkt ihnen deutlich an, dass sie Erzieherinnen werden wollen." Denn die mehrtägige Visite bei den Allerfröschen war Teil der Ausbildung von Özlem, Meryem, Hilal, Gülcan, Melek, Asli, Kiraz, Ceren, Fatma und Melike - alle 17 oder 18 Jahre alt und im Rahmen einer Bildungsreise aus dem Landkreis Gölbasi nahe Ankara zu Gast im Trade und Tourism Education Centre Wanzleben. Organisiert wurde diese interkulturelle Begegnung von der Fachakademie des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands Sachsen-Anhalt (Dehoga).

Im Kindergarten waren die zehn Kurzzeit-Erzieherinnen sofort mittendrin im Geschehen. "Was auch daran lag, dass sie sehr eigenständig und geschickt mitgearbeitet haben, sei es beim Spielen mit den Kindern, beim Aufräumen oder beim Küchendienst", lobt Liane Uebrig. "Sie haben bei allen Aktivitäten geholfen, auch bei der Vorbereitung auf die Einweihung unserer neuen Kletteranlage oder bei der Brandschutzübung mit der Feuerwehr, sie haben mit uns gesungen und getanzt, und wir haben auch über die Unterschiede in den Nationalitäten gesprochen, Flaggen gemalt und Handpuppen gebastelt."

Größter Beliebtheit erfreute sich die unermüdliche Frisurenspielerei der Gäste. "Sie haben uns immer schöne Flechtehaare gemacht", wusste die Josefine (6) zu berichten, als es langsam ans traurige Abschiednehmen ging. Liane Uebrig bestätigt: "Mit einer Riesengeduld und immer neuen Einfällen haben sie gekämmt und geflochten, die Kinder haben ihre tollen Frisuren sogar über Nacht behalten."

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